12. REISEBERICHT: 3.10.-11.10.2002

Toronto nach Chicago

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Als nächstes Ziel nach Toronto steuerten wir die Niagara Fälle an. Unterwegs liessen wir es uns natürlich nicht nehmen, in mehreren Weingütern entlang des Lake Ontario, deren Erzeugnisse zu degustieren. Diese Gegend ist das Hauptanbaugebiet für kanadische Weine. Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay aber auch Neuzüchtungen (Hybriden) wie Vidal werden angebaut. Den grössten Bekanntheitsgrad haben aber die Eisweine erlangt: Im Januar, in frostigen Nächten werden die gefrorenen Trauben gepflückt und noch gefroren weiterverarbeitet. Das Resultat sind süsse Dessertweine mit einem faszinierenden Aroma von exotischen Früchten. Dieser aufwändige Prozess hat natürlich seinen Preis, so variieren die Preise für 375ml dieses Nektars zwischen 50 und 140 CHF.
Die Niagarafälle (eigentlich sind es zwei Wasserfälle: American Falls und Horseshoe Falls) sind in mehrerer Hinsicht atemberaubend: die sich in die Tiefe stürzenden Wassermassen der Horseshoefälle sind wirklich gigantisch, atemberaubend ist auch der Gischtteppich, der einem entgegenkommt und einen von Kopf bis Fuss durchnässt. Atemberaubend ist aber auch der Touristenstrom, der rund um die Fälle herrscht. Touristen springen aus den Bussen raus, knipsen ihre Filme leer und schon geht die Reise weiter, Honeymoonpaare verbringen ihre Flitterwochen rund um die Wasserfälle. Dieser Brauch wurde von einem Bruder Napoleons begonnen und gehörtnun zu jeder "ordentlichen" Hochzeitsreise in den Staaten.
Von den Niagarafällen aus fuhren wir entlang des Lake Erie Richtung Detroit. Diese Gegend ist sehr fruchtbar und dementsprechend wird alles Mögliche angebaut: von Gemüse, über Früchte bis hin zu Tabak. In Leamington auf dem Parkplatz des Supermarkets hat uns Robbie angesprochen und zu sich nach Hause eingeladen. Interessanterweise unterrichtet er an der Schule zur Zeit eine erste Primarklasse und wir durften seiner Schule einen Besuch abstatten. Wir wurden sehr freundlich und offen aufgenommen und konnten in verschiedene Klassen reinschauen.
Bei Leamington befindet sich mit Point Pelee der südlichste Punkt Kanadas und ist ein Paradies für Vogelschauer: Im Frühling und Herbst zieht hier allerlei Federvieh vorbei, doch bei unserem Besuch liess sich kein interessantes Tier entdecken.
Auf dem Weg nach Detroit trafen wir noch Erika, die vor 22 Jahren nach Kanada ausgewandert ist und hier ein Haus mit 4 ha Land besitzt, jetzt noch nebenbei Truck fährt und uns zu einem Drink eingeladen hat.
Vor dem Grenzübergang in die USA machten wir uns aufs Schlimmste gefasst: wir rechneten damit, dass wir komplett auseinandergenommen würden, doch nichts dergleichen. Der Beamte war sehr höflich und gab uns noch Reisetips mit auf den Weg. Keine Frage nach Fahrzeugpapieren, Versicherung oder ähnliches.
In Detroit haben wir nur einen kurzen Photohalt gemacht und sind weitergefahren. Die Stadt bietet ausser dem Fordmuseum und dem Renaissance Center keine weiteren Sehenswürdigkeiten und wirkte trotz Rushhour ziemlich ausgestorben.
Unsere erste Übernachtung in den USA wird uns gut Erinnerung bleiben: um 23:00 kommt bei "unserem" Waldweg ein Streifenwagen vorbei und meint wir befänden uns auf Privatgrund, der Besitzer hätte ihn angerufen und wir sollen einen anderen Platz suchen. Zu unserem Erstaunen ist der Cop aber sehr freundlich und gibt uns noch einen Tip, wo wir für den Rest der Nacht bleiben dürfen.
Chicago dafür ist schlichtweg umwerfend: Faszinierende Wolkenkratzer, pulsierendes Leben entlang der Haupteinkaufsmeile, unzählige Museen und Galerien, eine fahrradfreundliche Strandpromenade und das alles am Lake Michigan mit seinen sauberen Badestränden. Auch hier in Chicago führen wir ein angenehmes Clochardleben: Wir schlafen auf einem Parkplatz unter der Brücke, putzen die Zähne über dem Gulli, benutzen die Toilette im naheliegenden Hafen. Doch wir lassen es uns nicht nehmen, gemütlich unseren Tisch und Stühle auszupacken, was Feines zu kochen, bei Kerzenlicht dazu den kanadischen Wein zu geniessen und die Skyline von Chicago zu bestaunen.

Besuch im Inniskillin Weinkeller: Ach, wenn wir doch mehr Platz im Landy hätten ...

American Falls und Horseshoe Falls mit Ausflugsboot, das bis in die Gischtwolke reinfährt

Als echte Touris haben wir natürlich die Tour hinter die Wasserfälle mitgemacht und uns von Kopf bis Fuss nassspritzen lassen.

Cheese...

... und das ganze noch bei Nacht

Am Point Pelee, dem südlichsten Punkt von Kanada. Liegt auf dem 42. Breitengrad, wie Rom. Daher war es im Oktober mit 25 Grad noch angenehm warm

Petr fungiert als Guestreader bei einer 3. Primarklasse in Leamington

Unser Gastgeber in Leamington.
Thank you Robbie and Jane
Blick auf den GM Tower in Detroit
Dünenlandschaft vor Chicago im Indiana Dunes Nationalpark
Es geht rein nach Chicago!

Impressionen von Chicago
Skyline von Chicago

Natürlich darf die Nachtansicht vom John Hankock Observatory und vom Pier aus nicht fehlen
Frühstücksidylle unter der Brücke
Im Field Museum: wir haben den ganzen Tag in diesem riesigen naturhistorischen Museum verbracht und nur etwas mehr als die Hälfte gesehen. Als Attraktion ist u.a. das wohl besterhaltene Skelett eines Tyranosaurus Rex zu bestaunen
... und Cheers