24. REISEBERICHT: 1.4.-21.4.2003

Von der Baja California zurück nach San Francisco

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Hi there, heisst es jetzt wieder anstatt Hola.
Um es schon mal vorwegzunehmen: Wir sind wieder in den USA und sitzen momentan in Kirkwood auf 2300 M.ü.M und wollten noch einen gemütlichen Tag Frühlingsskifahren geniessen, doch anstatt T-Shirt-Temperaturen zu haben, fegt hier ein Schneesturm über die Berge, wie im tiefsten Winter. So sitzen wir hier in der Lodge am warmen Kamin und tipseln diesen Reisebericht, bevor es nachher wieder raus in die Kälte zum Landy geht.
Um die Leserschaft ein wenig bei der Stange zu halten: Bilder vom Skifahren gibt es in Reisebericht 25 !
Was bisher geschah:
Nach unserer Rundtour über das Südkap der Baja blieben wir noch 2 Wochen in "unserem", zum mittlerweile Euroyo, umgetauften Flussbett und hatten sagenhafte Windbedingungen: jeden Tag kachelte es mit 5-6 Windstärken. Esther düste am Schluss relaxed mit dem kleinen Slalombrett herum und Petr versuchte sich an diversen Kiteflugmanövern.
Am 7. April hiess es nach über 2 Monaten Abschied nehmen von La Ventana, um für die nächsten Monate den Weg nach Norden unter die Räder zu nehmen. Auf der Rückfahrt durch die Baja, konnten wir uns mehr Zeit nehmen, als bei der Hinfahrt und haben mehrere Abstecher in die Berge und an unzählige Buchten gemacht. Es ist unglaublich, wo überall Menschen wohnen. Man kann stundenlang über Schotterpisten an die Küste fahren und immer wieder trifft man Siedlungen an. Bei der Rückfahrt von der Bahia de los Angeles fangen wir nach 30'000km unseren ersten Plattfuss ein. Da die Luft nur langsam entweicht, schaffen wir es ohne Radwechsel zur nächsten Garage und dort wir der Pneu im Handumdrehen repariert: Pneu von der Felge weg, innen aufrauhen, Flick draufkleben, Pneu wieder auf die Felge aufziehen, et voilà, schon fertig.
Unterwegs machen wir noch Halt in Punta San Carlos, einem ehemaligen Secret Spot für Windsurfer, an dem wohl die beste Welle der gesamten Westküste bricht. Für die 60 km Schotterpiste benötigen wir fast zweieinhalb Stunden und haben das Gefühl am A.... der Welt zu sein und auf einmal tauchen am Strand unzählige Wohnmobile auf und zig Windsurfer toben sich in der Welle aus. Petr juckt es in den Fingern auch aufs Wasser zu gehen, doch er hat kein Waveboard und keinen dicken Neopren dabei, da die Wassertemperatur am Pazifik nur ca. 14°C beträgt und so lässt er es halt bleiben.
Kurz vor Tecate machen wir noch Halt in einer Weinkellerei und einem biologischen Bauernhof und decken uns mit Wein, Honig und Marmelade ein.
Nach knapp einer Woche Fahrt durch die Baja stehen wir in Tecate an der Grenze zu den USA und sind gespannt wie die Einreiseformalitäten vor sich gehen werden, da gerade der Irakkrieg im Gang ist. Nach 20 Minuten Warterei in der Autoschlange können wir die Einreiseformulare ausfüllen und schon sind wir in den USA. Unser Landrover wird wiederum überhaupt nicht kontrolliert und irgendwelche Einfuhrformalitäten interessieren niemanden an der Grenze. Eigentlich darf der Landrover nur 12 Monate in den USA bleiben und müsste danach wieder ausgeführt werden, doch nobodoy cares, umso besser für uns. Mit unserem US-Visum kriegen wir wieder 6 Monate Aufenthaltsbewilligung für die Staaten, was für Alaska retour perfekt ist.
In den Staaten angekommen, machen wir uns gleich in den Joshua Tree NP auf. Bizarre Felsformationen mit den namensgebenden Joshua Trees prägen den Park. Weiter geht's via Palm Springs, einer künstlichen Luxus-Wüstenoase, die als Überwinterungsort reicher Amis geschaffen wurde, nach Los Angeles. Übernachtet wird wieder mal auf dem Wal-Mart Parkplatz, was wunderbar klappt. Von hier aus machen wir uns auf, um L.A zu erkunden. Long Beach, Huntington und Venice Beach, Hollywood, Beverly Hills und Mt. Wilson waren unsere Zwischenstops.
Weiter ging es durch Solvang. Ursprünglich ein dänisches Dörfchen das mittlerweile zum Touristenort verkommen ist. Überall hat es schöne alte Häuser, die alle erdenklichen Kitschläden beherrbergen und die Leute kaufen den ganzen Ramsch ruckzuck weg. In Santa Barbara machen wir den Scenic Loop, besuchen die Mission und degustieren mal wieder Wein, diesmal den aus dem Santa Ines Valley. Merlot und Zinfandel ausgezeichnet, der Cabernet Sauvignon hinkt denen aus dem Napa Valley aber hinterher.
Als eines der Highlights dieser Etappe können wir den Pismo Beachpark bezeichnen: ein 150 Hektaren grosses Dünengebiet, das mit Motorfahrzeugen befahren werden darf, lockt Abertausende von Sandwütigen an. Der Strand ist gesäumt mit Wohnmobilen und in den Dünen geht die Post ab. Anfangs getrauen wir uns mit unserem vollbeladenen Landy nicht in die Dünen rein, da wir befürchten einzusanden. Doch nachdem wir bei einem erfahrenen Local mitfahren durften und er uns das ganze Gebiet gezeigt hat, entschliessen wir uns auch in die Dünen reinzufahren und dort einen Übernachtungsplatz zu suchen, zumal der Wind an der Küste verdammt kalt und ungemütlich ist. Luft raus auf 1.2 bar und los geht's. Zu unserem eigenen Erstaunen meistern wir alle möglichen Dünenauf- und abfahrten problemlos und können den Freaks mit ihren Quads und Buggies zuschauen. Selbst nach Mitternacht heizen noch viele wie bescheuert herum und lassen uns kaum Schlaf finden.
Am nächsten Tag steht der schönste Teilabschnitt des Highway #1 zwischen San Simeon und Monterey auf dem Programm. Wir machen einen kleinen Abstecher ins Visitor Center des Hearst Castles und geniessen auf der Weiterfahrt den Kontrast zwischen wildem Meer, schroffen Felsklippen und saftig grün bewachsenen Hügeln. Die Landschaft erinnert uns teilweise an den Schweizer Jura. Carmel wurde vor allem dadurch berühmt, dass Clint Eastwood mal Bürgermeister dort war und ein Haufen Schicki Mickis dort wohnen, da haben wir mit unserem verstaubten Landy voll reingepasst. In Santa Cruz bestaunen wir die Künste der Wellenreiter, die sich zu Dutzenden im kalten Pazifik tummeln Ein Wunder, dass sie sich gegenseitig nicht über den Haufen fahren. Seit 1976 sind 52 Surfer in den Wogen untergangen. Wir folgen weiterhin dem Highway #1 bis fast nach San Francisco und machen noch einen kleinen Abstecher ins Silicon Valley, besuchen dort den Campus der Stanford Universität, schauen ins Intel-Museum rein und halten kurz noch im Winchester-Haus an, wo die Witwe des Erfinders der Winchesterflinte aus unerfindlichen Gründen einer Bauwut verfallen ist und nach ihrem Tod ein Anwesen mit 160 Zimmern, 46 Kaminen und einem tropischen Garten hinterlassen hat. Im Los Trancos Park können wir dem St. Andreas Graben folgen, wo die Pazifische und die Amerikanische Platte aufeinanderstossen, was immer wieder zu Erdbeben führt. Am Abend treffen wir wieder bei unseren Kollegen Karena und Val in Napa Valley ein und werden freudig begrüsst.
Eine der erlebnisreichsten Etappen liegt hinter uns.
 

Es geht wieder nach Norden
Fischer an der Küste bei La Purisima
Ost-West-Durchquerung der Baja nach Mulege
Bahia de Conception: wohl die schönsten Strände und Buchten in der ganzen Baja
Typisches mexikanisches Fischerhaus
Eintägige Rundtour in die Berge um Mulege. Selbst nach mehrstündiger Holperfahrt durch die Berge kommt man an kleinen Gehöften vorbei. Die Strasse windet sich steil durch die Berge und bietet atemberaubende Passagen und Aussichten
Santa Rosalia: Ist eine ehemalige Kupferminenstadt und bietet heutzutage eine relaxte Atmosphäre

Von Gustave Eiffel entworfene, aus Fertigelementen bestehende Kirche in Santa Rosalia

Bahia de Los Angeles:
Fantastische Inselwelt mit geschützter Flora und Fauna. Man könnte tagelang mit dem Kanu von Insel zu Insel paddeln und Vögel, Seehunde etc. bestaunen


Punta San Carlos:
Nach zweieinhalbstündiger Holperfahrt sind wir im Paradies für Windsurfer: Bis zu masthohe Wellen und 4-6 Bft Wind von rechts. Leider ist das Wasser mit 14°C und die Luft mit max. 20°C nicht allzu warm. Wasser und Einkaufsmöglichkeiten hat es keine, Selbstversorgung ist angesagt !
Ach ja, Klapperschlangen hat es dort auch.
Diese Schraube war es, die unseren ersten Plattfuss verursacht hat

 



Weiter geht es gen Norden. Die Landschaft wird zunehmend grüner.
Beim Grenzübertritt in die USA war es stark bewölkt und die Gegend nicht allzu fotogen, daher keine Bilder.

Hier sind wir schon im Joshua Tree NP
Riesiges Feld von Windgeneratoren bei Palm Springs
Lake Elsinore, auf dem Weg nach Los Angeles
Strassenszene bei Long Beach
Queen Mary, ein russisches U-Boot und ein Landrover in Long Beach
Hafen von Long Beach
Beachvolleyball am Manhattan Beach, an Sommerwochenenden ist hier die Hölle los
Bay Watch, leider ohne David Hasselhoff und Pam Anderson
Selbst Deltafliegen kann man am Strand.
Könner schaffen es stundenlang im Aufwind der Kante entlang zu fliegen
Man beachte das Rollstuhlsignet !!!
Ausgestiegen ist eine flotte Blondine ohne Anzeichen irgendwelcher Behinderungen. Da der Weg von den Behindertenparkplätzen zum Gebäude kürzer ist, wollte sie sich wahrscheinlich die dünnen Ledersöhlchen nicht zu stark abnutzen

Impressionen vom Venice Beach. Weltberühmt, doch mittlerweile ziemlich heruntergekommen und abends empfiehlt sich der Besuch gemäss Reiseführer nicht mehr

Hollywood am Boardwalk of Fame, wo aktuelle und verloschene Sternchen verewigt sind. Der ganze Boulevard ist voll auf Touris ausgelegt und ein Ramsch- und Kitschläden nach dem anderen säumt den Weg. Es werden Touren durch die Promiquartiere von Beverly Hills angeboten, doch allzumehr als hohe Zäune wird man wohl nicht zu sehen bekommen.
Nobeleinkaufsmeile in Beverly Hills am Rodeo Drive. Ein Edelladen neben dem anderen für die oberen Zehntausend. Selbst die Galerien haben teilweise Austellungsstücke, die manch einem Museum die Schau stehlen
Eines der vielen "Arme Leute" Häuser in Beverly Hills
Abendlicher Traffic Jam in L.A
Dänemark in den USA: Solvang ein kleines dänisches Touristendörfchen

Am Pismo State Beach, Sahara im Kleinformat.
Die Leute haben nicht schlecht gestaunt als sie unseren, mit Bikes und Surfbrettern beladenen Landy die Dünen rauf- und runterfahren gesehen haben. Selbst steilere Auffahrten konnten wir im zweiten Strassengang  bewältigen

Solche Vehikel tun sich leichter in den Dünen, machen aber auch mehr Krach, man beachte den kunstvollen Auspuff
Hearst Castle:
In 28-jähriger Bauzeit hat sich der Medienzar Randolph Hearst sein Traumhaus erbaut. Das enorme Bauwerk ist ein Verschnitt aus architektonischer Fantasie und Nachbau europäischer Vorbilder, diverse Touren werden angeboten, doch wir begnügten uns mit dem Visitorcenter

Highway #1 zwischen San Simeon und Monterey
Hunderte von Seeelephanten, die sich am Strand mausern. Den ganzen Tag faulenzen, wem würde das nicht gefallen ?

Wellenreitmekka Santa Cruz

Hier noch eine Waverridesequenz (677kB)

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Hier hat sich die Amerikanische gegen die Pazifische Platte im Jahre 1908 verschoben

Kleine Stepvisite in der Stanford University und im Intel Museum, welches eine interessante Ausstellung über Chip Design hat.
Eine Touriattraktion mehr: Das Winchester Haus