26. REISEBERICHT: 14.5. - 17.6.2003

Von San Francisco nach Vancouver

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nachdem wir San Francisco Goodbye gesagt haben, ging es der Nordkalifornischen Küste entlang nach Alaska. Wiederum wunderschöne Küstenlandschaften, die denen des traditionellen Highway #1 zwischen L.A. und S.F. in nichts nachstehen. Weiter ging es durch den Lassen Volcanic Park, der leider noch Wintersperre hatte (die Amis sind einfach zu faul, um den Schnee wegzuräumen), zum Mount Shasta. Eine Besteigung dieses 4250 Meter hohen Vulkans reizte uns schon längere Zeit. Am Fusse des Bergs angekommen, erkunden wir die Mietmöglichkeiten von Schneeschuhen, Steigeisen und Pickel, sondieren das Wetter aus, erstehen im Rangeroffice die Bewilligung (man stelle sich das mal in der Schweiz vor, wenn man für jeden Hügel zahlen müsste) und packen unsere Rucksäcke für die zweitägige Besteigung. Zum Glück können wir den Landy auf 2050 m.ü.M parkieren und müssen so nur 1100 Höhenmeter zum Biwakplatz überwinden. Die Streckenführung ist einfach und geht schnurstracks rauf zum Helen Lake, wo wir um 16:30 schweissgebadet ankommen und unser Nachtlager bei hochsommerlichen Temperaturen einrichten. Absteigende Bergsteiger haben uns mitgeteilt, sie hätten den Gipfel nicht erreichen können, da der Wind zu stark war, doch wir hoffen, dass sich die guten Prognosen als wahr erweisen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und den herrlichen Ausblick auf die uns umgebende Bergwelt. Es geht früh ins Bett, da es schon empfindlich abkühlt und wir am nächsten Tag um 4:00 aufstehen wollen, um die nächsten 1100 Höhenmeter zum Gipfel unter die Füsse zu nehmen. Um Mitternacht beginnt es zu Stürmen, was dem Schlaf nicht zuträglich ist und das Wasserkochen für Tee und Bouillon auch nicht erleichtert. Mit reduziertem Frühstück und Wasserration brechen wir auf. Der steile Weg durch die Avalanche Gulch nimmt kein Ende und zehrt an der Kondition. Wir spüren die Höhe, kein Wunder, kommen wir doch direkt von Meereshöhe, selbst an Umkehren wird gedacht, doch als wir den Gipfel vor uns sehen, können wir noch die letzten Energiereserven mobilisieren und erklimmen den Shasta. Welch Ausblick, welch ein Gefühl, es geschafft zu haben. Auf dem Runterweg nehmen wir all die dampfenden Felsritzen wahr, aus denen nach faulen Eiern stinkender Dampf entweicht und die uns ermahnen, dass wir soeben einen noch aktiven Vulkan bestiegen haben. Es geht flott und beschwingt an den anderen armen Seelen vorbei, die den Aufstieg noch vor sich haben, ins Basislager runter, packen alles zusammen und weiter geht's zum Landy.
Als nächstes Ziel stehen die Oregon Dunes auf dem Programm. Ein fast 80 km langer und bis zu 5 km breiter Küstenabschnitt, der von Sanddünen bedeckt ist und mit Fahrzeugen befahren werden darf. Wir lassen die Luft aus den Reifen und schon beginnt das Abenteuer. Die Dünen hier sind steil und vor allem schräg abfallend und wir müssen fortwährend aufpassen, nicht schräg die Düne runterzupurzeln. Im Vergleich zu den Pismo Dunes oberhalb von L.A. ist es hier fast menschenleer und wir haben die ganze Landschaft für uns. Am nächsten Tag passiert es: wir fahren an einem engen Sandtrichter vorbei und die Passage wird immer enger und holpriger und wir bleiben in bedrohlicher Schräglage stecken. Nach kurzer Zeit kommen ein paar Buggyfahrer vorbei und meinen, das Ganze sei gar nicht so schlimm, der Landy könne nicht kippen und wir sollen rückwärts in die Mulde runter und von dort wieder rauffahren. Klappte erstaunlich gut und wir waren wieder um eine Sanderfahrung reicher.
Nach diesem stressigen Teil ging es zur Erholung durch die Weinanbaugebiete rund um Portland. Hier wird vor allem Pinot Noir und Chardonnay angebaut. Leider wurden wir ziemlich enttäuscht, der Wein war nicht sehr harmonisch, kein Gehalt und schwacher Abgang.
Portland hat ein übersichtliches, gemütliches Stadtzentrum mit vielen Parks aber auch vielen Pennern, die diese Parks bewohnen. Eine Besichtigung der Widmer Brauerei mit anschliessender Degustation führte uns in die Geheimnisse der hiesigen Braukunst ein, hicks.
Wie schon im letzten Reisebericht angetönt, haben wir einen Zwischenhalt in Hood River an der Columbia River Gorge eingeschaltet. Anfänglich wollten wir eine Woche bleiben, dann haben wir noch eine Woche angehängt und als der Windreport für die nächste Woche sehr vielversprechend aussah, haben wir noch ein Woche angehängt. Somit wurden es drei sportliche Wochen mit Kiten und Biken. Die Columbia River Gorge ist berühmt dafür, dass es im Sommer mit bis zu 9 Windstärken kachelt und der Wind gegen die Strömung des Flusses bläst und so masthohe Dünungswellen erzeugt. Ein Leckerbissen für Windsurfer und Kiter. Jetzt im Frühsommer war der Wind zum Glück noch nicht so stark und somit war es möglich mit dem Kite aufs Wasser zu gehen, ohne vom Winde verweht zu werden. Frühsommerlich waren auch die Wassertemperaturen, die selten die 14°C Marke überstiegen und die einem die Zähne ins Schlottern brachten, wenn das Wasser langsam durch den Reissverschluss des Neoprenanzugs eindrang. Rund um Hood River hat es genial angelegte Mountainbikepfade, die punkto Funfaktor ihresgleichen suchen. Um das sportliche Pensum voll zu machen, sind wir noch auf den Mt. Hood gekraxelt. Morgens um 2:00 starteten wir auf 1650 m.ü.M und in den nächsten 5.5 Stunden ging es rauf auf 3350 Meter. Es war ein wunderschönes Erlebnis in der Dunkelheit, im Schein der Taschenlampen, die Schneefelder aufzusteigen und dann die Morgendämmerung mitzuerleben. Dass auch der Mt. Hood ein noch aktiver Vulkan ist, liessen uns die überall nach Schwefel stinkenden Dampfschwaden spüren. Um 7:30 standen wir alleine auf dem Gipfel und genossen die Aussicht. Als wir runterstiegen, kamen uns noch an die 30 Gipfelstürmer entgegen. Gemäss Aussage eines Bergführers, sei es an Wochenenden noch viel schlimmer, da sind es an die 200 Personen, die den Berg erklimmen wollen.
Von Hood River aus ging es weiter am Mt. St. Helens vorbei, der 1980 ausgebrochen ist und die ganze Gegend herum in Schlamm und Asche gelegt hat. Tausende von toten Bäumen zeugen von der Urgewalt, die hier gewütet hat. Das nächste Ziel war der Mount Rainier, ein 4380 Meter hoher, immer noch aktiver Vulkan, der wie der St. Helens in den nächsten 5, 50 oder 500 Jahren ausbrechen kann. Majestätisch steht er da, mit seinen steilen Wänden und den schroffen Gletscherspalten. Von hier war es nur noch ein Katzensprung nach Seattle. Dort angekommen suchten wir noch eine Landrovergarage auf, um eine neue Hupe zu montieren, da die alte den Geist aufgegeben hat. Jason ist super hilfsbereit und wir montieren gleich zwei stärkere Hupen, somit sollten wir für die südamerikanischen Strassen gerüstet sein. Danach schlendern wir durch Seattle, finden einen Zeitungsstand mit internationalen Zeitungen und führen uns Spiegel, Stern und wie all die anderen Illustrierten heissen, zu Gemüte. Es tat echt mal wieder gut, deutsche Hefte mit Tiefgang und Informationsgehalt zu lesen, was man von den amerikanischen Pendants in keiner Art und Weise behaupten kann. Die 12$ für die Aussicht von der Space Needle im ehemaligen Weltausstellungsgelände sparen wir uns, dafür fahren wir in Downtown in einem Wolkenkratzerli rauf, haben Glück, dass dort die Büros unbelegt sind und haben dadurch ungestörte Aussicht auf Seattle. Am Besten hat uns der Pike Place Public Marked gefallen, wo frisches Meeresgetier und Waren aus aller Welt (auch Schweizer Käse und italienischer Prosciutto) feil geboten wird. Ein kurzer Besuch im Goldrush Museum vervollständigte den Besuch.
Ein paar Facts zum Goldrush: 1897 kamen die ersten Meldungen von sagenhaften Goldfunden bei Dawson City. Dies führte zu einer Massenhysterie, der sogar der Bürgermeister von Seattle erlegen ist und ab nach Alaska verschwunden ist. Der Weg in den Norden war lang und beschwerlich. Jede Person musste Material und Lebensmittel für ein Jahr mitführen und diese über den Chilkhoot Pass schleppen und dann noch per Boot 750 km weit nach Dawson verschiffen.
Wir werden es gemütlicher haben mit unserem Landy und in den nächsten Reiseberichten sicher noch weitere Infos zum Goldrush haben.
Von Seattle ging es weiter nach Vancouver. An der Grenze werden wir freundlich empfangen, die Formalitäten sind schnell erledigt, unser Landy wird mal wieder nicht beachtet und schon sind wir in Kanada. In Vancouver fällt uns sofort der hohe Anteil an Asiaten auf und das völlige Fehlen von überfetteten Amis. Wie in Montreal sind hier die Leute megasportlich, überall um uns herum joggt, biked, skated, walked es herum. Die Läden hier sind internationaler ausgerichtet, sind trendiger und wir fühlen uns hier wie nach Europa versetzt und dementsprechend sauwohl. Am Abend genehmigen wir uns noch ein 'all U can eat'- Sushi und futtern uns durch die gesamte Speisekarte. Soviel könnte nicht mal ein ausgewachsener Sumo verdrücken, was wir verschlungen haben.

In der nächsten Etappe, rauf nach Anchorage, heisst es Kilometer verschlingen, doch davon im nächsten Reisebericht.

Entlang der Küste von Kalifornien nach Oregon
Im Redwood NP. Die Redwoods sind nicht so dick wie die Sequioas aber mit über 100 Metern, bedeutend höher
Mt. Shasta erwartet uns
Route auf den Mt. Shasta


Lady Esther unterwegs mit Scherpa
Unser Biwak
Es ist nicht mehr weit zum Gipfel
Wir sind oben !!!
Panorama vom Mt. Shasta
Tunesischer Bazar?
Nein, Trocknungsaktion nach dem Shasta-Aufstieg
Depoe Bay, die durch die Verfilmung von "Einer flog übers Kuckusnest" berühmt wurde. Wer erinnert sich nicht an die Szene, wo das ganze Irrenhaus das Schiff besteigt und in hohe See sticht? Hier war's !
Es geht rein in die Oregon Dunes
Auf dem Bild sieht es bedeutend weniger schlimm aus, als wir es empfunden haben.
Skyline von Portland
Nach der Brauereibesichtigung in Portland: Stilleben mit Bretzel.

Impresssionen aus der Columbia River Gorge

Kiten in der Gorge
Mt. Hood aus der Ferne
Timberline Lodge am Fusse des Mt. Hood. Hier wurde der Film "The Shining" mit Jack Nicholson gedreht. "Honey, I'm home !!!"
Aufstieg im Morgengrauen auf den Mt. Hood
Yeppeeee, geschafft
Panorama vom Mt. Hood
Ein guter Tropfen zum Abschluss des "verflixten" siebten Jahres unseres Zusammenseins. Ab in die nächsten sieben Jahre !!!
Ein weiter kulinarischer Leckerbissen: Wir machen Raclette !
Petr hats vom Winde verweht und Esther musste ihn auf der anderen Flussseite wieder abholen
Esther macht sich bereit fürs Kiten
Auf dem Weg zum Mount Saint Helens entdecken wir ein skurriles Zeichen für die Rechte der Indianaer

Rund um den Mount St. Helens finden sich immer noch Spuren der Verwüstung
Mount Rainier mit gletscherbedecktem Gipfel

Ansichten aus Seattle
Am Pikes Place Public Market in Seattle
Es geht rein nach Vancouver

Skyline und Details von Vancouver
Esther geniesst das Sushi, Sashimi, Terryaki, ......