27. REISEBERICHT: 18.6. -13.7.2003

Von Vancouver nach Anchorage

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Von Vancouver ging es nur ein paar Kilometer weiter nördlich nach Squamish, wo am Wochenende das Mountainbikeclassique "Test of Metal" stattfinden sollte: 67km Rundtour und fast 2000 Höhenmeter waren zu überwinden. Dieses Rennen wird als eines der schwersten in Nordamerika gepriesen, die ersten zehn dürfen anschliessend an Profirennen teilnehmen und die 800 Startplätze sind schon Monate im voraus vergeben. Dieses Spektakel durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir wurden nicht enttäuscht, die Passagen waren teilweise ziemlich haarig und spektakuläre Stürze blieben nicht aus, wo Mann und Frau mitsamt Rad kopfvoran im Wald verschwanden. Die Organisatoren legten auf Sicherheit nicht allzuhohen Wert, waren selbst an den Schlüsselstellen keine Sanitäter postiert. Nachdem das Rennen vorüber war, trauten wir uns auch auf die Strecke und mussten den Teilnehmern unserer Respekt zollen: die Strecke war wirklich verdammt anspruchsvoll und selbst Petr musste mehrmals absteigen und sein Rad schieben. Nach unserer Radtour fanden wir einen Zettel an unserer Windschutzscheibe: morgen fände hier ein Treffen des British Columbia Landroverclubs statt. Hin und her gerissen zwischen Trialwettbewerb des Test of Metal und des Landytreffens entschliessen wir uns für Letzeres. Am Morgen finden sich an die zehn Landys ein und es geht ab in die Berge. Das Wetter wir immer mieser und oben auf dem Pass, wo der Geschicklichkeitsparcours ausgesteckt wird, ist es neblig, kalt und es regnet. Da der Parcours mehrere Wasserdurchfahrten beinhaltet und wir kein Interesse haben unser gesamtes Gepäck zu fluten, lassen wir unseren Landy stehen und fahren mit den anderen mit. Thanks very much BC Landrovers !!!
Weiter ging es nach Whistler Blackcomb, das wir eigentlich im Winter erleben wollten, doch blieben wir lieber länger in der Baja, anstatt hier zu frieren. Whistler ist ein Retortenort im Stil eines bayrisch-österreichischen Dörfchens aufgebaut, doch leider nur ein schwacher Abklatsch. Architektonisch ist das ganze ziemlich lieblos zusammengepflastert. Dafür bietet es einen absolut coolen Bikepark an: mit der Sesselbahn rauf und volle Pulle runter. Empfohlen wird ein heavy duty full suspension Bike und eine Ganzkörpercrossausrüstung. Da wir weder das eine, noch das andere haben, radeln wir old fashioned rauf und runter und geniessen das anschliessende Bad im nahe liegenden Bergsee.
Von Whistler geht es weiter via Williams Lake nach Prince George, Zentrum der hiesigen Holzfällerindustrie. Hier rüsten wir noch unsere Vorräte auf, da es, je weiter nördlich wir kommen, teurer wird. Wir nehmen den Cassiar Highway Richtung Watson Lake und machen einen Abstecher nach Stewart und Hyder. In Hyder kommen jedes Jahr Tausende von Lachsen flussaufwärts, um zu laichen. Dies wissen die ansässigen Bären, fischen die Lachse aus dem Wasser und schlagen sich die Mägen voll. Leider sind wir Anfangs Juli noch zu früh dran und sehen weder Lachs noch Bär. Dafür fahren wir zum ... Gletscher rauf. Ein fantastatisches Panorama eröffnet sich uns und entschädigt für die 80km Schotterstrecke. Der Cassiar Highway ist streckenweise noch geschottert und da es zu allem hin noch regnet, überzieht sich unser Landy mit einer braunen Schlammschicht.
In Watson Lake ist ein riesiger Schilderwald DIE Attraktion. Angefangen von einem heimwehgeplagten Soldaten beim Bau des Alaska-Canada Highways 1942, hängen mittlerweile über 47'000 Schilder herum. Neben amerikanischen Nummernschildern, stechen viele liebevoll gestaltete Deutsche und Schweizer Schilder ins Auge.
Nach einer weiteren 600km Tagesetappe treffen wir in Whitehorse ein und haben die Möglichkeit den 1. Juli (Nationalfeiertag in Kanada) hier zu erleben. Festumzug, diverse Attraktionen und verschiedenste Futterstände führen durch den Tag. Auf unsere Anfrage im Tourist Office, wieso es kein Feuerwerk gäbe, kriegen wir die schmunzelnde Antwort, es mache nicht so viel Sinn, Feuerwerkskörper in die Luft zu knallen, wenn die Sonne erst um 23:30 untergehe und man daher herzlich wenig sähe. Klaro, oder? Die Tage hier sind herrlich lang: Sonnenuntergang 23:30, Aufgang 4:30 dazwischen dämmert es ein wenig ein, doch richtig dunkel wird es nie. Es wäre idyllisch am See zu sitzen, zu lesen, den Sonnenuntergang zu geniessen, wären da nicht die Plagegeister von Moskitos und Blackflies, die es auf unser Blut abgesehen haben.
Weiter geht es nach Skagway, das im Goldrush von 1898 DER Hafen für all die Tausende von Möchtegerngoldschürfern war.
Ein paar weitere Facts zum Goldrush:
Von Seattle mit dem Dampfschiff losgelegt und in Skagway angelangt, mussten die Goldsucher ihre Tonne Hab und Gut an den verschiedenen Banditen vorbeibringen, die sie um ihren Besitz bringen wollten. Hatten sie diese Hürde hinter sich, hatten sie die Wahl über den Chilkhoot oder den White Pass zu kraxeln. Ersterer war 1144m hoch und nur zu Fuss zu erklimmen. Um eine Tonne Material rüberzuschleppen, musste dieser bis zu 40 mal überquert werden. Letzerer war zwar mit Pferden zu überqueren, doch verendeten hier mehr Pferde, als solche, die es rüberschafften. Daher wurde dieser Pass sinnigerweise auch Dead Horse Trail genannt. War diese Hürde überwunden, wurde am Lake Benett das Winterlager aufgeschlagen und es musste ein Floss gebaut werden, um im Frühling bei Eisschmelze, die nächsten 700km den Yukon flussabwärts zu schippern. Stromschnellen bei Whitehorse beendeten manch einen Goldschürfertraum. In Dawson City angelangt, mussten dann die meisten feststellen, dass sie zu spät gekommen waren und die ertragsreichsten Claims schon längst abgesteckt waren. So blieb ihnen nur noch die Wahl für andere zu schürfen oder wieder umzukehren. Life is a bitch !!!
Viele der historischen Gebäude sind in Skagway noch erhalten und man kriegt einen Eindruck, wie es hier vor 100 Jahren ausgesehen haben muss. Hier können wir den 4. Juli (Nationalfeiertag der USA) miterleben. Neben Festumzug werden noch weitere Attraktionen wie Eierweitwurf, Kuchenwettessen, Armdrücken, Nageleinschlagen und Pizzawerfen angeboten.
Von Skagway verschiffen wir in einer Stunde nach Haines und können dort noch das 4. Juli Feuerwerk miterleben. Wir geniessen die Fahrt durch die Fjordlandschaft und würden gerne noch weiterschippern. Von Haines führt die Strasse durch herrliche Berglandschaft und würde im Herbst am Futtergebiet von Hunderten von Weisskopfadlern vorbeiführen, doch jetzt im Sommer lässt sich keiner blicken.
Es geht vorbei am Kluane NP, der die höchsten Gipfel Kanadas und zusammen mit dem Wrangell-St.Elias NP von Alaska das grösste Gletschermassiv ausserhalb der Polkappen einschliesst. Der Park ist erst 1980 gegründet worden, ist riesig und noch nicht fertig erschlossen, So muss man eine Dreitageswanderung auf sich nehmen, um einen Blick auf die imposante Gletscherwelt zu werfen. Wir wären durchaus interessiert an solch einem Unterfangen, doch hat es gemäss Ranger zu viele Bären in der Gegend und der Trail ist geschlossen, schade. Am Abend sitzen wir gemütlich am See, beginnen das Nachtessen zuzubereiten und auf einmal kommt ein Touri zu uns und meint, ob wir den Grizzly hinter unserem Auto schon gesehen hätten. Verwundert stehen wir auf und siehe da, keine 30m von uns entfernt frisst ein erwachsener Grizzly Gras und Beeren und lässt sich in keiner Art und Weise von uns und den mittlerweile eingetroffenen anderen Fahrzeugen stören. Wir entschliessen uns, unseren Fisch erst zu braten, wenn der Bär weg ist. Doch der macht keine Anstalten sich zu verziehen. Nach einer halben Stunde trottet er in den See und kühlt sich ab. Nach dieser Abkühlung scheint er Interesse an uns gefunden zu haben und zottelt in unsere Richtung. Als er sich bis auf 25m annähert, schalten wir das Radio volle Pulle ein. Dies scheint ihn zu irritieren, er verzieht sich und wir können endlich unseren Fisch braten. Wir beruhigen uns damit, dass Bären nicht Leitern klettern können und verziehen uns ins Dachzelt.
Nach diesem bärigen Erlebnis ziehen wir tags darauf weiter den Bergen entlang, betreten wieder amerikanischen Boden und folgen dem Wrangell-St.Elias NP, der eine Fortsetzung des Kluane NP auf amerikanischem Boden ist. Die Fläche des Parkes ist grösser als die der Schweiz. Bei Chitina biegen wir auf die 90km Schotterstrecke nach McCarthy ab. Hier zuhinterst im Tal wurde 1902 die weltweit grösste Kupfermine eröffnet. Die umliegenden Berge wurden wie Emmentalerkäse mit über 100km Stollen durchlöchert und das Erz wurde mittels Seilbahnen nach Kennecott gebracht, wo es verarbeitet und danach per Eisenbahn nach Cordova transportiert wurde. Kennecott ist heute eine der grössten Ghost Towns in den USA und die verlotternden Gebäude sind stumme Zeugen einer Ära die 1938 mit dem Zerfall der Kupferpreise jäh abgebrochen wurde. Uns wurde die Wanderung auf den Donoho Peak empfohlen, die in 1-2 Tagen zu bewerkstelligen ist und schöne Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und Gletscher bieten soll. So packen wir unsere Pickel, Steigeisen und was wir sonst noch für eine Tageswanderung mit Gletscherquerung brauchen und fahren per Bike von McCarthy nach Kennecott zum Root Gletscher. Die Überquerung geht zügig voran, doch danach heisst es sich für die nächsten Stunden durchs Gebüsch und Dickicht zu kämpfen, bis wir ans Geröllfeld des Dohono Peak kommen. Nach 3.5 Stunden losen Gerölls haben wir die 1200 Höhenmeter teilweise auf allen Vieren kraxelnd hinter uns gebracht und stehen auf dem Gipfel. Ein atemberaubender Ausblick eröffnet sich uns. Mehrere Gletscher entspringen in den Bergmassiven und ziehen über Kilometer ins Tal. Wir sind uns von der Schweiz doch einiges an Bergen gewöhnt, doch dieser Anblick ist echt überwältigend. Der Abstieg ist bedeutend einfacher, können wir durchs Geröll ins Tal "runtersurfen". Im Dickicht verlaufen wir uns einmal, doch dank GPS kommen wir wieder auf den richtigen Weg zurück. Um 23:30 haben wir den Gletscher wieder überquert und machen uns mit den Radeln auf den Weg zum Auto. Ist ein unwahrscheinliches Gefühl, mitten in der Nacht, bei leichter Dämmerung den Gletscher zu queren. Nach 15 Stunden, 26km und 2'000 Höhenmetern kommen wir erschöpft, aber glücklich diese grandiose Aussicht genossen zu haben, wieder beim Auto an. Der nächste Tag ist der Entspannung gewidmet und mit muskelverkaterten Beinen machen wir uns nach Valdez auf, das auch Schweiz von Alaska genannt wird. Wir queren den Thompson Pass, der im Winter bis zu 25m Schneefall verzeichnet und daher ein beliebtes Heliskigebiet ist. Es geht auch an der Alaska Pipeline vorbei, die im Norden in der Prudhoe Bay beginnt und sich 1200km durch Alaska nach Valdez windet. Das Öl wird von dort auf Tanker verladen und zur Weiterverarbeitung verschifft. In 1989 ist die Exxon Valdez auf Grund gelaufen und hat eine Ölkatastrophe verursacht, von der sich die Natur- und Tierwelt einigermassen erholt hat. Esther macht eine Gletscherrundfahrt zum Columbia Glacier und bekommt Seeotter, Seelöwen, Buckelwale, Weisskopfadler, Puffins und viele Eissschollen zu Gesicht, doch leider kann das Schiff nicht nah genug an den Gletscher ran, um das Kalben zu beobachten. So müssen wir denn bis Südamerika warten. Auf dem Schiff lernt sie noch Cornelia und Christoph aus Zürich kennen die vor 2 Wochen ihren Halbjahrestrip um die Welt gestartet haben und beim Nachtessen versorgen wir uns mit aktuellen News aus der Schweiz.
Von Valdez aus ging es entlang des Glenn Highways nach Anchorage. Dieser Highway führt entlang von mächtigen verschneiten Gipfeln und war für uns bisher der schönste Streckenabschnitt in Alaska, doch uns stehen ja noch einige weitere Leckerbissen bevor und dann ändert sich diese Einschätzung vielleicht.
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Fjordlandschaft auf dem Weg nach Squamish
Wagenrennen am "Test of Metal" in Squamish
In Natura ist es steiler als es auf dem Bild erscheint
Oups, wo geht's denn hier wieder auf den Trail zurück?
Noch ein paar Trialkunststücke gefällig ?
Richtiges englisches Wetter für das Landytreffen

Berglandschaft nördlich von Whistler. Die Gegend wird immer trockener
Auf dem Cassiar Highway
Am Bear Glacier auf dem Weg nach Stewart und Hyder
Salmon Glacier oberhalb von Hyder.
Wir sehen unseren ersten Bären. Er liess sich durch all die herumstehenden Autos nicht beirren und selbst ein Gehupe, als wir abgefahren sind, liess ihn cool.
Vor dem Schilderwald in Watson Lake.
Von Watson Lake nach Whitehorse
Raddampfer in Whitehorse. Mit solchen Schiffen wurde der Yukon befahren.
Mitternacht in Whitehorse

So reisen Amis heute
Fahrt nach Skagway
Skagway heute: Touris (uns inklusive) überall

Eindrücke von der 4. Juli Feier in Skagway
Auf der Fähre von Skagway nach Haines
Abendstimmung in Haines
Von Haines nach Haines Junction
Entlang des Kluane NP

Unser bärigstes Erlebnis: Grizzly am Grasen und Baden
Auf dem Weg nach McCarthy und Kennecott. Im Hintergrund die Wrangell Mountains
Old fashioned Hotel in McCarthy

Kennecott: Kupferminen Ghost Town
Auf dem Kennecott Gletscher
Es ist nicht mehr weit
Blick runter auf Kennecott
Yepppeeeee, geschafft. Das Panorama entschädigt für den mühsamen Aufstieg bei Weitem.
Panorama Donoho Peak
Worthington Gletscher auf dem Weg nach Valdez
Ölpipeline von der Prudhoe Bay nach Valdez
Valdez mit Blick auf die umgebenden Berge.

7 Stündige Schiffstour zum Columbia Gletscher.
Matanuska Gletscher entlang des Glenn Highways