28. REISEBERICHT: 14.7.-1.8.2003

Von Anchorage nach Inuvik

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


In Anchorage angekommen, machten wir nur ein kurzes Sightseeing und fuhren weiter Richtung Kenai Halbinsel. Wir unternahmen einen kurzen Abstecher zum Portage Gletscher vor Whittier und fuhren weiter nach Seward. Hier ist es möglich, fast bis zum Exit Gletscher zu fahren und ihn aus der Nähe zu bestaunen. Bedenklich stimmt, dass er in diesem Jahrhundert, schon um einige hundert Meter geschrumpft ist. Seward  ist ein aktiver Fischerhafen und Ausgangspunkt für Gletschersightseeing und Kanutouren. Von Seward ging es weiter nach Homer. Dominierten auf der Fahrt nach Seward noch hohe Berge, so wurde es jetzt immer flacher und wir kamen an Anchor Point, dem westlichsten, mit dem Auto anfahrbaren Punkt in Nordamerika vorbei. Interessant ist auch der Einfluss, den hier die russischen Seefahrer und Händler hinterlassen haben. Nicht zu vergessen: Alaska wurde erst 1867 vom russischen Zar an die USA verkauft! Auf dem Sandspit in Homer geniessen wir den Sonnenschein bis spät in die Nacht hinein.
Zurück in Anchorage haben wir die Möglichkeit das Governors Picnic mitzuerleben: Ein Fest mit verschiedenen Darbietungen und freiem Mittagessen gesponsort vom Governor. Wir geniessen den warmen Sommertag und  schauen uns auch noch den samstäglichen Markt an. In Anchorage werden wir zu Stammgästen im Kinkos, verbringen wir hier fast drei Tage mit mails schreiben, Homepage aktualisieren und Websurfen. Daneben machen wir noch auf "Kultur" und ziehen uns Terminator 3 mit Noldi Schwarzenegger rein. Die Nächte verbringen wir auf einem stillgelegten K-Mart Parkplatz, der ein Geheimtip für alle Wohnmobilisten aus ganz Amerika ist. An die fünfzig andere RVs stehen hier herum. Natürlich werden wir von allen interessiert beäugt und wie ein Heuschreckenschwarm fallen die pensionierten RV'ler über uns her, lassen uns kaum in Ruhe frühstücken und bombardieren uns immer wieder mit den gleichen Fragen: Where are you from, how long are here for, did you ship the car over, bla bla bla .... . Wir machen wohl demnächst einen Flyer mit den FAQ, den wir in solchen Sitationen verteilen können.
Die nächste Destination ist der Denali NP, mit dem höchsten Gipfel Nordamerikas dem Mt. McKinley oder Denali (6100m). Der Park kann nur mit Tourbus befahren werden, welcher am Besten ein bis zwei Tage im voraus reserviert wird und kostet für die volle Streckenlänge 33$. Dies ist uns zu viel und wir schauen uns dafür das Visitorcenter und alle möglichen Filme an. Hier treffen wir auf Ann, Geoff und Russell aus England, die mit ihrem Landy durch die USA touren. Natürlich entsteht ein angeregtes Gespräch über Landrover, Reisen und es wird beim gemeinsamen Nachtessen fortgesetzt. Tags darauf machen wir einen kleinen Spaziergang beim Parkeingang und treffen auf Alan aus Dallas, der mit seiner Familie in einem Landrover Discovery für drei Monate durch Amerika zieht. Wir übernachten am gleichen Ort, machen aber wegen dem starken Wind fast kein Auge zu, da unsere Autos von den Böen hin und her geschaukelt werden und man sich oben im Dachzelt wie auf einem Schiff fühlt. Wir fahren gemeinsam nach Fairbanks rauf und entdecken vor dem Pioneer Park einen roten Aargauer Landy. Wir klemmen unsere Visitenkarte unter die Scheibenwischer und machen eine kleine Stadtbesichtigung. Vor dem Visitor Center treffen wir auf Bob und Geena aus Pennsylvania, die mit einem, ja was wohl? Ja, mit einem 1964er Landrover Series IIa für 5 Wochen in Alaska unterwegs sind. Liebevoll restauriert und gepflegt gesellt er sich in unsere Landroverparade. Man könnte meinen, es ziehe alle Landyfahrer nach Alaska.
Nach drei amüsanten Tage zusammen mit Alan und seiner Familie verabschieden wir uns, sie wollen rauf in die Prudhoe Bay über den Dalton Highway. Wir machen noch einen kurzen Abstecher in den Kinko's und wen treffen wir hier, nein, keinen Landyfahrer, sondern Christoph Tschudi, mit dem Petr bei ABB zusammengearbeitet hat, und der hier soeben die Inbetriebsetzung einer Batterieenergiespeicheranlage abgeschlossen hat. Zufälle gibt es. Christoph führt uns durch die Anlage und erklärt uns alles. Merci vielmals !!!
Auf der Fahrt nach Dawson steht auf einem Rastplatz ein, jaaaaa, richtig erraten, der rote Aargauer Landy aus Fairbanks. Sonja und René sind die Besitzer und sind schon seit fast einem Jahr durch Australien und Neuseeland unterwegs und wollen ebenfalls rauf nach Inuvik. Hinzu gesellen sich noch Franziska und Armin, die mit ihrem Mietcamper für einen Monat durch Alaska ziehen. Da jedes Team ein unterschiedliches Reisetempo hat, verabreden wir uns für Dawson City.
Auf der Fahrt nach Dawson fahren wir durch Chicken, das aus einem Laden, Bar und Restaurant besteht. Die Bar besticht durch ihre einzigartige Sammlung von an die Wände und Decke genagelten Visitenkarten, Mützen und BH's. Noch heute suchen hier einige Unentwegte nach Gold. Wir machen noch einen Abstecher nach Eagle am Yukon, in dem die Uhr stehengeblieben zu sein scheint. Von hier aus hat Amundsen seine erfolgreiche Durchfahrt der Nordwestpassage in die Welt  telegrafiert.
Der Top of the World Highway, führt auf über 1000 m.ü.M. entlang der Hügelkette und bietet wunderschöne Ausblicke auf beide Seiten. Am Abend kommen wir in Dawson an und veranstalten auf dem Camping mit Sonja, Franziska, René und Armin ein Schweizer BBQ. Reiseerlebnisse - und tips werden ausgetauscht und es wird ein richtig gemütlicher Abend. Unser gemeinsames nächstes Ziel heisst Inuvik und nächstentags bricht jedes Paar zu den 740 km Schotterstrecke auf. Die Strasse ist in einem sehr guten Zustand und Geschwindigkeiten bis zu 110km/h kein Problem, das Wetter sonnig und bietet wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, Täler und Flüsse. Am Polarkreis (66°33') machen wir Mittagspause und geniessen die Aussicht. Hier oben herrscht Permafrost, die Vegetation ist karg, Taiga und Tundra sind die dominierenden Vegetationsformen. Bei einem kurzen Spaziergang in der Tundra fühlt man sich wie auf Wolken, sinkt bis zu den Knöcheln ein und federt Schritt um Schritt durch die Landschaft. Zwei Flüsse müssen per Fähre überquert werden, was schnell vor sich geht. Die letzten 150 km vor Inuvik ist die Landschaft flach und eintönig. Wir treffen abends in Inuvik (68°21') ein, wo uns schon Franziska und Armin begrüssen und wir geniessen die Mitternachtssonne. Inuvik ist das Verwaltungszentrum für alle Inuit, die in den umliegenden Dörfern leben.  Im Sommer ist das Flugzeug und im Winter der Schneeschlitten das Haupttransportmittel. Am nächsten Tag besuchen wir die Iglukirche, schlendern durch die Stadt und machen uns wieder auf den Rückweg, da Inuvik ausser seiner nördlichen Lage keine weiteren touristischen Highlights zu bieten hat. Das Wetter ist uns nicht mehr freundlich gesinnt, es giesst wie aus Kübeln. doch dafür gibt es Ausblicke auf einige kitschige Regenbögen.
Dawson war die Boomstadt während des 1898er Goldrushs und hatte während seiner Hochblüte bis zu 30'000 Einwohner. Alle Berge in der Umgebung wurden umgegraben und diverse Techniken angewendet um trotz Permafrost ans gelbe Edelmetall ranzukommen. Heute präsentiert es sich wie vor hundert Jahren, die Gebäude sind restauriert, ausser der Haupstrasse hat es nur Naturstrassen und Holzbürgersteige. Gold wird immer noch geschürft, doch mit moderneren Methoden als anno dazumals. Auch Petr kann es nicht lassen, holt seinen Suppenteller hervor und versucht sein Glück im Flussbett. Doch ausser kalten Füssen und einem schmerzenden  Rücken gab es nichts zu holen. Abends trifft sich unsere Schweizer Clique im "Diamond Tooth Gerties" und geniesst die excellente Show.
Für uns heisst es nun wieder Kilometer knüppeln, wollen wir doch bis Ende August die kanadischen Nationalparks Banff, Jasper und Glacier und in den Staaten noch den Yellowstone absolvieren. Ob wir dieses enge Programm geschafft haben, erfahrt Ihr, liebe Leserschaft im nächsten Reisebericht.
 

Unterwegs nach Seward
Vor dem Exit Gletscher in Seward
Hafen von Seward
Russische Kapelle auf dem Weg nach Homer
Ohne Worte
Auf dem Sandspit von Homer um 23:00

Ansichten von Anchorage
Esther im 20'000$ Polarfuchsmantel

Auf dem Weg nach Anchorage haben wir fast keine Elche gesehen, doch hier hinter dem internationalen Flughafen wimmelte es von diesen Riesen
Begegnung der anderen Art
Denali (Mt. McKinley) gut versteckt in den Wolken
Bereit für den Iditarod
Ann, Geoff und Russel vor ihrem Landy
Pioneer Park in Fairbanks. Ein Vergnügungspark auf alt getrimmt
Immer noch bewohne Blockhütte in Fairbanks Downtown !
Geana, Alan and Kids bringen Esther Marshmellows grillen bei
Judy und Bob vor ihrem 1964 Series IIa
Landroverparade in Fairbanks
Muskox im Gehege der University of Fairbanks

In der Batterieenergiespeicheranlage in Fairbanks. Christoph, nochmals herzlichen Dank für die Führung  !!!

Auf dem Weg nach Chicken
Chicken Downtown
Die Zeit ist stehengeblieben in Eagle. Öffentliche Trinkwasserzapfstelle
Blick auf den Yukon von Eagle aus
Schweizer BBQ in Dawson City mit Esther, Sonja, René, Armin und Franziska

Auf dem Dempster Highway Richtung Inuvik
Landrovers in der Wildnis
Am Polarkreis (66°33')
Weiter geht's nach Inuvik
Geschafft, wir sind in Inuvik

Iglu Kirche, viele bunte Häuser und die Lösung der Wasserver- und entsorgung im Permafrost mittels oberirdisch verlegten Kanälen

Es geht wieder zurück nach Dawson City
Schweizer Wagenburg im Stil der ersten Siedler
Geschafft, insgesamt 1480km Schotter liegen hinter uns, ohne Schäden und vor allem intakter Frontscheibe
Grösster Schaufelbagger, der in der Bonanza Creek eingesetzt wurde und das ganze Flussbett umgegraben hat.
Petr vesucht sein Glück, doch ohne Erfolg

Dawson City heute
Show im "Diamond Tooth Gerties"