32. REISEBERICHT: 4.11.-11.11.2003

Von der Baja California durch die Barranca del Cobre (Kupfercanyon)

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Eigentlich wollten wir ja nur 4 Wochen in der Baja bleiben, doch es war sooo gemütlich und wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass in der letzten Woche der Wind doch noch kommen würde. Und er kam wirklich und zwar am Tag an dem wir schon alles zusammengepackt hatten und abfahrbereit waren. Wir überlegten hin und her, ob wir noch alles wieder hervorkramen sollten und uns aufs Wasser stürzen sollten, doch wir entschieden uns schweren Herzens dagegen. Bye, Bye, La Ventana, auf in neue Abenteuer !!!
Die Überfahrt von La Paz nach Topolobambo war problemlos und mit drei Engeln für Charlie und anderen Videos auf Spanisch konnten wir unsere Sprachkenntnisse schärfen. Wir kamen um 21:30 an und campierten gleich im Hafen. Unser Ziel hiess nun Barranca del Cobre, gemäss Reiseführern ein gewaltiges Schluchtensystem, das selbst den Grand Canyon in den USA in den Schatten stellen soll. Auf allen Karten die wir studiert haben, fanden wir keine direkte Verbindung in den Canyon, nur aus einem Reisebericht eines anderen Reisepaars wussten wir, dass doch eine Schotterstrecke existieren soll.
Bis nach Choix fuhren wir auf Asphalt und fragten unterwegs in den Polizeistationen nach einem direkten Weg in den Kupfercanyon und siehe da, mehrere Male wurde uns bestätigt, dass es eine Strecke von Choix nach Urique geben soll, zwar Schotter, doch befahrbar. Sodann, rein ins Abenteuer. Choix ist ein ursprünglicher Wildwestort: die Männer reiten noch alle mit Cowboyhüten in der Gegend herum und die Häuser könnten Enio Morricone gut als Kulisse gedient haben. Von nun an ging es auf Schotterpisten immer mehr in die Berge rein und mehrmals mussten wir schon die Reduktion einlegen und das Zentraldiff sperren. Immer weiter wand sich die Strasse in die Berge rein, bis wir am Abend La Reforma erreichten, das fast zuhinterst im Tal liegt. Hier wurde bis vor 30 Jahren Gold, Silber und Kupfer abgebaut und die verfallenen Herrschaftshäuser oben am Hang zeugen vom Reichtum, sogar ein Tennisplatz war vorhanden. Wir können bei zwei Mitarbeitern des Centro Salud (Gesundheitszetrum) im Garten übernachten und erfahren vieles über die Gegend und Leute die hier leben. Interessant war vor allem zu erfahren, dass hier in der gesamten Gegend viel Marihuana angebaut wird, welches dann über die Baja California in die USA geschmuggelt wird. Am nächsten Tag ging es früh aus den Federn raus, stand doch eine lange Tagesetappe bis nach Urique an. Gleich hinter La Reforma ging es steil in die Berge rauf und nur mittels eingelegter Reduktion und gesperrtem Zentraldiff konnten einige Passagen bewältigt werden. Wie die Locals hier mit ihren heckangetriebenen Pickups raufheizen grenzt schon an Autoverstümmelung: mit Vollgas und einigen Passagieren als Beschwerung für die Hinterachse bzw. als Schiebehilfe werden die heiklen Passagen gemeistert. Die Strasse schraubt sich immer mehr in die Höhe und immer wieder kommen wir an kleinen Ortschaften vorbei, welche alle mit einer Schule, Centro de Salud und mindestens einem Lebensmittelladen ausgestattet sind. Es ist unglaublich, wo hier überall noch Menschen leben! Auf 2300 Metern Höhe haben wir den höchsten Punkt erreicht und es geht wieder runter nach Cienegitas wo sich die Strasse nach Urique oder nach Batopilas verzweigt. Wir wählen die Variante nach Urique und kurven von 2200 M.ü.M wieder runter auf 500 m. Die herumliegenden Autowracks zeugen von der tollkühnen Fahrweise und den nicht funktionierenden Bremsen der Mexikaner.
Wir kommen bei Abenddämmerung unten an und können direkt im Dorf beim Fluss übernachten. Als einzige Nachbarn tummeln sich einige Esel herum. Am nächsten Tag erkunden wir das Tal und am Nachmittag hängen wir wortwörtlich herum und zwar in der Hängematte. Völlig baff sind wir, als wir in der Schule 10 neue Compis mit schneller Internetverbindung entdecken. Tags darauf geht es weiter nach Creel und wir machen einen Zwischenhalt auf dem Aussichtspunkt Divisadero, an dem alle Touristen, die mit der Eisenbahn durch den Kupfercanyon fahren einen Zwischenhalt einlegen. Für uns ist es zu touristisch und der Ausblick bei weitem nicht so gut wie der Ausblick runter nach Urique. Creel liegt auf 2200 Metern und mit einer kompletten Touriinfrastruktur ausgerüstet. Wir bleiben nur eine Nacht und das Thermometer sinkt unter den Gefrierpunkt. Was für eine Umstellung zu den warmen Nächten in der Baja! Doch im Auto ist es dank Schlafsack gemütlich warm.
Nächstentags steht Batopilas, das wiederum am Grund des Canyons liegt, auf dem Programm. Nach einigen Strassenkilometern geht es auf einer Schotterpiste in den Canyon runter  Petr kommt auf die glorreiche Idee, er könnte sein Bike vom Dach nehmen und runterdüsen. Doch leider hatte er nicht bedacht, dass die letzten 30 km im Canyon mehr oder weniger entlang des Flusses führen und noch einige schweisstreibende Auffahrten beinhalten. Die Abfahrt konnte mit dem Bike bedeutend schneller bewältigt werden als mit dem Landy, doch ein Plattfuss und innert kürzerster Zeit abgenutzte Bremsklötze liessen Esther im Landy immer wieder aufholen und in der Ebene staubte sie Petr locker ein. Batopilas war eine der wichtigsten Silberminenstädte Mexikos, doch heute ist wenig davon zu spüren. Die Häuser sind am Verfallen und die Stimmung eher trostlos, doch die Abfahrt und die gesamte Gegend sind einfach faszinierend.
Von Batopilas kann man den Canyon entweder Richtung Cienegitas oder via Yoquivo verlassen. Letzteres liegt in unserer Reiserichtung und entpuppt sich als abenteuerliche Offroadstrecke. Im Kriechgang kraxeln wir wieder rauf auf 2400 Meter und halten am Abend in Yoquivo zufällig vor dem Haus des Presidente (Bürgermeister) an, welcher uns sofort zu sich einlädt und am nächsten Tag prompt eine komplette Dorfrundfahrt mit uns durchführt. So besichtigen wir seine Sägerei, zwei seiner Ranchos und die lokale Schule. Gegen Mittag verabschieden wir uns von ihm und der Barranca del Cobre. Eine Woche voller abenteuerlicher Offroadstrecken liegt hinter uns und einige Stunden Putzerei vor uns, um den Staub aus dem Landy rauszukriegen.
 

Auf dem Weg nach Topolobambo auf dem Festland
Morgenessen nach unserer ersten Nacht auf dem Festland

Ab in die Barranca del Cobre
Übernachtung in La Reforma

Jetzt geht es erst richtig los mit den Bergen
Mexikanisches Offroad-Team

Blick in den Urique Canyon
Wildwest in Urique
Zuerst Arbeit ...
... und dann Hängen
Das Top Basketball-Team von Urique beim Training
So werden Tortillas hergestellt

Auf dem Aussichtspunkt Divisadero
Tarahumaras (indigenes Bergvolk, das noch eine ursprüngliche Lebensweise bewahrt hat) am Souvenirs verkaufen
Eine andere Möglichkeit, den Kupfercanyon zu bereisen
Haferfressender Geländewagen in Creel
Steinpilze in Creel

Blick in den Canyon von Batopilas
Hier ging es noch runter, doch das sollte sich ändern
Reparaturpause mit fachkundiger Beratung
Strassenszene in Batopilas
Wagenburg mit Frenchie und einem Kunden, der Touren in den Kupfercanyon anbietet
Jesuitenkirche in Satevo. Unglaublich, in welcher Abgeschiedenheit Kirchen gebaut wurden
Tarahumara Kinder bestaunen uns, nachdem wir uns in ihr Dorf verfahren haben und wieder umkehren mussten

Auf dem Weg aus dem Kupfercanyon nach Yoquivo
In Yoquivo
Wir trauten unseren Augen nicht als uns der Bürgermeister zu einem Billardspiel eingeladen hat
Die lokale Schreinerei
Tarahumara bei der Maisernte
   
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