33. REISEBERICHT: 11.11.-2.12.2003

Von der Barranca del Cobre nach Mexiko City

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nachdem unser Landy seinen Staub abgeschüttelt hat, nahmen wir die historischen Städte Durango, Zacatecas, Guanajuato und Guadalajara in Angriff. Durango war die erste grosse Stadt auf dem Festland und überraschte uns völlig. Hatten wir die Vorstellung auf dem Festland würde grössere Armut als auf der Baja California herrschen, so wurden wir, zumindest was die Städte betrifft, eines Besseren belehrt. Auf dem Land sieht es hingegen schon anders aus. Die Stadt war sauber, fast die gleichen Einkaufsmöglichkeiten wie bei uns in der Schweiz und auf der Plaza flanierten die piekfein angezogenen Einheimischen umher. Die historischen Kirchen und Herrschaftshäuser waren ein Augenschmaus und wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Welch eine Umstellung zu Nordamerika, wo um 1900 errichtete Holzhütten schon als archäologische Raritäten gelten.
Weiter geht es zur Silberminenstadt Zacatecas, die noch eindrücklicher war. Die gesamte Altstadt ist seit 1993 Weltkulturerbe und wunderschön. Am Abend können wir sogar noch einer Callejoneada beiwohnen, bei der eine Musikgruppe durch die Gassen zieht, der eine ganze Menschenhorde folgt und ihre Stimmung mit frei ausgeschenktem Tequila aufheizt. Tags darauf besuchen wir die Mina El Eden, wo über 400 Jahre lang nach Silber geschürft wurde. Unglaublich wie der Berg ausgehölt wurde und unvorstellbar welche Strapazen die Minenarbeiter hier ertragen mussten. Heute kann die Mine besichtigt werden und an Wochenenden findet sogar ne Disco statt.
In Aguascalientes nahmen wir, wie es der Name schon besagt, ein heisses Thermalbad, wobei wir ein eigenes Badeabteil für uns haben. Welch eine Wohltat mal wieder ein heisses Bad zu nehmen! Hier treffen wir Melanie und Stefan aus Basel, die mit ihrem Sohn Finn in einem alten VW-Bus ebenfalls nach Panama runter wollen. Da werden wir uns ja sicher noch ein paarmal über den Weg laufen.
So geschehen in Guanajuato auf der Plaza, das neben Zacatecas eine der wichtigsten Silberminenstädte Mexikos war. Guanajuato liegt umgeben von Bergen auf 2500 M.ü.M und ist wie ein Emmentaler-Käse unterhöhlt. Um die Altstadt vom Verkehr zu entlasten, wurden viele Tunnels gegraben und die Fahrt durch die Stadt gleicht einer Geisterbahnfahrt. Wir haben Glück, am Wochenende wird die Schutzheilige der Stadt gefeiert und überall preisen Händler leckere Spezialitäten an, die wir noch nie gesehen geschweige denn versucht haben. Natürlich begeben wir uns auf Entdeckungstour, naschen hier und da und geniessen die Umstellung zu Nordamerika, das uns mit seiner Essmonokultur ziemlich verleidet ist. Die prächtigen Kirchen und Häuser lassen nur erahnen, welch Reichtum hier geherrscht haben muss. Wir lassen uns auf der Hauptplaza nieder und schauen über eine Stunde lang dem bunten Treiben zu. Hier in Guanajuato wird uns so richtig bewusst, wie religiös die Mexikaner sind. Laufen sie an einer Kirche vorbei, so bekreuzigen sich die meisten, selbst die Jungen. Die Gottesdienste sind meistens voll und für Mädchen, die ihr 15. tes Lebensjahr erreichen, wird eine Messe abgehalten. In Guanajuato übernachten wir, wie schon in Zacatecas, auf einem Mirador (Aussichtspunkt). In der zweiten Nacht, als wir gerade am Zähneputzen waren, fuhr die Polizei vor und wir dachten schon, dass sie uns wegjagen wollen, doch weit gefehlt. Sie meinten nur, wir sollten zum anderen Mirador fahren, dort hätte es weniger Kiffer, wäre sicherer und wünschten uns eine gute Nacht. So viel Freundlichkeit hätten wir nicht erwartet!
Nächstes Ziel war Guadalajara, eine 5 Millionenstadt, die wir auf dem Weg zurück zur Küste anschauen wollten. Am Lago Chapala vor Guadalajara machen wir nur einen kurzen Mittagshalt. Hier haben sich an die 20'000 amerikanische Rentner und Möchtegernkünstler niedergelassen und die Stimmung lässt uns schnell wieder Reissaus nehmen. Der Verkehr in Guadalajara ist viel ruhiger als erwartet und wir kommen problemlos ins Zentrum rein, parken und betreiben Sightseeing. Guadalajara hat im Vergleich zu den vorher besuchten Städten weniger Historisches zu bieten, doch es ist eine moderne Stadt mit einem pulsierenden Markt und vielen chicen Einkaufsmöglichkeiten. Wir gehen in die Nachtvorstellung von "Matrix 3", welche um 22:20 beginnt und haben in einem 20 Saal-Kinokomplex, einen 400 Personensaal mit einer Riesenleinwand ganz alleine für uns! Die Nacht verbringen wir in einem noblem Wohnquartier am Strassenrand und schlafen gemütlich im Landy drin, ohne Probleme. Tags darauf geht es nach Tequila, wo der gleichnamige Agavenschnaps gebraut wird. Wir besichtigen die Fabrik und lernen dort Alejandro, den Verkaufsmanager des Hotel Fenix kennen und er lädt uns zu einer Nacht im Hotel ein. Wauh, eigentlich wollten wir schon an die Küste runter, doch so ein Angebot können wir nicht ausschlagen und fahren zurück nach Guadalajara. Das Hotel liegt im Zentrum von Guadalajara, wir können den Landy in der Tiefgarage unterstellen und uns wiederum ins Getümmel stürzen. Am Abend ins Hotelzimmer zurückzukehren, noch die Glotze anzumachen und am nächsten Morgen ne schöne warme Dusche zu nehmen ist schon eine feine Sache, doch daran wollen wir uns besser gar nicht gewöhnen und wir ziehen am nächsten Tag weiter an die Küste.
In Barra de Navidad angekommen, trafen wir auf Andreas und Michaela, die mit ihrem Wohnmobil ebenfalls nach Feuerland unterwegs sind (www.panamobil.de). Bei einem Bierchen werden Erfahrungen ausgetauscht und am nächsten Tag ziehen die beiden weiter. Wir haben hier mit Gloria und Jimmy von der PrincessK abgemacht, die hier einen Monat stationiert sind, bevor sie weiter runter nach Panama schippern. Die Wiedersehensfreude ist gross und beim Nachtessen gibt es viel zu Plaudern. Die beiden können uns Member-Tickets für das Luxushotel Isla de Navidad verschaffen, in dessen Marina sie stationiert sind. Somit können wir im Hotelgelände parken und am Pool herumhängend den Schönen und Reichen zuschauen. Nach vier Tagen haben wir genug und es zieht uns weiter Richtung Acapulco. Wir nehmen es gemütlich, fahren jeweils bis in den frühen Nachmittag, pflanzen uns dann an den Strand und machen Badeferien. Wir haben keine Probleme, niemand belästigt uns und wir fühlen uns absolut sicher.
Acapulco liegt in einer wunderschönen Bucht, die von Hotels gesäumt wird, ist voll auf Tourismus ausgelegt, aber immer noch schöner als die meisten spanischen Mittelmeerresorts. Natürlich bestaunen wir die berühmten Klippenspringer, welche vor ihrem Sprung zuerst den Felsen raufkraxeln müssen und sich dann von 25 und 35 Metern Höhe in die Fluten runterstürzen. Zum Übernachten fahren wir weiter in die nächste Bucht, wo die Luxusmeile von Acapulco am Entstehen ist, tuckern neben einem dieser Hotels an den Strand und geniessen das Strandleben, mit dem dazugehörigen wunderschönen Sonnenuntergang.
Das nächste Ziel heisst Taxco, das ebenfalls zu den bedeutendsten Silberminenstädten Mexikos gehört. Die Strasse windet sich immer weiter in die Berge hinauf, bis wir wieder auf 1700 M.ü.M in Taxco ankommen. Wir schlängeln uns durch die engen und engsten Gässchen rauf zum Aussichtspunkt und werden dabei von einer Meute VW-Käfern- und Autobussen verfolgt, die hier noch zu Tausenden als Taxis und Autobusse fungieren. Wieder mal ist Fiesta angesagt, das Silberfest steht an und auf der Hauptbühne trällern ein paar Schönlinge ihre Lieder über Liebe, Eifersucht usw.. Das Publikum scheint von der Darbietung nicht allzustark beeindruckt zu sein und steht eher gelangweilt in der Gegend herum. Wir flanieren durch die Strässchen, schauen dem Treiben zu und ziehen von Schmuckladen zu Schmuckladen, da Esther eine silberne Halsbeschwerung als Souvenir ergattern möchte. Die Häuser sind im spanischen Stil gehalten und die Stadt gefällt uns fast noch besser als Guanajuato.
Weiter geht es zum Nevado de Toluca, einem verloschenen, 4690 Meter hohen Vulkan, der mit dem Auto angefahren werden kann. Wir wollen am Fusse des Vulkans übernachten und dann früh rauffahren um den Sonnenaufgang zu bestaunen. Die Strasse zum Eingang des Nationalparks steigt stetig an und als wir in der Dunkelheit ankommen, zeigt der Höhenmesser 3700 Meter an. Das verheisst eine kalte und kopfschmerzende Nacht zu werden. Doch als wir am nächsten Morgen um 6:00 aufbrechen, ist es nur knapp unter dem Gefrierpunkt und von Kopfschmerzen keine Spur, Glück gehabt. Um 6:30 stehen wir vor einer weiteren Barriere und die Tafel daneben lässt verlauten, dass die Weiterfahrt erst um 8:00 möglich ist. Wir hupen den Parkwächter aus dem Bett, doch trotz minutenlangem Zureden, Betteln, Drohen, lässt sich der Depp nicht erweichen und wir müssen bis 8:00 warten. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen und das Frühaufstehen war für die Katz. Die Strasse windet sich weiter auf 4200 Meter, doch unseren Landy scheint die Höhe nicht gross zu beeindrucken und er tuckert friedlich vor sich hin ohne gross Rauchwolken hinter sich herzuziehen. Uns macht die Höhe weit mehr aus und eine kurze Wanderung den Vulkanrand rauf, lässt uns wie alte Asthmatiker schnaufen und den Puls in den Kopf steigen. Dafür ist die Aussicht gut und wir können am Horizont den dampfenden Popocatepetl und die Iztaccihuatl erkennen.
Ja, liebe Lesende, bald habt Ihr es geschafft, nur noch schnell zu den Monarch-Schmetterlingen und dann ist dieser Reisebericht geschafft. Die Fahrt durch die Wälder und Täler zum Schmetterlingsreservat ist navigatorisch fast schwieriger als der Kupfercanyon und wir kommen am Abend vor dem Visitorzentrum von El Rosario an. Wir campen auf einer Wiese vor dem Eingang und stehen morgens schon um 8:00 vor der Kasse, nehmen uns einen Führer und spazieren den gut ausgebauten Weg zu den Bäumen hinauf, wo die Schmetterlinge zu Hunderttausenden herumhängen. Vor lauter Schmetterlingen sieht man die Bäume fast nicht mehr. Wir wollten genug früh bei den Schmetterlingen sein, um sie noch an den Bäumen zu sehen, bevor sie herumzuflattern beginnen. Das Timing ist super: die Dinger hängen an den Bäumen und hängen und hängen... . So stehen wir uns bis 10:30 die Füsse in den Bauch, bevor die Sonne die Bäume erreicht, die Schmetterlinge aufwärmt und sie zu Tausenden zu fliegen beginnen. Überall schwirren sie herum, landen auf anderen Bäumen, Sträuchern und gelegentlich verirrt sich einer auf unsere Köpfe, ein einmaliges Spektakel. Noch ein paar Fakten: Monarch Schmetterlinge verbringen den Sommer in den USA und Kanada und ziehen zum Überwintern nach Mexiko. Die über 4000 km lange Strecke legen sie in Tagesetappen von über 100 km zurück. Hier paaren sie sich und flattern wieder rauf in den Norden, wo die Jungen schlüpfen und wieder runterziehen. Wie sich diese kleinen Dinger orientieren ist bis heute noch ein Rätsel.
Toluca statten wir nur einen Kurzbesuch ab, übernachten an der Tankstelle, umgeben von Lastwagen und bereiten uns auf die Fahrt ins 50km entfernte Mexiko City vor.
Das war's.
 

Auf dem Weg nach Durango, mit Zwischenhalt in einer Western-Kulissenstadt
Kathedrale in Durango

Zacatecas aus verschiedenen Blickwinkeln

Auf dem Markt in Zacatecas
Es geht rein in die Mine
Weiter geht es nach Aguascalientes und die Tortillas werden auf dem Turbo erwärmt
Aguascalientes by night
Unser Planschbecken in Aguascalientes

In der Unterwelt von Guanajuato, ...

im Erdgeschoss, ...
... mal von oben, ...
...mal by night, ...

... und der Markt bei Tag

Impressionen aus Guadalajara
Agavenplantage vor Tequila
Esther mit Alejandro. Muchas gracias !
Esther kriegt in Guadalajara einen neuen, kostenlosen Haarschnitt im Ausbildungssalon. Eigentlich wollte sie nur die blonden Enden wegschnippseln lassen, doch die fleissige Schülerin hat ihr einen luftigen Kurzhaarschnitt verpasst.
Unterwegs mit neuer Frisur

In Barra de Navidad, wieder am Meer

Traumhafte Strände auf dem Weg nach Acapulco


Strandromantik
In Zihuatenejo am Strand

Acapulco ...

und die Klippenspringer

Taxco aus verschiedenen Perspektiven

VW-Parade in Taxco

Nevado de Toluca
Im Valle de Bravo fühlt man sich wie im Tessin
Kompaktwagen auf Mexikanisch

Die andere Seite von Mexiko:
Die Kluft zwischen Arm und Reich, Stadt- und Landbevölkerung ist sehr gross. Auf dem Land leben die Menschen unter einfachsten Bedingungen

Monarch-Schmetterlinge aus der Nähe ...
... und am Baum auf die Sonne wartend
und noch zwei andere Wandervögel
   
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