34. REISEBERICHT: 3.12. - 9.12.2003

Mexiko City

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Am Morgen haben wir in Toluca an der Tankstelle unseren Wassertank aufgefüllt und rein ging es nach Mexiko City. Wie wird der Verkehr sein, sieht man vor lauter Smog etwas, wann fangen uns die bekannt korupten Polizisten das erste Mal ab, wo werden wir übernachten? Diese Fragen gingen uns durch die Köpfe, als wir den ersten Polizeiwagen im Rückspiegel entdecken. Die vorgeschriebene Geschwindigkeit war 60km/h, alle donnerten mit über 90 Sachen an uns vorbei, doch die Polizei wollte uns nicht überholen. Nach ein paar Minuten halten sie uns an, der Polizist will Wagenpapiere und Führerschein sehen. Esther hält sie aus dem Fenster raus, doch lässt sie nicht los, da wir gehört haben, sobald ein Polizist den Ausweis in der Hand hat, gibt er ihn nicht her, bevor eine "Morbida", ein kleines Bestechungsgeld bezahlt wird. In unserem Fall wäre dies eh nicht so schlimm, da wir nur unsere kopierten Ausweise zeigen. Der Polizist meint, wir hätten Endziffer 1 an unserer Autonummer und dürfen am Montag nicht fahren. In Mexiko City gibt es wegen des Smogs Fahrbeschränkungen, an jedem Tag dürfen Fahrzeuge mit bestimmten Endziffern nicht fahren. Dies erstaunt uns, steht doch in unseren Reiseführern, dass mit Endziffer 1 am Donnerstag nicht gefahren werden darf und heute ist Montag. Das ändere sich eben jedes Jahr, meint der Polizeibeamte trocken. Falls wir die umgerechnet 200 CHF Franken Busse sofort zahlen, können wir ungestört weiterfahren, ansonsten muss das Auto für zwei Tage eingestellt werden. Das erscheint uns ein bisschen komisch, doch haben uns andere Reisende auch schon informiert, man solle immer auf die Polizeistation mitgehen, dort kläre sich vieles viel einfacher. So lässt man uns denn nach 20 Minuten Diskussion Richtung Polizeiwache vorfahren, doch der Polizeiwagen bleibt weit zurück. Wir halten wieder an und der Polizeibeamte meint, er hätte jetzt mit seinen Kollegen per Funk gesprochen und wir können ungestört weiterfahren. Das kommt uns nun ziemlich spanisch vor und wir halten gleich an der nächsten Tankstelle an, um uns über den aktuellen Stand der Sperrungen zu informieren. Hier stellt sich heraus, dass die Informationen in unseren Büchern korrekt sind und man uns einfach verarschen wollte. Nach diesem Intermezzo geht es weiter in die Stadt, Ziel ist die Schweizer Schule. Wir haben den Rektor per email kontaktiert, ob es möglich wäre einen Schulbesuch abzustatten und dies wurde uns zugesagt. Doch bevor wir dort ankommen, werden wir schon wieder von Polizisten aus dem Verkehr gezogen, mit der gleichen Begründung, Endziffer 1, blablabla. Wir teilen den Herren Polizisten lächelnd mit, wir kennen die Beschränkungen und sie sollen uns nicht veräppeln. Verdutzt schauen sie uns an und lassen uns weiterziehen.
Wir parken im Schweizer Sportclub und laufen zur Schule rüber um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Leider gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit in der Schule. Wir kehren zurück zum Auto zurück und während wir unsere hochexquisiten Thonbüchsen-Mayonaise-Tortillas futtern, spricht uns Pablo an, der gerade seine Kinder zur Schule gebracht hat. Er kann es nicht fassen, dass wir mit unserem Auto nach Mexiko gekommen sind und lädt uns zu sich ein. Wir können unseren Landy bei ihm in der Garage einstellen und mit der Metro in die Stadt reinfahren. Dies ist absolut genial, wir hätten es uns nicht besser vorstellen können. Pablo ist Grafiker mit eigenem Unternehmen, zählt somit zur mexikanischen Oberschicht und wir erfahren sehr viel über Land, Kultur und die Hassliebe zu den nördlichen Nachbarn.
Der Besuch in der Schweizer Schule ist sehr interessant, wir können in der 3. und 5. Klasse der Primarschule reinschauen und sind erstaunt über die hohen Ansprüche, die an die Schüler gestellt werden (es wird in Deutsch und Spanisch unterrichtet), die gute Infrastruktur (Theatersaal, Schwimmbad und mehrere Sportplätze) und das hohe Niveau (die Abgänger des Gymnasiums bestehen die Aufnahmeprüfung an die Schweizer Universitäten problemlos).
Eine Woche lang können wir bei Pablo bleiben und latschen uns die Füsse wund, um nur einen kleinen Teil dieser faszinierenden und abwechslungsreichen Stadt zu entdecken. Alle Vorurteile die wir gegen diese Stadt gehört haben, sind bei weitem nicht so schlimm, wie angenommen. Natürlich ist die Luft nicht so sauber, am Abend brennen die Augen, doch andere europäische Städte haben im Winter grössere Smogprobleme. Wir fühlen uns jederzeit sicher, sei es in der Metro, im Bus oder zu Fuss in den Märkten. Seit Präsident Fox im Amt ist, soll sich die Situation auch erheblich gebessert haben. Der Verkehr pulsiert rund um die Uhr, doch haben wir keine grossen Staus miterlebt. Es hat viele neue VW's, Audis, Peugeot's, Citroen's und Opel. In Paris sieht man viel mehr verbeulte Karrossen herumfahren. Bettler hat es ebenfalls erstaunlich wenig und im Zürcher HB zieht man mehr Penner herumlungern als hier. Überrascht waren wir auch von den kühlen Nächten und der Tatsache, dass die Häuser keine Zentralheizung haben. So sassen wir denn abends häufig mit der Faserpelzjacke bekleidet in der Couch und haben uns mit Pablo und seinen Kindern unterhalten.
Alles in allem waren wir mehr als positiv überrascht von dieser Stadt und sind froh, dass wir uns allen Unkenrufen zum Trotz hier reingewagt haben.
 

Besuch in der Schweizer Schule
Kathedrale am Zocalo
Hot Chicks in Uniform

 

Mit dem Touribus unterwegs durch die Stadt
Casa des Belles Artes
Autowäsche an der Kreuzung
Zocalo (Hauptplatz)
Seitenstrasse mit Strassenverkäufern
In einer der grössten Zuckerbäckereien der Stadt
Mexiko City hat auch seine ruhigen Seiten, hier im Stadtpark von Cuahtemoc
Blick vom Castillo aus Richtung Zocalo
Kitschiger Sonnenuntergang durch die Dunstglocke gesehen

In Teotihuacan auf der Mondpyramide. Im Hintergrund die Sonnenpyramide
Basilica de Guadaloupe: Wichtigster Wallfahrtsort der Mexikaner. Die neue Kirche fasst über 20'000 Personen.
Blick von Norden über die Stadt

In Coyoacan. Ein ruhiges Villenviertel, das einen vergessen lässt, dass man sich in einer 20 Millionen Metropole befindet und das Samstags einen lebhaften Markt beherbergt
Im Antropologischen Museum. Interessante Exponate über die mexikanischen Kulturen, damals und heute

Bei der Corrida (Stierkampf). In der mit 50'000 Zuschauern fassenden Tribüne, ist es die grösste Stierkampfarena der Welt
Unser Gastgeber in Mexiko City: Pablo Herrera.

Muchas gracias Pablo !!!

   
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