36. REISEBERICHT: 5.1.-4.2.2004

Von Xpu-Ha durch Belize

Bisherige Route Gesamtübersicht:


Na, ja, so schnell wie wir eigentlich gedacht hatten, sind wir von Xpu-Ha nicht weggekommen. Der 80'000 km Service am Landy stand an, daneben noch einige kleinere Reparaturarbeiten an unseren Kleidern, Dreckwäsche galt es sauber zu bringen, und, und, und, und schwupps schon war eine Woche vorbei. Eigentlich wollten wir gar nicht weg, es hat uns hier doch sooooo gut gefallen. Die Info von unseren Campingnachbarn, dass es auf der gesamten Karibikküste keine schöneren Strände als Xpu-Ha geben sollte, hat unsere Abreise auch nicht beschleunigt. Die eine Woche ging leider viel zu schnell vorüber und es hiess Abschied nehmen.
Als nächstes Ziel haben wir uns Punta Allen ausgesucht, das ebenfalls schöne Strände und gut zum Schnorcheln sein sollte. Die 65km lange Holperstrecke haben wir in 3 Stunden hinter uns gebracht, sind aber ziemlich enttäuscht von den Stränden und Punta Allen selber. Wir machen kehrt und finden 10 km nördlich von Punta Allen einen schönen Standplatz am Strand unter Palmen. Wir bleiben hier zwei Tage und geniessen die Zeit in der Hängematte, beim Schnorcheln oder beim Kokosnusspflücken- und aufhacken.
Als weiterer, lohnenswerter Ort wurde uns Xcalak empfohlen. Die Strecke entlang der Küste bis nach Xcalak runter bot wenig Interessantes, die Strände waren eher schmal, keine Palmen und Xcalak selber ist ein kleines Fischerdorf ohne besonderen Flair. Nach einiger Herumfragerei wurde uns ein Platz, ca. 10 km nördlich von Xcalak empfohlen und dies war ein richtiger Glückstreffer. Auf dem Gelände einer verlassenen Touristensiedlung liessen wir uns nieder und blieben volle drei Tage. Am ersten Tag hatte es sogar Wind und so konnte Petr mal wieder den Kite auspacken und übers kristallklare Wasser düsen. Das Riff war in 10 Minuten Schwimmen erreicht und bot Schnorcheln vom Feinsten. Bizarre Korallenlandschaften eröffneten sich unter uns, dazwischen zogen hunderte von Fischen vorbei. Einfach fantastisch! Übrigens: Das Riff, dass sich von Cancun bis nach Honduras zieht, ist nach dem Barrier Reef in Australien, das zweitgrösste Barrier Riff der Welt.
Nach diesen gemütlichen Tagen sind wir nun genug relaxed, um den Grenzübertritt nach Belize in Angriff nehmen zu können. In Chetumal müssen wir noch beim Belizischen Konsulat vorbei, um das Visa zu erstehen. Die Schweiz ist das einzige westeuropäische Land, für das Visumspflicht besteht. So drücken wir zähneknirschend 50$ für unsere Visa ab und los geht's Richtung Grenze. Mit einem mulmigen Gefühl nähern wir uns dem Schlagbaum: was erwartet uns wohl auf der anderen Seite? Wieviele Stunden werden wir hier wohl hängenbleiben? Doch der gesamte Grenzbertritt gestaltet sich als viel einfacher und reibungsloser als erwartet. Die Ausreise aus Mexiko geht ruckzuck über die Bühne. Im Zollfreigebiet füllen wir 180 Liter in unsere Dieseltanks, geben unsere letzten Pesos aus und ziehen weiter Richtung Belizische Grenze. Hier erwartet uns eine lässig kaugummikauende, mindestens 150kg wiegende, pechschwarze Einreisebeamtin, mustert uns von Kopf bis Fuss und spricht mit einem coolen creolischen Englisch auf uns los, yo man. Nachdem sie unsere Visas kontrolliert hat, knallt sie den Einreisestempel in unsere Pässe rein und es geht weiter zum Zollbeamten. Dieser nimmt unseren Landy kurz in Augenschein und winkt uns durch. Das war's, wir sind in Belize. Hinter der Grenze müssen wir noch eine Haftpflichtversicherung nur für Belize abschliessen. Andere Versicherungen werden nicht akzeptiert.
Belize ist ein Sonderfall in Zentralamerika. Es ist vorwiegend von Schwarzen bewohnt, die Nachfahren von Sklaven sind, die auf den Plantagen gearbeitet haben. Landessprache ist Englisch, mit einem creolischen Einschlag, den wir fast nicht verstehen: yo man, no problem man, just cool man und die Atmossphäre im Land ist vorwiegend freundlich und fröhlich.
Sofort hinter der Grenze fällt uns vor allem auf, dass hier kein Müll am Strassenrand herumliegt und die meisten Häuser, egal ob arm oder reich, von einem gepflegten, englischen Rasen umgeben sind. Die erste Nacht verbringen wir im Crocked Tree Wildlife Sanctuary, wo es die verschiedensten Vogelarten zu bewundern gäbe. Doch viel interessanter als Vögel anzuglotzen, ist es mit den Bewohner zu schwatzen. Ihr Rastafaria-Look und der coole Slang sind absolut heiss und der Kontrast zu Mexiko riesengross. Als nächtes Ziel steht das Baboon Sanctuary an. Hier haben über 2500 Brüllaffen ihre geschützte Bleibe gefunden und können nach Lust und Laune herumbrüllen. Mit einem Führer machen wir uns in den Wald auf, um einige der Tiere ganz aus der Nähe zu betrachten. Unser Guide pflückt ein paar deren Lieblingblätter ab und lockt sie mit Rufen an. Kaum haben die Affen die Blätter erspäht, schwingen sie sich behände runter, schauen uns grimmig an und beginnen uns die Blätter aus der Hand zu fressen. Nachdem sie sich sattgefuttert haben, klettern sie wieder in höhere Lagen und stimmen, durch unseren Führer provoziert, in ein fulminantes Brüllkonzert ein. Wenn wir nicht wüssten, dass es diese kleinen Affen sind, die einen solchen Lärm veranstalten, würden wir eher an das Gebrüll zweier miteinander kämpfenden Löwen denken.
Weiter geht's nach Belize City, wo gemäss Reiseliteratur die Sau abgehen soll. Doch davon keine Spur. Die Stadt ist ziemlich heruntergekommen, bietet wenig Sehenswertes und von karibischer Stimmung keine Spur. Selbst am Samstagabend gibt es in der ganzen Stadt nur ein Lokal, in dem Live Musik gespielt wird. Gleich nebenan findet in einer Bar Karaoke statt und es ist echt amüsant zuzuschauen und zuzuhören, wie die Rastafarians Schnulzen von den Backstreet-Boys und Iglesias Jr. zum Besten geben.
Tags darauf brechen wir auf der Suche nach schönen Stränden Richtung  Placencia auf. Unterwegs fahren wir durch Dörfer durch, die von Garifunas, Abkömmlingen von afrikanischen Schwarzen und karibischen Indios, mit eigener Kultur und Sprache, bewohnt sind. Man wähnt sich eher in Afrika als in Mittelamerika. Placencia selber ist ein verschlafenes Fischernest, das immer mehr Touris (vor allem Amis) für sich entdeckt haben und hier herumhängen. Der Strand ist schön und durch das Dorf führt die schmälste Strasse der Welt und ist im Guiness-Buch vermerkt. Wir verbringen hier zwei friedliche Tage, in denen Petr unter anderem versucht,  unsere Digitalkamera zu reparieren, die in Belize City den Geist aufgegeben hat, doch leider vergebens. Somit muss sich die Leserschaft ab Belize City nur mit Text zufriedengeben und abwarten, bis wir die Filme entwickelt haben und wir die Fotos nachträglich auf die Homepage pappen können. (Schwein gehabt, liebe Fotogucker, wir haben unterdessen unsere Filme entwickeln können und somit müssen wir Euch keine Bilder vorenthalten !)
Von Placencia fahren wir noch weiter gen Süden, nach Punta Gorda. Die Stadt ist belebt und die Bevölkerung bunt gemischt mit Indios, Creolen, Garifunas, Chinesen und Weissen. Hier treffen wir auf Jack, der schon seit 33 Jahren hier wohnt und uns viel Interessantes über Land und Leute zu erzählen weiss. Beim Abstecher nach Barranco, einem Garifuna Dorf, können wir die unterschiedlichen Mentalitäten zwischen Indios und Garifunas hautnah miterleben. Erstere betreiben fleissig Ackerbau und können sich selbst versorgen. Die Garifunas nehmen es lockerer, hängen vor ihren Hütten herum, schlagen sich mit Gelegenheitsjobs über die Runden und zu guter Letzt versuchen uns noch drei Rastafarians einen grossen, hässlichen Mörser für 50US$ anzudrehen, no thanks man. Rund um Punta Gorda machen wir noch Ausflüge in die Maya-Dörfer, wo die Leute noch heute sehr urtümlich leben, besuchen die kleinen Maya-Stätten Lubaan Tun und Nim Li Punit und machen noch einen Abstecher nach Blue Creek, einer Höhle, wo man sich beim Herumkraxeln wie India Jones vorkommt.
Bei der Fahrt zurück nach Norden gibt es noch einen Zwischenhalt im Cockscomb Wildlife Sanctuary. Hier befindet sich das grösste Schutzgebiet für Jaguare in ganz Zentralamerika. Wir kleiden uns dschungelmässig ein und streifen durch den Busch auf der Suche nach diesen scheuen Tieren. Jaguare entdecken wir keine, doch dafür können wir den dichten Regenwald hautnah miterleben. Wo kein Weg durchgeschlagen ist, gäbe es kein Durchkommen. Am Abend versuchen die Moskitos und die Blackflies uns bei lebendigem Leibe auszusaugen und wir sind seit Alaska wieder gezwungen unser Moskitonetz auszupacken. Was zwar gegen die Moskis funktioniert, doch für die kleinen Blackflies sind die Maschen so gross wie ein Scheunentor und sie knabbern uns weiter genüsslich an.
In Belmopan, der Hauptstadt von Belize, mit 4'000 Einwohner eine der kleinsten Kapitalen weltweit, machen wir eine Stadtrundfahrt, die in 5 Minuten abgeschlossen ist und ziehen weiter Richtung Caracol.
Caracol
war zur Zeit der Maya-Klassik (300-800 n.Chr.) eine starker Stadtstaat, mit über 200'000 Einwohner auf einer Fläche von 177km2. Man hat bisher über 36'000 Strukturen identifiziert, doch bisher sind nur 12 herausgeputzt und restauriert, die restlichen liegen im dichten Urwald verborgen. Die Strasse nach Caracol ist weit weniger abenteuerlich als erwartet und die letzten 30km sollen nächstes Jahr schon zweispurig asphaltiert werden. Somit wird Caracol bald auch von grossen Tourbussen angesteuert werden können und die mystische Atmosspäre, die wir, ganz alleine auf der grossen Pyramide sitzend beim Sonnenauf- und untergang geniessen können, der Vergangenheit angehören. Es ist ein einmaliges Erlebnis zuoberst über dem Wald zu sitzen, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und den Geräuschen des Dschungels zu horchen.
Zwei interessante und an vielfältigen Eindrücken volle Wochen gehen zu Ende. Die relaxte Stimmung und das bunte Völkergemisch hat uns sehr gut gefallen. Doch gegen den Strand in Xpu-Ha, waren alle nachher besuchten Strände nur zweitklassig. Vielleicht entdecken wir ja auf unserer Weiterreise, noch Schöneres.
Die Ausreise aus Belize geht flott vor sich und drüben in Guetemala sehen wir schon die vielen Geldwechsler und Marktfrauen die uns in Augenschein nehmen.

Doch davon im nächsten Reisebericht, yo man.
 

Abschied von Xpu-Ha
Easy Life bei Punta Allen
Bei den anderen schaut es immer so einfach aus ...

Easy going in Xcalak
Ein Coatimundi rettet sich über die Strasse
Yo man, you wanna buy man ?
Wo die Briten waren, da wird auch Crickett gespielt

Im Baboon Sanctuary. Man würde nicht glauben, was diese grimmig dreinschauenden Gestalten für einen Lärm machen können.

Impressionen aus Belize City
Yo, cruisin' is cool man !
Das letzte Foto unserer Digitalkamera

Blick aus unserem Dachzelt

 

 

 

 

Ach quatsch, sind im Belize Zoo !

Unterwegs nach Placencia
Bei der Manatee Lodge. Von hier aus können Ausflüge zu diesen geschützen Tieren gemacht werden. In der Lagune hat es eine Heisswasserquelle, wo sie sich am liebsten tummeln
Beachlife in Dangriga
Placencia mit Wolken
Besuch vor unserem Dachzelt

Markt in Punta Gorda
Barranco Downtown
Yo man, just keep cool man !

Blue Creek
Nim Li Punit mit vielen erhaltenen Stelen, die Auskunft über die Geschichte des Ortes geben
Ready für die Dschungeltour
Ein kühlendes Bad tut gut

Auf dem Weg nach Caracol
Kurzer Abstecher zum 1500 ft Wasserfall

Endlich, wir sind in Caracol !!!
Esther zwischen zwei riesigen Ceibas
Bye, bye Belize, Guatemala wir kommen !!!
   
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