37. REISEBERICHT: 5.2.-24.5.2004

Guatemala

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Jaaaa, liebe Lesergemeinde, jetzt geht es Schlag auf Schlag mit den Reiseberichten, kaum ist ein Reisebericht durchgelesen, schon folgt ein Neuer. Da kommt ja fast schon Stress auf, nicht wahr?
Die Einreise nach Guatemala ging richtig flott vor sich, Touristenkarte ausgefüllt, kurz ein paar Dollar in Quetzal gewechselt, damit wir das Permit fürs Auto kaufen können und schon waren wir drin. Bei der Fahrt durchs Grenzdorf verlangt eine halboffiziell gekleidete Gestalt 20 Quetzal Brückenzoll. Dies kommt uns doch ziemlich spanisch vor und wir teilen ihm mit, dass wir nicht zu zahlen gedenken. Verdutzt schaut er uns nach und wir holpern weiter Richtung Tikal. Die Strasse ist in einem erbärmlichen Zustand und wir haben schon Bedenken, dass wir bei der Geschwindigkeit Tikal nicht vor Nachtanbruch erreichen. Doch nach 30km bessert sich der Strassenzustand merklich und nur die hin und wieder überraschend auftauchenden Schlaglöcher erfordern eine vorausschauende Fahrweise und von entspanntem Dahinrollen kann keine Rede sein.
Wir kommen am Nachmittag in Tikal an und stürzen uns gleich in die riesige Ruinenstadt. Tikal war während der klassischen Mayaperiode von 300-800 n.Chr. ein grosser Stadtstaat mit über 60'000 Einwohnern und vielen riesigen sakralen Bauten. Im Vergleich zu allen anderen Maya-Stätten beeindrucken hier die vielen hohen und sehr steilen Pyramiden, die sich über das Blätterdach des Regenwaldes erheben. In den Bäumen turnen Spidermonkeys herum, Papageien fliegen von Baum zu Baum und die Brüllaffen veranstalten wieder mal ein lautstarkes Konzert. Wir sitzen auf der höchsten Pyramide #4 und geniessen mit anderen Touris zusammen den Sonnenuntergang. Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um den Sonnenaufgang von der gleichen Pyramide aus, erleben zu können. Wir hetzen die steilen Stufen zur Pyramide rauf und stellen oben fest, dass wir voll im Nebel drin sitzen. Nach etwa eineinhalb Stunden Warterei lichtet sich der Nebel und die Sonne drückt langsam durch. War ganz schön für die Katze, diese Frühaufsteherei !!!
Am Nachmittag holen wir noch das Permit bei der Parkbehörde und nehmen noch die 23 km Schotter nach Uaxactun unter die Räder. Wir sind die einzigen Touristen, die Ruinen eher klein und nicht spektakulär und enttäuscht fahren wir wieder zurück nach Tikal. Zum Abendessen gehen wir mal wieder in ein Restaurant essen und feiern unser eineinhalbjähriges Reisejubiläum mit einem leckeren Dreigangmenü.
Tags darauf geht es nach Poptun, zur Finca Ixobal. Unter Reisenden ein fester Begriff. Wir bleiben hier zwei Nächte, erledigen wieder mal ein paar kleinere Reparaturen, werden seit langem wieder einmal richtig von einer Sturzflut verschifft und müssen feststellen, dass unser Dachzelt mal wieder imprägniert werden sollte. In der Finca hängen viele Touris herum und man spürt von Guatemala herzlich wenig.
Die Weiterfahrt führt uns auf holprigen Schotterwegen durchs Hinterland nach Lanquin. Häufig sind wir gar nicht sicher, ob wir uns überhaupt noch auf der richtigen Strecke befinden, doch kreuzende Autobusse versichern uns, dass wir richtig sind. Die Strasse ist einspurig, windet sich bergauf- und ab durch faszinierende grüne Landschaft und führt durch kleine Dörfchen, wo weniger unser Auto, als die Fahrräder auf dem Dach bewundert werden. Wir winken allen Leuten entlang der Strasse zu und ernten immer ein freundliches Lächeln und Zurückwinken.
Lanquin ist einerseits bekannt für seine riesige Höhle und die wunderschönen Pools im benachbarten Semuc Champey. Auf der Suche nach einer Übernachtungmöglichkeit, biegen wir von der Hauptstrasse ab und winden uns steil bergauf, bis wir in einem Steinbruch ein schönes Plätzchen hoch über dem Tal finden. Doch so einsam wie wir dachten, ist es hier nicht. Am Morgen früh latschen schon einige Kinder staunend am Auto vorbei. Wir nehmen die steile Strecke nach Semuc Champey in Angriff und sind wieder mal froh die Geländereduktion zu haben, so steil rauf und runter geht es hier. Die Pools sind wunderschön und das klare erfrischende Wasser lädt zum Bade ein. Erstaunt sind wir, wieviele Touristen hier am A... der Welt herumhängen. Hier treffen wir Adrian, Steffi und Andres aus der Schweiz, die wir am Abend zu einem Topf Älplermakkaronen einladen und es wird natürlich ausgiebig Reiselatein ausgetauscht. Doch vorher besichtigen wir noch die riesige Höhle, die über 50km Gänge aufweisen soll. Bisher sind nur die ersten 600m gesichert und beleuchtet, doch die riesigen, teilweise über 50m hohen Säle übertreffen unsere Erwartungen bei weitem. Am Abend warten wir noch vor der Höhle, bis die angeblich tausenden von Fledermäusen die Höhle zur Futtersuche verlassen. Wir erwarten eine riesige Wolke dieser Tiere ausschwärmen, doch es sind nur ein paar Dutzende, die herumflattern. Doch als uns der Höhlenguide zum Eingang der Höhle einlässt, sind wir von Hunderten dieser Flatterviecher umringt. Faszinierend! Die Strasse nach Coban wird zur Zeit ausgebaut und ist schon in einem guten Zustand, was auch die Menge an Touris in Lanquin erklärt.
In Coban lässt sich Petr für 3 CHF die Haare schneiden und hier erleben wir das erste Mal eine guatemaltekische Kleinstadt: die Strassen sind vollgepfercht mit Leuten, emsiges Treiben überall, in kleinen Ständen wird von Uhren über CD's und Gemüse alles verkauft und die Häuser sehen nicht immer gepflegt aus. Am Rande der Stadt hat sich schon ein McDonald's niedergelassen und ein halbleeres Shoppingcenter lockt die reichen Guatemaltekis. Wir machen noch eine Führung durch eine Kaffeeplantage, welche wenig informativ und eher eine Abzockerei ist.
Von hier aus wählen wir eine "Abkürzung" nach Antigua, die es uns erlaubt, Guatemala City zu umfahren. Diese Abkürzung entpuppt sich als anspruchsvolle Bergetappe über Schotterpisten, die uns über diverse Bergrücken und nachfolgende Täler nach Antigua führt. Anstatt 2-3 Stunden sind wir 8 Stunden unterwegs und kommen abends erschöpft in Antigua an.
Wir übernachten direkt auf der Plaza vor der Iglesia Merced im Auto und schlendern tags darauf durch die Gassen. Es wimmelt hier von Touristen, Bars und Restaurants mit typischen Guatemaltekischen Namen wie: Wiener, Bavaria, Tres Fratellis, Charlotte usw. und zig Schulen preisen Spanischunterricht an. Doch allen Touristen zum Trotz ist die Stadt wunderschön erhalten und gepflegt, besitzt viele Kirchen, romantische Plazas und einsame Gässchen. Wir klappern alle Fotoläden der Stadt ab, auf der Suche nach einer neuen Digitalkamera, doch finden wir leider das Modell nicht, das wir uns wünschen. Somit heisst es in den sauren Apfel beissen und wir müssen am Freitag, den 13. nach Guatemala City reinfahren, ob das wohl gut geht?
Schon als wir über den Berg von Antigua nach Guatemala City fahren, können wir die dicke Dunstglocke über der Stadt erkennen. Doch der Verkehr ist nicht so dicht und chaotisch wie erwartet, dafür qualmen uns die stinkenden Busse und Lastwagen richtig ein. Wir steuern die beiden grossen Shoppingcenter am Rande der Stadt an und erhalten nach erfolgloser Sucherei die Adresse eines Fotogeschäfts mitten in der Stadt, das unser gewünschtes Modell haben soll. Nichts wie los. Esther navigiert mich gekonnt durch die Stadt und mit Hilfe von Karte und GPS erreichen wir problemlos das gesuchte Geschäft. Es ist ein kleiner, unscheinbarer Laden und der soll die Canon Powershot A80 haben, wir können es nicht glauben! Wir treten ein und die Frau hinter der Theke versichert uns lächelnd, sie müsse noch einen Anruf machen und in ein paar Minuten sei die Kamera hier. So gehen wir ins benachbarte Comedor und kriegen dort für 18 Quetzal ein 2-Gang Menu mit Suppe als Vorspeise und Fleisch oder Fisch mit Kartoffelstock und Salat, dazu noch ein Getränk, umgerechnet nur 2.50 CHF. Hier lässt es sich wirklich noch günstig leben. Nach dem Essen gehen wir zurück ins Geschäft und siehe da, wir trauen unseren Augen nicht, die Kamera ist wirklich da. Zur Feier des Tages machen wir noch eine Stadtrundfahrt durch die City. Im Zentrum sind alle Strassen gesäumt von Ständen, die alles Mögliche verkaufen, Leute springen über die Strasse und wir sind froh, einen stabilen Kuhfänger vor dem Kühlergrill montiert zu haben. Das Leben pulsiert, die Lastwagen rauchen und wir werden neugierig beäugt, doch auch hier kriegen auf ein Lächeln immer ein Lächeln zurück. Da die Sehenswürdigkeiten rar gesäht sind, machen wir uns auf den Weg zurück nach Antigua. Am Abend treffen wir noch Michaela und Andreas, die wir schon in Barra de Navidad und danach noch in Xpu-Ha getroffen haben und die ebenfalls nach Feuerland unterwegs sind. Somit können wir den Freitag den 13. im Jahre 2004 in guter Erinnerung behalten.
Am Sonntag besuchen wir in Chichicastenango den Markt. Dieser Markt ist einer der grössten und farbenfrohesten Märkte des Hochlandes. Marktleute kommen aus den umliegenden Dörfern hierher und treiben Handel. Die meisten sind in ihrer typisch bunten Bekleidung unterwegs und der Markt ist ein Meer von herumlaufenden Farbtupfern. Daneben hat es noch hunderte von Touris, die sich ebenfalls durch die engen Gässchen durchzwängen und fleissig am Handeln sind. Wir setzen uns mehrmals hin und schauen dem bunten Treiben gespannt zu. Am Nachmittag nehmen wir die Nebenroute nach Huehuetenango und fragen hinter Sacapulas den Besitzer eines kleinen Ladens, ob wir auf seinem Grundstück übernachten dürfen. Er fühlt sich geehrt, dass wir bei ihm bleiben wollen und lädt uns zum gleich zum Abendessen ein. Er erzählt uns viel über die Gegend und Leute und es wird ein sehr interessanter Abend. Nie hätten wir eine solch herzliche Aufnahme erwartet und revanchieren uns mit einer Tafel Schweizer Schokolade.
Tags darauf fahren wir über die Berge nach Huehuetenango und erklimmen dann das wirkliche Hochland. Von 2200 Meter Höhe geht es rauf auf 3400 Meter und dann wieder runter auf 2500 Meter nach Todos Santos. Hier sind selbst die Männer in typisch bunte Kleider gehüllt.
Die nächste Etappe unserer Hochlandrundfahrt heisst Lago de Atitlan. Auf der steilen Strasse runter nach San Pedro müssen wir wieder mal die Geländereduktion zu Hilfe nehmen, da wir selbst im ersten Gang viel zu schnell werden und die Bremsen nicht verglühen wollen. In San Pedro quartieren wir uns neben dem Fussballplatz ein und können hier drei Nächte problemlos übernachten. Diese Stadt war und ist unter Hippies und weissen Rastafarians ein beliebter Treffpunkt und seit Zipolite in Mexiko haben wir nicht mehr so viele versiffte und abgefuckte Kreaturen herumhängen sehen.
Der Wind bläst die ganze Nacht hindurch und selbst am nächsten Tag kachelt es immer noch und da kann Petr natürlich nicht widerstehen, kramt die Kiteausrüstung hervor und stürzt sich auf den See. Der Wind ist leider nicht sehr konstant, doch es tut mal wieder gut auf dem Wasser herumzuflitzen und ab und zu in die Luft abzuheben. Tags darauf nehmen wir einen Führer und machen uns auf den 3020 Meter hohen, verloschenen Vulkan San Pedro auf. Nach schweisstreibendem Aufstieg und überwundenen 1500 Metern Höhendifferenz, erreichen wir drei Stunden später den Gipfel. Das Wetter ist uns gnädig gestimmt und wir haben einen wunderbaren Ausblick auf den gesamten See und die umliegenden Vulkane.
Weiter geht unsere Rundfahrt nach Santiago Atitlan, wo am Freitag ebenfalls Markttag ist. Die Frauen hier sind in edel gestickte Blusen gekleidet und auch hier herrscht ein emsiges Treiben. Die Fahrt entlang des Atitlansees erinnert uns an die Landschaft im Tessin und wir schauen uns noch den Markt in Solola an.
In Antigua zurückgekommen, können wir uns am gleichen Ort wie Michaela und Andreas einquartieren und geniessen mal wieder eine heisse Dusche.
Nächstentags buchen wir die Tour auf den Pacaya, einen noch aktiven Vulkan, der das letzte Mal im Jahre 2'000 Lava ausgespuckt hat. Wir sind eine Gruppe von etwa 30 Leuten, die nach abenteuerlicher Fahrt im umgebauten Schulbus den Aufstieg in Angriff nehmen. Unser Führer hält nicht viel von einem regelmässigen Tempo, viel lieber prescht er los, um dann 15 Minuten später eine fünfminütige Pause einzulegen. Das Wetter verspricht nicht viel, es ist immer bewölkter und wir finden uns schon langsam damit ab, nicht viel zu sehen. Doch plötzlich, als wir zwei Drittel des Aufstiegs hinter uns haben, verschwinden die Wolken, die Sonne drückt durch und wir können den mächtigen Vulkan vor uns entdecken. Die letzten 300 Höhenmeter bringen wir nach dem Motto ein Schritt vor, zwei zurück, hinter uns und stehen eineinhalb Stunden später auf dem Gipfel und können in den dampfenden Vulkanschlot runterblicken. Ab und zu dreht der Wind und wir werden in eine Schwefelwolke eingehüllt, die uns die Tränen in die Augen treibt und den Atem verschlägt, ein wortwörtlich atemberaubendes Erlebnis. Die Aussicht ist es ebenfalls und wir geniessen den Rundumblick und den Sonnenuntergang. Die Rückfahrt ist ebenfalls abenteuerlich und wir sind froh, als wir wieder heil in Antigua ankommen. Zur Belohnung gönnen wir uns im "Wiener " ein riesiges Wienerschnitzel mit anschliessendem Kaiserschmarren und wanken mit muskelverkaterten Oberschenkeln Richtung Dachzelt. Wir verbringen noch einen weiteren Tag in Antigua um diesen Reisebericht zu tippseln, ein paar mails zu schreiben und fahren dann weiter an die Küste, nach Monterrico. Tags darauf soll es dann weiter nach El Salvador gehen. Wir sind gespannt was uns dort erwartet.
Guatemala hat uns super gefallen. Die Meschen hier sind sehr herzlich und freundlich, die Landschaft unglaublich vielfältig und die lebendigen Märkte und traditionell gekleideten Leute tragen zum Reiz dieses Landes bei.
So, das war Guatemala und ich schliesse.
 

Eindrücke aus Tikal
Tikal im Morgengrauen...
... und bei Vollmond

Fahrt durch die Berge nach Lanquin
Übernachtungsplatz oberhalb von Lanquin

In den Pools von Semuc Champey
In der Höhle von Lanquin
Auf dem Weg nach Coban
In Coban

Die verschiedensten, gängigen Fortbewegungsmittel

Auf der Abkürzung Richtung Antigua
Oberhalb von Antigua, mit dem Vulkan Agua im Hintergrund

Antigua aus verschiedenen Blickwinkeln

Im lokalen Handarbeitsgeschäft
Auf dem Friedhof

Auf dem Hauptplatz von Antigua

Eindrücke aus Guatemala City

Buntes Treiben in Chichicastenango
Unterwegs nach Huehuetenango
Maria und Anival, die uns zu sich eingeladen haben
Schulkinder bestaunen unseren Landy
Auf dem Weg nach Todos Santos

In Todos Santos
Jedes Fleckchen Land wir kultiviert
In den Fuentes Georgina oberhalb von Quetzaltenango

Kiten am Lago de Atitlan mit einer Horde Kinder als Zuschauer
Auf diesen Vulkan gilt es raufzukraxeln: San Pedro
Unterwegs zum Gipfel
Geschafft !!!

Wunderbare Aussicht über den ganzen See

Am Markt von Santiago Atitlan

Und am Markt von Solola
Unterwegs zum Vulkan Pacaya
Wir sind oben !!!
Welch Aussicht !

Über den Wolken ...
Runter geht es viel rasanter
Bye Bye Guatemala
   
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