39. REISEBERICHT: 5.3. - 26.3.2004

Honduras

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Diesmal war der Grenzübertritt von El Salvador nach Honduras mühsamer als die bisherigen. Wir verbrachten fast drei Stunden damit, von Zollbüro zu Bank, von Bank zu Autobehörde, von Autobehörde zu Zollbehörde, von Zollbehörde zu Kopierladen, von Kopierladen zu Zollbehörde, etc., zu wandern um endlich unseren Landy nach Honduras einführen zu dürfen. Dazwischen hat es immer wieder "hilfreiche" Tramitadoren, die einem gegen ein kleines Entgeld helfen wollen durch den Amtsdschungel zu gelangen, doch mit der Zeit können sie ziemlich auf den Geist gehen.
Wir sind genau 200m in Honduras gefahren und schon hält uns ein Polizist an. Na, das fängt ja schon gut an. Papiere will er sehen, kein Problem, Pannendreieck, kein Problem, Feuerlöscher, was??? Möchte sehen, ob ein Besitzer dieser honduranischen Schrottkisten jemals so etwas wie einen Feuerlöscher zu Augen gekriegt hat, doch, kein Problem, wir haben ja einen dabei. Da guckt er nur dumm aus der Wäsche und brabbelt nur noch was, er wolle einen Dollar für ein Bierchen, da lächeln wir ihn an und meinen, das hätten wir auch gerne und fahren weiter.
Die Strasse windet sich fast auf 1500 Meter rauf um danach wieder auf 1000 Meter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras, runterzuführen.
Schon auf der Fahrt in die Stadt fällt uns der Unterschied zu El Salvador auf: die Leute sind fröhlicher und freundlicher, erwidern unser Lächeln und Winken und sind besser und attraktiver angezogen.
Die Hauptstadt hat wenige Sehenswürdigkeiten, aber dafür eine kleine pulsierende Fussgängerzone in der Strassenhändler allerlei loswerden wollen. Mitten in der Stadt finden wir einen bewachten Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbringen können.
Auf dem Weg zum Lago Yojoba, halten wir einen identischen Landrover Defender wie wir ihn haben an und nach einem kurzen Gespräch lädt uns Angela kurzerhand in ihr Weekendhaus oberhalb des Sees ein. Die Aussicht ist fantastisch und wir geniessen die ruhigen Tage hier oben. Wir machen einen kurzen Ausflug zu den Höhlen von Taulabé. Diese sind nicht sehr gross und imposant, doch sie sind schön ausgeleuchtet und der Weg ist frisch zementiert. Vom Wasserfall Pulhapanzak sind wir eher enttäuscht, da im Reiseführer ein 443 Meter hoher Fall angepriesen wird, doch in Natura sind es nur 44 Meter, tja, diese Druckfehlerchen.
Tags darauf ist Schulbesuchstag. Zuerst gehen wir in die lokale Dorfschule oberhalb des Sees und können dort zuschauen wie eine Lehrerin mit 46 Schülern der ersten bis sechsten Klasse unterrichtet. Ist anspruchsvoll für die Lehrerin und die Kinder machen natürlich weniger Fortschritte. Nur etwa 13% der Kinder setzen nach dem achten Schuljahr (falls sie überhaupt so weit kommen und den Eltern nicht schon vorher helfen müssen) ihre Ausbildung fort. Über 40% der Bevölkerung sind noch Analphabeten.
In San Pedro Sula werden wir Olga vorgestellt, die mit einem ansteckenden Enthusiasmus die lokale Montessori-Schule leitet. Hier sieht es schon anders aus: Maximal 15 Kinder pro Lehrer, viele Spielsachen und Lernutensilien. Doch das hat seinen Preis. Ein Monat dieser Schule kostet einen Viertel Monatslohn einer Arbeiterin. In San Pedro können wir wieder bei Angela in ihrem "Stelzenhaus" bleiben. Sie ist Architektin und testet gerade einen Haustyp, der mit Konvektionskühlung funktioniert und keine Klimaanlage benötigt.
San Pedro haben wir schnell gesehen, fahren weiter nach Omoa an die Karibikküste und haben noch ein Intermezzo mit der lokalen Polizei: Nach der Zahlstelle für die Schnellstrasse, pfeift und winkt uns ein Polizist zu, na, ja, will sicher wieder Pannendreiecke kontrollieren. Wir winken freundlich zurück und fahren weiter. Nach etwa 3 km kommen auf einmal zwei Polizisten auf einer kleinen 125er angedüst und winken uns zur Seite hin. Diesmal halten wir an und die Diskussion beginnt. Wir hätten sein Haltesignal missachtet. Waaaaass? Das Gepfeife soll ein Haltesignal sein? Aber auf sowas reagieren wir Touristen doch nicht. Ausweis bitte. Ich gebe ihm meinen Führerschein und Fahrzeugausweis (natürlich nur unsere Kopien) und er meint, die müsse er behalten, bis wir die Busse bezahlt haben. Wir kontern natürlich, dass das Gepfeife doch kein Haltesignal sei und dass wir es leider nicht gesehen haben, beim zweitenmal hätten wir ja schön angehalten. Das scheint ihm einzuleuchten und er wechselt das Thema zu unseren Fahrrädern. Ob wir Quittungen für die Velos haben.  Jetzt wird es uns zu blöd, ich halte ihm eine Standpauke, was denn diese Touristenschikaniererei soll und verlange seinen Ausweis. Wir schreiben seine Daten auf und meinen, wir würden uns bei der Botschaft und seinen Vorgesetzten beschweren und er solle uns gefälligst unsere Ausweise zurückgeben, sonst geben wir ihm seinen nicht zurück. Er schluckt ein paar Mal und wir tauschen die Ausweise. Nach zehn Minuten Diskutierens haben wir ihn soweit. Eine Busse gibt es nicht und wir versprechen ihm hoch und heilig, dass wir beim nächsten Pfeifen eines Bullen anhalten werden, wahrscheinlich ;-) . Den Zettel mit seinem Namen will er noch zurückhaben, doch wir meinen nur, den behalten wir für die Botschaft. Und Tschüss.
In Omoa hat der Schweizer Roli Gassmann eine geniale Travellerbleibe aufgezogen. Camping ist möglich, Dormitories und Einzelhütten sind vorhanden. Dazu kommt noch kostenlose Benutzung der Bikes, Kajaks und des Tischtennistisches und als absolutes Tüpfelchen auf dem i bäckt er frisches Brot und Zopf. Hier lernen wir Sonja und Rene aus Bern kennen, die mit dem Rucksack durch Zentralamerika ziehen und Paul und Ralf aus Zürich, die mit ihren BMW- Motorrädern auf dem Weg nach Patagonien sind. Beim gemeinsamen Nachtessen können wir mal wieder so richtig Schweizerdeutsch labern wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Nach zwei entspannenden Tagen geht es weiter nach Tela. Dies ist ein friedliches Städtchen, mit einem schönen Strand und einem hohen Anteil an Garifunas. Nach dem Besuch des lokalen Garifunasmuseums wissen wir nun alles über diesen Volksstamm und wollen dies der interessierten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten.
Garifunas sind Mischlinge südamerikanischer Indios, die nach Zentralamerika hochgepaddelt sind und sich entlang der Karibikküste- und Inseln angesiedelt haben und sich auf der Karibikinsel St. Vincent und den Sklaven Schwarzafrikas. Nach einem Aufstand im 18. Jahrhundert wurden die Garifunas nach Roatan zwangsverfrachtet und sind in hoher Anzahl an Krankheit und Unterernährung gestorben. Die Überlebenden haben von hier aus das Festland bis rauf nach Belize besiedelt. Sie haben immer noch eine eigene Sprache, Kultur, Tänze und Religion.
Wir besuchen das Garifunadorf Miami in dem die Leute immer noch in Palmenblatthütten wohnen und in Einbäumen auf Fischfang gehen. Sie sind sehr offen und freundlich und der lokale Führer erzählt uns vieles über das Dorf und die Bevölkerung.
Weiter geht es nach La Ceiba wo wir unseren Landy bei einem Kollegen von Angela stehen lassen und nach Roatan zum Tauchen, Schnorcheln und Karibiksonne tanken fahren können. Yeppeeeee.
Die Überfahrt geht flott vor sich und nach fast zwei Stunden Überfahrt stehen wir auf der tropisch grünen Insel Roatan. Wir radeln mit unseren Bikes Richtung West End auf der Suche nach einer Bleibe und einer Tauchschule, wo Esther den Open Water Kurs machen kann. Nachdem wir fast alle Schulen und Absteigen abgeklappert haben, finden wir ein kleines, günstiges Hotelchen, wo wir uns für eine Woche einquartieren können. Am nächsten Tag klappern wir noch die restlichen Schulen ab und entscheiden uns dann für die Coconut Tree Divers. Sie haben gute Ausrüstung, ein grosses Tauchboot und sind am günstigsten. Wir erhalten die Bücher und können uns schon ans Büffeln machen. Ich muss ein wenig Repetition für den Refresher betreiben, war ja schon fast acht Jahre nicht mehr unter Wasser und Esther muss alles neu lernen.
Esthers absolviert ihren Kurs in schnellen drei Tagen und ich habe unterdessen einen schönen Tauchgang zwischen Korallen und vielen bunten Fischen.
Die Tage hier vergehen wie im Nu. Esther muss am Morgen früh in den Tauchkurs, ich lese, oder bike auf der Insel herum und am Abend schlendern wir bei angenehmen Shortstemperaturen herum, geniessen die spektakulären Sonnenuntergänge bei einem Happy-Hour Drink und schwelgen in der paradiesisch relaxten Atmossphäre, yo man.
Wir wollten eigentlich noch ein, zwei gemeinsame Tauchgänge machen, nachdem Esther ihren Kurs abgeschlossen hat. Doch am Freitagabend wurde ich beim Radeln von einem Rudel Hunde verfolgt und so ein verdammter Scheissköter hat sich in meine Wade verbissen. So habe ich jetzt die vier Löcher der Schneidzähne in der Wade und entscheide mich, nicht mehr ins Wasser zu gehen. Zum Glück gibt es keine Tollwut auf der Insel. Die letzten zwei Tage spielt das Wetter leider nicht mehr so mit und es giesst wie aus Kübeln. Wehmütig packen wir unsere Sachen zusammen und radeln zum Hafen. Schön war es hier!!! (Mehr Infos zu Roatan, siehe Reisetips)
Nachdem wir wieder in La Ceiba angekommen sind, machen wir uns auf nach Trujillo, wo ein spanisches Fort steht, das die Spanier zur Verteidung vor Piraten gebaut haben. Man sieht nicht viel und wir fahren nächstentags über die Berge zurück in die Hauptstadt. Es giesst nur einmal und zwar den ganzen Tag wie aus Kübeln und wir sehen von der schönen Landschaft herzlich wenig. Abends machen wir uns noch Richtung Valle de Angeles auf, das auf 1300 Metern gelegen ist und auch in den heissen Sommermonaten Kühle verspricht. Auf dem Weg dahin fällt uns das Schild "Restaurant Miluska" auf. Na, wenn da nicht was Tschechisches dahintersteckt! Wir fahren nach Santa Lucia und im Saal Bohemia stechen uns die Pilsner Urquell Plakate ins Auge. Da Don Klaus, der Besitzer nicht anwesend ist, werden wir kurzerhand zu seinem Haus geschickt. Überrascht schaut er von der Terrasse runter, wer da vorbeigekommen ist. Nachdem wir uns vorgestellt haben, lädt er uns zu sich ein und wir erfahren sehr viel über Land und Leute, da Klaus schon seit 24 Jahren hier lebt und auch als Konsul für die Tschechische Republik tätig war. Am Abend gibt es im Restaurant "VeproKnedloZelo" (Für Nichttschechen: Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut). Köstlich, nach 600 Reisetagen wieder mal Knödel, in Worten nicht zu beschreiben. Herzlichen Dank Klaus!!!
Nächstentags geht es nach Danli, wo die honduranischen Zigarren hergestellt werden. Wir überrumpeln den Manager und überreden ihn zu einer Führung. Bereitwillig zeigt er uns die Fabrik und schenkt uns noch ein paar Zigarren. Die Arbeiterinnen arbeiten 45 Stunden die Woche und verdienen 6 CHF pro Tag.
Das war's, drei interessante Wochen Honduras liegen hinter uns. Es hat uns gut gefallen. Nette, interesssante Leute, abwechslungreiche Landschaft nur das Wetter hätte trockener sein können.
Adios Honduras!
 

Auf dem Weg nach Tegucigalpa

In Tegucigalpa
Sozialbauten vor Tegucigalpa
Unterwegs nach Norden
Angela und Esther
Schulbesuch in öffentlicher Schule ...

 

... und in der Montessori-Schule mit Olga

In der Höhle von Taulabé
Wir testen den Selbstauslöser
Wasserfall Pulhanpanzak
Angela's Stelzenhäuser

In San Pedro
Grosser Waschtag in Omoa. Leider hat es die Wäsche über die Nacht wieder verregnet und der feine Duft frischer Wäsche ist in einen modernden Gestank übergegangen

Sonnenuntergang in Omoa
Swissies unter sich.
Von links: Ralf, René, Sonja, Paul

Bei Roli im Garten und Zopf zum Zmorge

In Tela
Esther bekommt ein Zöpfchen
Aargauer in Honduras ???

Auf dem Weg nach Miami

In Miami
La Ceiba

Ausflug an den Rio Cangrejal, dem Riverrafting Mekka Honduras'
Roatan in Sicht
Ab nach West End

Unser Hotelchen und der Besitzer

Paradies in West End
Esther am Büffeln

Noch paradiesischer ist es in West Bay

In Coxen Hole, der Hauptstadt der Insel, yo man
Night life im Twisted Toucan
It's raining again ...
Bye bye Roatan !!!
Und schon wieder Regen ...
Trujillo
Über die Berge nach Tegucigalpa
Slum-Vororte vor Tegucigalpa
Valle de Angeles

Tschechen unter sich mit Robert, Irina und Don Klaus (v.r.)
Unterwegs nach Danli

In der Zigarrenfabrik
   
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