40. REISEBERICHT: 26.3.-2.4.2004

Nicaragua

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Wir sitzen hier am wunderschönen Sandstrand von Samara in Costa Rica und sind am frühstücken. Die Wellen laufen rhytmisch den flachen Strand rein, die Palmen bewegen sich träge in der schwachen Brise und wieder beginnt ein neuer Tag im Paradies.
Doch halt, Costa Rica kommt erst im nächsten Reisebericht, jetzt ist zuerst mal Nicaragua angesagt.
Nachdem wir die Zigarrenfabrik in Danli besucht hatten, stellte sich uns die Frage, sollen wir noch zur Grenze weiterfahren und hoffen, dass wir schnell über die Grenze kommen oder schon um 15:00 einen Schlafplatz suchen und früh am nächsten Tag zur Grenze fahren. Wir entschliessen uns für Ersteres und rollen um 15:45 an die Grenze. Ob das nur gut geht, die Grenze macht ja um 17:00 dicht und dann müssen wir bis zum nächsten Tag warten. Doch entgegen allen Erwartungen geht alles sehr schnell und wir sind schon um 16:45 in Nicaragua. Bei der Fahrzeuginspektion entdeckt der Zöllner unseren Schweizer Kalender und ob der Schönheit der Bilder vergisst er, den Rest des Landys durchzusehen. Ist immer wieder ein bewegender Moment, wenn man wieder einen Grenzübertritt geschafft hat. Bislang ist eh alles gut gegangen und wir haben noch keinen Tramitador in Anspruch nehmen müssen und das wollen wir weiter so halten.
In Esteli investieren wir 2 CHF in unser Kulturleben und stürzen uns ins Kino, um eine amerikanische Komödie anzuglotzen. Interessant war vor allem am Schluss des Films: kaum ist die letzte Szene vorbei, schon stürzen sich die Leute aus dem Kino aus, Nachspann interessiert niemanden. Wir übernachten an der Tankstelle und fahren am nächsten Tag in die Berge, wo es den sogenannten Selva Negra (Schwarzwald) gibt. Deutsche Emmigranten haben sich Ende des 19. Jahrhunderts hier niedergelassen und haben eine grosse Kaffeeplantage und heutzutage auch ein touristisches Ressort errichtet. Die Vegetation wechselt von trocken nach saftig grün und auf 1500 Metern Höhe herrschen angenehme Temperaturen. Die ganze Anlage ist schön und teuer. Eine Übernachtung im Schwarzwaldchalet schlägt mit 75$ zu Buche. Das ist natürlich über unserem Budget, wir leisten uns nur eine Schwazwäldertorte und fahren weiter Richtung Leon.
Leon ist eine wunderbare Stadt, ganz im kolonialen Stil gehalten, vergleichbar mit Antigua in Guatemala. Nicht so gut erhalten und gepflegt, dafür eine Unmenge an schönen Kirchen und wenig Touris. Am Samstagabend  flanieren hunderte von Einheimischen auf dem Hauptplatz  herum und man fühlt sich nach Spanien oder Mexiko versetzt. Eine solch entspannte Atmossphäre haben wir in den Städten von El Salvador und Honduras nicht erlebt. Dafür hat es sehr viele Bettler und Personen die uns ansprechen und Geld für die Operation ihrer Mutter, einer Blindenschule o.ä. entlocken wollen. Wir müssen den Leuten leider klar machen, dass es auch in Nicaragua Menschen mit Geld gibt und es nicht nur die Touris sind, die Kohle haben und wir leider nicht alle Menschen hier unterstützen können. Wir bleiben den ganzen Sonntag auf dem Parkplatz vor der Schule und aktualisieren wieder mal die Homepage, tippseln ein paar Mails und schwups schon ist der Tag vorbei. Am Morgen können wir noch den Turnunterricht nach Methode "Turnvater Jahn" bewundern. Rumpfkreisen, eins zwei, ruck, zuck, zack, zack. Armkreisen, ruck, zuck, zack, zack, und so weiter. Der Turnlehrer ist in Jeans gekleidet und brüllt den Kids die Anweisungen zu. Das ist Motivation pur.
Weiter geht es in die Hauptstadt Managua. Wüsste man nicht, dass man in der Stadt drin ist, wäre man schon draussen, bevor man es gemerkt hat. Es hat wenig Verkehr, keinerlei Sehenswürdigkeiten und nur die übereifrigen Fensterputzer stürzen sich vor jedem Rotlichtsignal auf unsere Windschutzscheibe. Trotz sofortigem Rausschreien, es sei nicht nötig, wurde unsere Scheibe an die fünfmal "gewaschen". Sie wurde eher mit Dreckwasser versaut und danach lausig trockengewischt und war nach Managua eher dreckiger als vorher.
Vor Granada fahren wir zum Vulkan Masaya rauf. Es sind eigentlich zwei Vulkane mit fünf Kratern. Der Blick in den dampfenden Schlund ist imposant und bei Windwechsel wortwörtlich atemberaubend.
In Granada quartieren wir uns gleich auf einem bewachten Parkplatz mitten im Zentrum ein und stürzen uns ins Nachtleben von Granada. Das nicaraguanische Granada kommt vom Prunk nicht an seine Namensvetterin in Spanien heran, doch auch hier zieren viele koloniale Bauten und Kirchen die Stadt. Wir schlendern durch die Stadt, besuchen den lebendigen Markt und am Abend gönnen wir uns in einer Pizzeria, die von einem Bieler geführt wird, eine Riesenpizza. Die Stadt ist touristisch erschlossen und man sieht fast mehr Touris als Einheimische herumwandern.
Nächstentags geht es vorbei am riesigen Lago Nicaragua nach San Juan del Sur. Ein relaxtes Städtchen am Pazifik, Surfern bekannt für seine schönen Strände und gute Wellen. Wir fahren zum wunderschönen Playa Maderas, wo es nur eine von Surfern bewohnte Hütte gibt und sonst nur Strand und Wellen. Leider stellen wir dort unten fest, dass unser frisch aufgefüllter Wassertank eine undichte Stelle hat und wir die 120 Liter Wasser wieder ablassen müssen. Wir fragen in der Hütte, ob sie Wasser benötigen und innert ein paar Sekunden hat sich eine Schlange von durstigen Surfern vor dem Landy gebildet, alle mit irgendeiner Wasserflasche in der Hand ausgerüstet. Ha, denken wohl es gebe Freibier. Wir werden das Wasser ohne Verlust los und am nächsten Tag geht es wieder zurück nach San Juan, um eine Werkstatt zu suchen, die den Edelstahltank schweissen kann. Wir finden zuerst eine ruhige Werkstatt, wo wir den Tank ausbauen können, doch um den Tank zu schweissen muss ich 35 km ins nächste Kaff fahren und Esther bewacht unterdessen alle Sachen. Nachdem ich einige Werkstätten abgeklappert habe, finde ich wirklich eine, die Edelstahl schweissen kann und dies vor allem noch am gleichen Tag erledigt. Der Tank wird aufgesägt, die lecke Stelle und die Querbarrieren neu geschweisst und nach eineinhalb Stunden ist der Tank wie neu und sogar dicht. Ich rase zurück, es ist mittlerweile fast 18:00 und um die Zeit macht die Werkstatt zu, in der Esther sitzt. In einer Blitzaktion bauen wir den Tank und das Interieur wieder ein, geben den Arbeitern ein Bier aus und kommen spät abends wieder am Playa Maderas an. Uff, geschafft. Da soll mal einer sagen, Reisen sei eine entspannende Sache, haha!!!
Am nächsten Tag machen wir noch einen Abstecher zum wunderschönen Playa Mahagual. Auch hier hat es nur einfache Cabanas und einen Camping und sonst nur Strand und Palmen. Schade, dass sich dies in den nächsten Jahren  verändern wird und  es hier bald so touristisch sein wird wie Costa Rica.
Eine schöne Woche Nicaragua liegt hinter uns. Wir haben den kolonialen Charme von Leon und Granada sehr genossen und die unberührten Strände am Pazifik haben uns begeistert.
Adios Nicaragua.
 

Wir sind in Nicaragua und schon geht es los mit den schönen Kirchen, die es hier in Massen gibt
Esteli downtown
Eine unserer "Abkürzungen" in den Selva Negra
Busstation in Jinoteca

Pferde werden hier noch zuhauf als Arbeitstiere eingesetzt und sind arg davon gezeichnet
Gemüsestand vor dem Schwarzwald

In der Selva Negra

Momotenango von fern und nah
Blick auf den Cerro Negro

In Leon
und unser idyllischer Übernachtungsplatz
Morgenstund hat Gold im Mund. Und von der Ferne lässt sich ...
... die Frühgymnastik gut geniessen

Am Lago Managua mit den Vulkanen Momotombo und Momotombito

In Managua

Moderne Kathedrale in Managua

In Masaya
Vulkan Masaya

In Granada

Auf dem Markt.
Müsste man hier Fleisch kaufen, würde man es sich ernsthaft überlegen Vegetarier zu werden.
Fahrzeugschau auf Nicaraguanisch
Idylle pur in Granada

Sicht auf den Lago de Apoyo und lokale Handwerksarbeiten
Tankstellenmitarbeiter bestaunen unseren Kalender mit Bildern aus der Schweiz, genauer gesagt dem Aargau !
Wie man sich bettet...

Playa Marsella, Playa Madera und Playa Mahagual
San Juan del Sur
Wassertankausbau
   
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