42. REISEBERICHT: 19.4.-30.4.2004

Panama

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Die Einreise nach Panama war so einfach, dass wir schon in Panama waren, bevor wir es wussten. Zwei Strassen führen parallel zueinander, die eine Strasse ist  noch Costa Rica, wenn man auf die andere Strasse rüberfährt, ist man schon in Panama. So sind wir denn ein wenig staunend zum Zollbüro gefahren und haben unsere letzte Einreise hier in Zentralamerika durchgeführt. Sieben Länder in vier Monaten. Zum Glück werden wir in Südamerika nicht mehr so viele Grenzübergänge in so kurzer Zeit zu bewältigen haben.
Wir düsen die 500 km nach Panama City in kurzen zwei Tagen runter, damit wir mit der Organisation der Verschiffung und der Flüge beginnen können.
Apropos Verschiffung und Panamericana: Es existiert keine Strassenverbindung von Panama nach Kolumbien. Es gibt nur einen Trampelpfad, der von der kolumbianischen Guerilla und Drogenschmugglern begangen wird. Wir haben aber einen Franzosen getroffen, der in 10 Tagen durchmarschiert ist. Als motorisiertem Reisenden bleibt einem nichts anderes übrig, als in Panama zu verschiffen.
Es ist schon ein super Gefühl auf der Autobahn über den Panamakanal zu fahren, die Skyline von Panama City vor sich zu haben und zu wissen, dass wir jetzt nach fast eindreiviertel Jahren Reiserei ein wichtiges Etappenziel erreicht haben. Und dies ohne Unfall, heiklen Situationen oder ähnlichem.
Die Suche nach einem Übernachtungsplatz erweist sich als ziemlich schwierig, da es sozusagen keine bewachten öffentlichen Parkplätze gibt. Bei der Herumkurverei in Panama City kommen wir am Ristorante Alleman "Steinbock" vorbei. Natürlich halten wir dort an und werden von Karin, der Besitzerin, zackig begrüsst und eingewiesen. Dieser Halt erweist sich als Glücksgriff: wir können zwei Nächte lang auf dem Parkplatz übernachten, gute deutsche Küche geniessen und im oberen Stockwerk des Restaurantes erhalten wir in der Verschiffungsagentur bei Jochen viele nützliche Tips für die Verschiffung, herzlichen Dank!!!
Um die günstigste Reederei herauszufinden, setzen wir uns in ein Shoppingcenter zu einem öffentlichen Telefon, packen uns die Gelben Seiten und verbringen fast den ganzen Tag damit, eine Agentur nach der anderen anzurufen. Am späten Nachmittag haben wir eine Reederei gefunden, die fast 300$ günstiger als alle anderen Angebote sind: 700$ für den Container nach Venezuela, das lässt sich sehen.
Die ganze Organisation der Verschiffung direkt vor Ort und per Telefon geht viel einfacher als die Suche per Internet. Wir haben im Internet keine gescheiten Informationen für eine Verschiffung nach Venezuela gefunden, doch jetzt per Telefon konnten wir an die 10 Reedereien ausfindig machen, die Venezuela anlaufen.
Tags darauf muss der Landy in die Werkstatt, um den Service zu machen und einen ABS Sensor zu ersetzen. Ich ziehe auch das Kombi an und überwache alle Arbeiten. Zeitweise wuseln an die vier Mechaniker um den Landy herum und jeder schraubt, schmiert, fettet ein wenig herum, doch man muss verdammt aufpassen, dass sie das richtige Öl an der richtigen Stelle reinfüllen, dass alle Schrauben wieder richtig angezogen sind, und, und, und. Der ganze Service dauert den ganzen Tag, verrechnet werden aber nur 4.5 Stunden, was auch der normalen Arbeitsleistung eines europäischen Mechanikers entspricht. Stress ist ein Fremdwort hier Zentralamerika, doch sobald es fünf Uhr schlägt, beginnt die Hektik und um fünf nach fünf sind alle frisch gewaschen und umgezogen und die Werkstatt leer.
Daneben versuchen wir noch neue Reifen zu finden, doch müssen wir feststellen, dass die Auswahl hier eher bescheiden ist, die Preise keineswegs günstiger, als in den vorher besuchten Ländern sind und das Know How der Verkäufer keineswegs überzeugend ist. Einige versuchen, uns Lastwagenreifen anzudrehen, nur weil die Dimensionen stimmen. So werden wir in Venezuela eine neue Suche nach Reifen starten. Falls dies nicht fruchten sollte, werden wir wohl im Urwald die Gummibäume anzapfen und unsere Reifen selber aufgummieren :)
Panama City ist eine faszinierende Stadt, wie man sie nach all den anderen Zentralamerikanischen Städten nicht erwarten würde. Eine modernes Zentrum und viele Wolkenkratzer prägen das Bild. Daneben gibt es noch das Panama Viejo, das im 17.Jh, von Piraten zerstört wurde und von dem noch ein paar verfallene Stadtmauern stehen und den Casco Antiguo in dem viele klassische Gebäude aus dem 18. und 19. stehen.
Bei der Suche nach einem schönen Aussichtspunkt geraten wir unbemerkterweise in ein schlechteres Viertel und werden dort ausgeraubt. Doch wir kommen mit einem RIESENDUSSEL davon.
Wen es interessiert, kann hier den Vorfall detailliert nachlesen.
Am nächsten Tag können wir uns endlich dem Sightseeing widmen: Altstadtviertel, Kanalmuseum, Panamakanal mit den Schleusen und schon ist der Tag vorbei. Es ist schon eindrücklich zu beobachten, wie die Riesenschiffe in die Schleusen einfahren und dort langsam absinken, bzw. angehoben werden.
Für die Nacht finden wir im Ausgehviertel Panamas einen ruhigen Parkplatz und verkriechen uns ins Dachzelt. Knapp nach Mitternacht wachen wir auf und aus dem ruhigen Parkplatz ist DER Treffpunkt der Panameser Jugend geworden. Überall dröhnen die Radios, jeder versucht natürlich, den anderen zu übertrumpfen und die Blicke der Chickas auf sich zu ziehen. An Schlaf ist natürlich nicht zu denken und wir haben bis 4:00 Morgen Zeit, das Balzverhalten der Panamenos zu beobachten. Dass Autoradios Strom brauchen, entdecken einige der Jungs zum ersten Mal und müssen ihre Kisten anstossen.
Am Sonntag treffen wir endlich Melanie, Stefan und Finn wieder, die wir im November in Mexiko kennengelernt haben. Beim gemeinsamen Abendessen gesellen sich Jürgen Charchulla (Windsurfern der ersten Stunde ist dieser Name ein Begriff !) und Maria dazu.
Den Montag verblödeln wir mit Bewilligung einholen, dass unser Landy Panama verlassen darf. Da das Computersystem nicht funktioniert, kriegen wir erst nach sechs !!! Stunden Warterei, den ersehnten Wisch.
Am Dienstag geht es dann nach Colon um unseren Landy in den Container zu rollen. Vorher besuchen wir noch die riesigen Gatun Schleusen und machen einen Abstecher nach Portobello, das früher der wichtigste Hafen der Spanier war, um das in Südamerika geklaute Silber und Gold, das mit Mauleseln hierhin transportiert wurde, nach Spanien zu verschiffen.
Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz kurven wir durch Colon und das Gesäss verkrampft sich zusehends. Die Stadt ist völlig heruntergekommen, es hat nur Schwarze auf der Strasse und wir werweisen, wie weit ein weisser Touri mit umgehängter Kamera wohl kommen würde. Zum Glück finden wir nach einiger Sucherei den Yachthafen und können dort unser Dachzelt auspacken.
Am Mittwoch geht es zum Verschiffungsagenten in Colon. Dieser schaut uns erstaunt an und meint, wir müssten erst am Donnerstag da sein, doch wir könnten das Auto im Hafen stehen lassen, jemand würde es dann schon einpacken. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir vom Büro in Panama die Anweisung erhielten, heute hier zu sein und dass wir das Auto sicher nicht stehen lassen, sondern jetzt einpacken wollen. Das bringt den guten Mann ziemlich aus der Fassung, dass ein Kunde etwas von ihm will und beginnt mit Beschimpfungen, wir sollen den Container doch selber organisieren, er hätte ja schon alles für den Donnerstag vorbereitet, blablabla. Da wird es Petr zu bunt und er staucht ihn so zusammen, dass er trotz schwarzer Hautfarbe ziemlich bleich wird und alles für den heutigen Tag organisiert.
Nach kurzer Warterei am Zoll fahren wir ins Hafengelände rein und werden zu unserem Container gelotst. Kurz abgemessen, Fahrräder runter, Luft abgelassen und schon lotst mich Esther in den Container rein. Wir haben bei der Einfahrt knappe zwei Zentimeter Spielraum, doch im Container drin hat es mehr Platz. Uff, geschafft. Wir hatten schon Angst, wir müssten Dachzelt und Kiste abmontieren. Die Verzurrtruppe will das Auto nur lausig festzurren, doch wir bestehen darauf, dass jedes Rad sauber befestigt wird und wo es vertäut wird. Man muss den Typen genau auf die Finger schauen, sonst vergessen sie etwas, oder machen es nicht richtig. Nach einiger Hin-und Herdiskutiererei ist der Landy zu unserer vollsten Zufriedenheit befestigt und der Container wird verschlossen und plombiert. Hasta Luego in Venezuela.
Wir fahren mit dem Taxi in den Yachthafen zurück, wo wir noch einen Apero mit Leisa und Aldo geniessen. Die beiden waren fünf Jahre lang mit ihrem Segelboot in der Karibik unterwegs und bereiten sich jetzt auf die Heimreise vor.
Am Freitag geht es zum Flughafen, wo wir versuchen per Standby einen Platz zu ergattern, da der Flug ausgebucht war und wir nur Plätze für den Samstag reservieren konnten. Nach einiger Aufregung am Sicherheitsposten, wo uns die nette Dame unsere Taschenmesser, Nagelklipser und Manikürschere wegnehmen will, geht es zum Gate und die Warterei geht los: Schaffen wir es auf diesen Flug, oder müssen wir wieder zurück ins Hotel?
All das erfahrt ihr im nächsten Reisebericht.

Nein, nein, wir lassen Euch nicht so hängen.
Um es vorne wegzunehmen. Wir haben es geschafft, sind wohlbehalten in Caracas angekommen und konnten am 5.5.2004 unseren Landy unversehrt aus dem Container holen.

Aber jetzt ist Schluss !!!

Auf der Panamericana
Einer der vielen Strände in Panama

Panama City in Sicht

Slums eingangs der Stadt

Hier das moderne Stadtviertel

Casco Antiguo, Altstadtviertel
Unser Übernachtungsplatz vor dem Restaurant Steinbock
Panama City by night
Vergoldeter Altar in der Kirche
Frauen vom Kuna Stamm, die auf dem San Blas Archipel im äussersten Norden Panamas leben.
Panama hat noch andere indigene Stämme, die noch wie zu Urzeiten leben.
Häuser der Kunas im Touri-Museum Pueblito

Ohne Worte, selbsterklärend
Gemütlicher Sonntagnachmittag, mit Reisebericht tippseln, Tagebuch nachtragen und Panamesern beim flanieren zuschauen
Hier wurden wir überfallen
Mel, Stefan und Finn
Maria und Jürgen Charchulla
Ruhiger Standplatz vor den Toren Panamas, der sich am Samstagabend in DEN IN-Treffpunkt verwandelt hat
Kids auf Schulausflug

Schleusen von Gatun

Festung von Portobello
Kids
Typischer Überlandbus
Colon Downtown

 
Apéro bei Leisa und Aldo
Bye Bye Zentralamerika
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Der Überfall
Wir stehen an der Kreuzung und der Verkehr geht stockend vorwärts. Wir schauen um uns herum und konstatieren, dass die Gegend ziemlich heruntergekommen ist. Ein paar schwarze Kids laufen ums Auto herum und ein Knirps versucht an die Fahrräder raufzuspringen. Wir haben die Fenster sperrangelweit offen und Petr schüttelt den Kleinen ab. Ein schwarzer Teenager erscheint, lehnt sich lässig ans Fenster und meint nur "Tranquillo", easy. Und bevor wir richtig wissen was geschehen ist, streckt er sich ins Innere des Autos, packt das GPS und rennt davon. Esther springt raus und rennt ihm hinterher, ich schere aus der Kolonne aus und verfolge ihn auf einer Parallelstrasse, die durch einen Zaun abgetrennt ist. Als ich sehe, dass ich ihn nicht erreichen kann, wende ich, lade Esther wieder ins Auto ein und wir fahren direkt vors Gebäude, wohin der Strolch verschwunden und wir versuchen mit den herumstehenden Typen zu verhandeln. Der Dieb solle das GPS zurückbringen, wir zahlen ihm 20$, denn er kann mit dem Teil eh nichst anfangen. Ein dunkler Schwarzer erweist sich als guter Zuhörer und wir haben schon den Glauben er könne uns helfen. Doch anstatt zu helfen, streckt er sich und klaut unseren Feldstecher und Esthers dioptrische Sonnenbrille. Mann, sind wir DOOF !!!
Wir schliessen die Fenster und fahren zurück zur Strasse. Was machen wir jetzt? Sind ja selber schuld, fahren mit offenen Fenstern durch so ein Quartier. Das muss auf die Wirken, wie wenn der Osterhase und Weihnachtsmann gleichzeitig erscheinen.
Doch bevor wir eine Lösung gefunden haben, kommen schon drei Polizisten mit Schutzweste und Sturmgewehr angerannt und erkundigen sich was geschehen ist. Wir schildern die Situation und sie meinen, da könne man vielleicht etwas machen.
Sie rufen eine Eskorte und wir werden von zwei Motorrädern ins Polizeiquartier gebracht.
Sofort wird uns ein Stoss Unterlagen mit Fotos vorgelegt um die Übeltäter zu identifizieren. Wir picken einige mögliche aus und legen sie der Polizei vor. Eine halbe Stunde später kommt schon die erste Erfolgsmeldung und wir sind völlig baff: die Brille wurde gefunden, sie wurde aus dem Fenster geschmissen, nachdem die Polizei mit ihrer Razzia des Gebäudes begonnen hatte. Eine Stunde später kommt es zu einer improvisierten Gegenüberstellung. Wir müssen ins Polizeiauto mit verdunkelten Scheiben sitzen und können von dort aus einen der Verdächtigen im Polizeibüro beobachten. Es ist mittlerweile 20:00, dunkel, im Büro ist es schummrig, der Verdächtige ist dunkel und durch die getönten Scheiben hindurch sehen wir nur schwarz. Der diensthabende Polizist ändert die Taktik, er bringt die Verdächtigen ins Büro rein und wir können sie direkt anschauen. Ist schon ein mulmiges Gefühl einem Verdächtigen gegenüber zu stehen. Vor allem wenn man weiss, dass der Täter pro Dollar Wert des Diebesguts, einen Tag eingebuchtet wird. Beim Wert des GPS wären dies ein Jahr schwedische Gardinen, die hier in Panama sicher kein Zuckerschlecken sind.
Doch die beiden angeschleppten Verdächtigen waren es sicher nicht und die Warterei geht weiter. Um 20:30 werden wir zu einer anderen Polizeistation gefahren und müssen dort das Protokoll aufnehmen. Nach einer halben Stunde werden wir von der Tourismuspolizei in Empfang genohmen und wir folgen ihnen wieder zurück zur Polizeistation.
Und hier trauen wir unseren Augen nicht: Das GPS und der Feldstecher liegen unversehrt auf dem Tisch des grinsenden Polizisten. Wahnsinn, unglaublich, wir können es nicht fassen. Natürlich wollen wir wissen, wie die Polizei dies geschafft hat. Und hier die einfache Erklärung:
Da in dem Gebäude viele Dealer hausen, haben diese natürlich kein Interesse daran, wenn die Polizei das Haus auf den Kopf stellt. Das bedeutet, sie müssen all ihr Rauschgift aus dem Fenster schmeissen, um nicht entdeckt zu werden. Darauf haben sie natürlich keinen Bock und sie setzen die Diebe unter Druck, das Gestohlene via Kuriere wieder zurückzubringen.
Wir sind echt sprachlos, wir hätten nie gedacht, dass wir unsere Sachen je wieder sehen würden. Dass sich die Polizei so einsetzt und freundlich ist, hat uns völlig überrascht. Zum Schluss bringt uns die Tourismuspolizei vor ihr Hauptquartier und wir können dort sicher übernachten.
Wir haben ein Riesenschwein gehabt und es wird uns eine grosse Lehre sein, in solchen Quartieren nicht nur die Türen zu schliessen und sondern auch die Fenster hochzukurbeln.

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