44. REISEBERICHT: 24.5.-27.6.2004

Von Merida auf die Isla Margarita

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Wir sind nun schon seit zwei Wochen auf der Isla Margarita, genauer gesagt in El Yaque und machen mal wieder richtig Kiteferien. Das Gebiet hier ist super für Anfänger und Aufsteiger: stehtiefes Wasser bis weit in die Bucht raus, Flachwasser, meist konstanter Wind zwischen 3 und 5 Windstärken, schöner, palmengesäumter Strand und Happy Hour Drinks für knappe 2 CHF. Was will man mehr?
Esther hatte Anfangs noch ein grösseres Brett und einen kleineren Kite gemietet, doch hat sie ihr Fahrkönnen schnell aufpoliert und flitzt jetzt mit unserem 12er Kite und dem kleinen 135cm Brettl herum.
Doch jetzt von Anfang an: nachdem wir den Pico Bolivar bestiegen hatten und wieder heil unten angekommen sind, haben wir unser Basislager in Merida abgebrochen und sind in die Llanos gefahren, einer riesigen Tiefebene, die Heimat von abertausenden von Rindern ist und daneben ein richtiges Tierparadies ist: Man kann Piranhas fischen, die grösste Schlange der Welt, die Anakonda aus dem Wasser ziehen und dutzende andere Tierarten beobachten.
Uns wurde das Campamento Canafistola empfohlen und nach langer Fahrt von Merida, wo wir noch ein abenteuerliches Rennen mit einem Buschauffeur zu bestehen hatten, der uns nicht überholen lassen wollte, sind wir am Abend dort angekommen.
Am nächsten Morgen ging es auf Piranhajagd. Ausgerüstet mit Angelschnur, mit einem Riesenhaken und Frischfleich begaben wir uns mit unserem Führer an einen Tümpel, um unser Glück zu versuchen. Unser Führer zeigte uns die Grundlagen und dann ging es los. Die ersten paar Mal hatten uns die Viecher das Fleisch schon abgeknabbert, bevor wir überhaupt reagieren konnten und unser Führer hatte in der Zwischenzeit schon drei Piranhas rausgezogen. Doch dann zogen Esther und ich innert kurzer Zeit unsere ersten Piranhas aus dem Wasser. Wahnsinn, was für scharfe Zähne die Dinger haben.
Nach zwei Stunden wurde es uns langsam langweilig und wir fuhren mit elf selbstgefangenen Piranhas ins Camp zurück.
Am Nachmittag stand die Suche nach einer Anakonda an. Unser Führer zog die Schuhe aus und watete mit einem Stock bewaffnet in den Tümpeln herum, doch nicht er, sondern Esther erspäht die Anakonda, die gemütlich im Gras liegt. Wir nähern uns ganz langsam, unser Führer drückt ihren Kopf mit dem Stock auf den Boden und ich muss an ihrem Schwanz ziehen, damit sie sich nicht um sein Bein wickelt. Sie ist eine kleines Prachtstück, an die drei Meter lang und fast hundert Kilo schwer. Ist schon unglaublich, dass so eine Anakonda ganze Krokodile verschlingen kann, indem sie ihr Opfer umschlingt, es ersäuft und ihre Kiefer aushängt und dann das ganze Kroko langsam verdrückt. Doch sobald man die Anakonda am Kopf  und Schwanz hält, ist sie hilflos. Wir können die Schlange ausgiebig beobachten, streicheln und sind fasziniert von der trockenen, schuppigen Haut.
Wir sind überglücklich, dass wir an einem Tag Piranhas erfischt und noch eine Anakonda zu Gesicht gekriegt haben und verdrücken zum Nachtessen die köstlichen Piranhas.
Eigentlich wollten wir nächstentags noch eine Flussexkursion machen, doch da es wie aus Kübeln schüttet, packen wir zusammen und fahren weiter Richtung Provinz Amazonas.
Eineinhalb Tage fahren wir durch die flache Llanoslandschaft, müssen drei Flüsse, darunter den Orinoco, auf abenteuerlichen Fähren überqueren und kommen in Puerto Ayacucho an. Das Gebiet südlich von Puerto Ayacucho kann nur mit dem Boot bereist werden und es benötigt diverse Bewilligungen, damit man dieses Gebiet überhaupt bereisen darf. Der Grund ist, dass hier noch viele Indianerstämme völlig unberührt von der Zivilisation leben und man dies nicht durch fotogeile Touris verändern will. Man kann vom Orinoco in einer ca. zweiwöchigen Schiffahrt bis zum Amazonas fahren und auf der Strecke hat es nichts als ein paar kleine ursprüngliche Dörfchen. Unglaublich, dass es sowas in unserer Zeit noch gibt.
Wir bleiben ein paar Tage in der wunderschön gelegenen Orinoquia Lodge, wo wir kostenlos stehen dürfen und machen einen Ganztagesausflug auf dem Orinoco. Da der Orinoco der Grenzfluss zu Kolumbien ist, machen wir natürlich einen Abstecher in einen Nationalpark auf der anderen Seite und werden von den kolumbianischen Parkwächtern freundlich begrüsst und im Park herumgeführt. Bei der Weiterfahrt auf dem Fluss, machen wir noch Halt in einigen kleinen Dörfchen, wo die Menschen noch sehr einfach leben und sich vom Fischfang ernähren und wir haben sogar die Möglichkeit einen kleinen giftigen Frosch zu Gesicht zu kriegen.
Von Puerto Ayacucho geht es in zwei Tagen wieder rauf nach Caracas, wo wir noch einige Sachen zu erledigen haben, bevor es auf die Isla Margherita geht.
Die erste Nacht in Caracas mit unserem Landy beginnt eigentlich ganz gut. Wir finden einen grossen Parkplatz, der die ganze Nacht bewacht ist und wo wir zu logieren gedenken, wie wir es schon in allen anderen zentralamerikanischen Städten gemacht haben. Doch so gegen 21:00 kommt der Nachtwächter und meint wir können hier schon parkieren, doch übernachten sei nicht gestattet. Nach ellenlanger Diskussion können wir trotzdem übernachten, doch müssen wir schon um 5:30 aus dem Auto raus sein. Wir denken uns, bis am Morgen hat er uns vergessen, doch weit gefehlt. Pünktlich um 5:30 klopft der Trottel an die Scheibe und holt uns raus. Schlaftrunken und lustlos trotten wir zum Parque Central und setzen uns neben allen Pennern, die noch herumliegen auf eine Bank und schauen dem langsam aufwachenden Caracas zu. Als Pünktchen auf dem i kommen noch drei Polizisten auf ihren Yamaha XT 600 angedüst, wollen wissen was wir hier machen und verlangen unsere Personalien. Von Freundlichkeit haben sie auch noch nichts gehört und sie begnügen sich mit den Kopien unserer Identitätskarten.
Wir sind den Venezolanern immer noch nicht auf den Geschmack gekommen. Sie sind weiterhin unfreundlich, arrogant und ignorant. Dafür ist der Schweizer Konsul in Caracas ein Lichtblick. Wir hatten ihn angerufen um die politische Situation und mögliche Risiken abzuklären und es stellte sich heraus, dass er auch ein angefressener Landyfahrer ist und er hat uns spontan zu sich nach Hause eingeladen. Dank ihm erfuhren wir sehr viel über Land und Leute, erhielten einen spannenden Einblick in die Arbeit eines Konsuls und konnten Unmengen von Reiselatein austauschen. Merci vielmals Marco!!!
Von Caracas fahren wir über den Avila (Hausberg der Caracenos) und werden bei der Einfahrt in den Park gestoppt mit der Begründung, man dürfe nicht Fahrradfahren im Park und es entspinnt sich folgender Dialog:
Wir: "Wir fahren ja nicht Rad, wir haben die Bikes ja nur auf dem Dach".
Er: " Das sei egal, man dürfe nicht Radeln im Park"
Wir: " Wir fahren Auto und wollen nur auf die andere Seite des Berges, damit wir der Küste entlang weiterfahren können"
Er: " Das sei ok, aber die Fahrräder müssen hier unten bleiben"
Wir: "Bescheuert oder was? Wir fahren schon seit zwei Jahren mit den Dingern auf dem Dach herum und werden sie sicher nicht hier lassen"
Er: " Aber man darf im Park nicht Fahrrad fahren"
Wir:" Wir wollen ja nicht Fahrradfahren....."
Er: " blablablabla "

So ging das an die fünf Minuten hin und her. Wir wollen der Leserschaft den gesamten, ziemlich beschränkten Dialog nicht zumuten, doch wir haben es doch noch geschafft über den Berg mit unseren Radeln zu kommen. Die Strecke war mordssteil (mussten in der Reduktion fahren) und der einsetzende Regen machte das ganze zu einer spannenden Rutschpartie.
Die Küstenstrasse nach Higuerote windet sich durch grünen Urwald und an schönen Stränden vorbei und vor Higuerote biegen wir Richtung Strand ab, fahren durch einen kleinen Fluss, wo eine Truppe Offroader ihre Autos wäscht und übernachten endlich wieder mal am Strand bei angenehmen Temperaturen und Meeresrauschen. Am nächsten Tag, nachdem es in der Nacht wieder mal geregnet hat (ja, es ist Regenzeit in Venezuela !) ist der kleine Fluss ziemlich angeschwollen und an eine Durchfahrt ist nicht zu denken. Wir warten und es gesellen sich noch zwei Autos dazu. Das Wasser steigt und steigt und einer der Fahrer lädt uns zu sich ein, den Nachmittag bei ihm zu verbringen. Es stellt sich heraus, dass seine Familie eine der grössten Tageszeitungen des Landes besitzt und sein Weekendhaus entpuppt sich als märchenhafter Landsitz an einem wunderschönen, einsamen Strand.
Am Nachmittag kehren wir zurück zum Fluss und ein Toyota Pickup traut sich durch die Fluten, wird fast abgetrieben und als der Fahrer auf der anderen Seite die Türe öffnet, strömt das Wasser nur so raus. War nix mit trockenen Füssen. Dies wollen wir uns ersparen und übernachten gleich vor Ort, um am nächsten Morgen früh den Fluss zu durchqueren.
Tags darauf ist der Wasserstand wirklich wieder soweit abgesunken, dass wir problemlos und ohne Innenraumspülung über den Fluss kommen.
Über die Fahrt nach Cumana gibt es wenig zu berichten, wir übernachten auf einem Hotelparkplatz und fahren um 4:00 in der Frühe zum Hafen, um die Fähre zur Isla Margarita zu erwischen. Nach vier Stunden Geschaukle auf einer Fähre, die nicht viel grösser als eine Zürichseefähre ist, kommen wir an und fahren direkt nach El Yaque, der berühmten Wind- und Kitesurfdestination. Wir können neben dem Hotel Atti übernachten und kriegen sogar noch ein Zimmer und können die Toilette und Dusche benutzen. Was für ein Luxus. Muchas Gracias Fabrizio !!!
Wir treffen gleich am ersten Abend eine fröhliche Schweizer Truppe, von denen Petr zwei kennt und die sich als gute Beachvolleyspieler herausstellen. Leider reisten sie schon nach vier Tagen ab und es gab keinen valablen Beachvolleyersatz.
Hinzu gesellten sich noch Natalie und Konny, auch aus der Schweiz, die ein Jahr Auszeit genommen haben, nur ein paar Tage in El Yaque bleiben wollten und auch schon zwei Wochen hier sind, c'est la vie!
Die Tagesaktivitäten sind kurz und bündig zusammengefasst.
Kiten, lesen, ab und zu mal spanisch und portugiesisch büffeln, nachmittags EM glotzen, danach noch selber aktiv werden mit Beachtennis und am Abend geht es dann in die Happy Hour, um bei einem Margherita den wilden Kitern und Windsurfern auf dem Wasser zuzuschauen, wie sie die letzte Brise vor dem Sonnenuntergang noch ausnützen. Dazwischen noch so alltägliches, wie Wäsche waschen, Wasserfilter putzen, Wassertank füllen, Kleidung reparieren, Wasserhahn anziehen und neu justieren, Ameisen aus dem Auto jagen, die an der Stromleitung raufgekraxelt sind, etc, etc, etc.
Nach eineinhalb Wochen Kitens hat Petr nach einem missglückten Sprung den Kite zerissen und leider ist der lokale Segelmacher in den Ferien. Wir suchen in Porlamar nach einem Segelmacher, der in der Lage wäre unseren Kite wieder auf Vordermann zu bringen, doch leider hat der eine nicht das passende Garn und Nadel und der andere nicht die Maschine. So sind wir ziemlich gefrustet, wenn wir am Strand sitzend den anderen Kitern zuschauen müssen. Zum Glück hat es nicht zu viel Wind und wir verpassen nicht viel.
Im Supermarkt treffen wir Yvonne und Bruno, die mit ihrem Segelboot Momo schon seit drei Jahren auf hoher See sind und sie laden uns zu sich aufs Boot ein. Der Apéro, mit dem selbst getrockneten Fisch war excellent, herzlichen Dank!!!
Den Rest der Zeit verbringen wir mit Natalie und Konny, die sich mittlerweile entschlossen haben eine eigene Kiteausrüstung zu kaufen und noch ein paar Wochen zu bleiben. Hang loose und springt nicht zu hoch !!!
Am Montag, nachdem die Tschechen Dänemark mit 3:0 aus der EM rausgeworfen haben, machen wir uns auf zur Inselrundfahrt, die in einem halben Tag zu bewältigen ist und nichts allzu erwähnenswertes bietet.
Wir verabschieden uns von Fabrizio vom Hotel Atti, der uns so grosszügig im Hinterhof campen lassen hat und nehmen am Abend die Fähre Richtung Festland wo es dann weiter in die Gran Sabana geht, wo wir noch den den Angel Fall, mit 1000m Fallhöhe der höchste Wasserfall der Welt, anschauen wollen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht.

Hasta Luego !!!
 

Von den Bergen in die Llanos
 
Petri Heil
Auf Anakondasuche
Wir werden fündig
Tierwelt der Lanos:

Kaimane
Wasserschweine
Rindviecher

Stilleben
Esther mit Schildkröte
Piranhaschmaus
Auf dem Weg nach Puerto Ayacucho

Strassenszenen aus Puerto Ayacucho
Orinoquia Lodge

Orinoco Rundfahrt
Bereit für den Dschungel
Ein kleiner Giftfrosch
In einem kleinen Orinoco Dorf, sogar mit Schule
Besuch von oben
Fisscher am Fisch räuchern
In den entlegenen Gebieten leben die Indigenas selbst heute noch so.
(Aufgenommen im Museum)
Auf dem Weg nach Norden...
... kommt uns ein Radfahrer entgegen und will uns Bananen verkaufen.
Vier Machos mit ihrem Feuerschlitten
Wir kommen immer näher an Caracas

Donnerstagabend in Caracas
Centro Sambil: Das grösste Einkaufszentrum von ganz Südamerika
"Unser" Mann in Caracas. CH-Konsul Marco Kämpf mit Tochter vor seinem Landy
Blick vom Avila aus aufs Meer
Entlang der Karibikküste
So verbringen Venezuelaner ihre Wochenenden
Unterwegs zum Strand
Hier durch ???

Der Toyota ist steckengeblieben uns musste rausgezogen werden.

Das schmucke Häuschen des Zeitungsbarons
Venezuelaner am Warten
In Barcelona
Ab auf die Isla Margarita
 

Am Strand von El Yaque
Night Life mit Roman, Reto, Frank und Patrick

Unser Platz beim Hotel Atti
Hartes Strandleben
El Yaque im EM-Fieber
In El Yaque lässt sich eine ruhige Kugel schieben
Natalie und Konny
Kite mit Guckfenster

Inselrundfahrt um die Isla Margharite mit Playa El Agua, Fischerszene bei Manzanillo und Porlamar mit einigen Bauruinen
Hafenromantik bei einem feinen Nachtessen
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