46. REISEBERICHT: 9.7.-31.7.2004

Von Santa Elena nach Jericoacoara

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Der Grenzübertritt nach Brasilien ging so reibungslos über die Bühne, dass wir im Lande waren ohne es bemerkt zu haben. Wir mussten nach einigen Metern anhalten und zum Zollhäuschen zurückfahren um unsere Pässe abstempeln zu lassen und den Landy temporär einzuführen. Das ging alles in sehr freundlichem und legerem Ton vor sich, yeppeeee, wir sind in Brasilien !!!!
Die erste Nacht verbringen wir an einer Tankstelle mit anderen Lastwagenfahrern und kommen sofort mit ihnen ins Gespräch. Na, ja Gespräch ist ein wenig übertrieben, mit genuscheltem Spanisch, ein paar Brocken Portugiesisch und Händen und Füssen findet eine lustige Konversation statt. Brasilianisch unterscheidet sich in der Schreibweise nur unwesentlich vom Spanischen, die meisten Wörter sind gleich, doch die Aussprache hat es in sich. Beim ersten Hinhören kriegt man nur einen Singsang aus nãuo, mião, jião, schiu etc. mit, der an eine Mischung aus Rätoromanisch und Russisch erinnert und kann gar nicht zwischen einzelnen Worten unterscheiden. Ein Rätsel: Was ist ein "fietschpantsch"? Nein, hat nichts mit gepantschten Fischen zu tun und auch nicht mit Pantoffeln auf dem Fiescherhorn. So nennt man hier schlicht und einfach einen Fiat Panda. Das kann ja noch heiter werden, bis wir was verstehen.
Die 1000 km von der Grenze bis nach Manaus verlaufen eintönig durch abgerodete Savanne, auf der Kühe grasen. Unterbrochen wird diese Einöde nur durch ein 140km langes Sperrgebiet, in dem noch Indios mehr oder weniger ursprünlich leben. Hier kriegt man einen Eindruck vom dichten, undurchdringlichen Amazonasurwald mit.
Manaus ist keineswegs die, wie von uns erwartete, abenteuerliche Stadt mitten im Dschungel, sondern eine pulsierende Grossstadt mit 1.6 Mio Einwohnern, mit einer riesigen Industriezone, in der von Elektronik bis Motorrädern alles mögliche produziert wird und einer belebten Einkaufsmeile.
Hier trifft José auf uns, er fährt einen, na was wohl? Jaaaa, einen Defender 90 und lädt uns zu sich nach Hause ein. Wir können ein paar Tage bei ihm und seiner Familie bleiben, schauen die Stadt an, müssen den Wassertank noch einmal ausbauen, da die in Nicaragua gezogene Schweissnaht undicht war und versuchen eine günstige Verschiffungsmöglichkeit den Amazonas runter nach Belem zu finden. Muito Obrigado Paula y José !!!!
Am Donnerstagabend fahren wir in den Hafen und finden noch einen Platz auf einem Lastwagenfloss. Da wir erst um 4:00 morgens aufs Floss können, stellen wir unser Dachzelt auf und pennen eine Runde. Dann fahren wir aufs Schiff und pennen weiter. Um 10:30 werden wir von einem schrillen Pfiff geweckt: Das Mannsweib von Köchin läuft mit Trillerpfeife herum und ruft zum Mittagessen auf. Mit zwei anderen Lastwagenfahrern sind wir die einzigen Mitfahrer an Bord, der Rest der Ladung besteht aus unbegleiteten Aufliegern.
Zum Essen gibt es Reis mit Bohnen, Spaghetti und dazu geschmortes Fleisch. Ein Menu, das uns für die nächsten vier Tage zum Mittag- wie auch zum Nachtessen.begleiten soll. Die vier Tage auf dem Schiff sind paradiesisch friedlich: wir lesen, lernen Portugiesisch, versuchen das Gelernte gleich auf die armen Lastwagenfahrer und Besatzung anzuwenden, die uns mit einem Grinsen mitteilen, dass sie wieder nichts verstanden hätten. Dann krame ich Esther's Querflöte hervor und versuche ein paar Töne rauszuquetschen oder wir setzen uns an den Bug des Flosses und lassen die Landschaft auf uns wirken. Viel gibt es eigentlich gar nicht zu sehen. Sofern man das Ufer überhaupt sieht, ist es grün bewachsen, ab und zu mal ein paar Häusschen, hin und wieder mal ein Städtchen und zwischendurch paddelt jemand mit den Kanu zu uns hin und versucht etwas zu verkaufen. Wir geniessen die Zeit und wären gerne noch weitergetuckert, doch in Belem ist Endstation und jetzt heisst es wieder Kilometer abspulen. Brasilien ist riesig, flächen- und bevölkerungsmässig (180 Mio.) das fünftgrösste Land auf der Welt und von Nord nach Süd sind es Luftlinie über 6000km.
Belem hat einen lebhaften und bunten Markt und einige alte Kirchen und Häuser. Durch hügelige Landschaft geht es weiter nach Saõ Luis. Auf der Fähre werde ich noch zum Kapitän gerufen. Er hat gesehen, dass wir ein GPS im Auto haben und nun muss ich ihm sein neu erstandenes Gerät erklären. Leider hat es keinen Empfang, da keine externe Antenne vorhanden ist, aber wenigstens konnte ich die Sprache seines Gerätes von Englisch auf Portugiesisch umstellen.
São Luis hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Viele koloniale Häuser, deren Aussenwände wegen der Hitze und Feuchtigkeit mit Kacheln belegt sind und eine friedliche Fussgängerzone, mit vielen Cafés, Essensständen, Livemusik und herumflanierenden Menschen.
Weiter geht es  zum National Park Lencois Marenhenses. Hier gibt es zwischen den Dünen Süsswasserlagunen zu bewundern, in denen man auch friedlich plantschen kann. Vor Jahren noch ein Geheimtip, hat die neu geteerte Strasse nach Barreirinhas den ganzen Park in eine Touriattraktion verwandelt und am Wochenende stürzen sich hunderte von brasilianischen Touristen in die kühlen Lagunen. Da wir einen Führer haben und mit eigenem Auto unterwegs sind, können wir zum Glück dem Besucheransturm entkommen und fahren weiter Richtung Meer nach Atins. Die Strecke weist einige tiefere und längere Wasserdurchfahrten auf und unser Adrenalinspiegel ist am obersten Limit, da wir immer Angst haben, irgendwo im Wasser steckenzubleiben. Einmal wird sogar unsere Motorhaube geflutet. Doch wir meistern die Strecke und werden mit einem schönen Ausblick vom Leuchtturm aus belohnt. Von der Landschaft her, hat sich die Schinderei für Auto und Seele nicht gelohnt, doch unter dem Aspekt eines Fahrtrainings sieht die Sache schon positiver aus.
Nächstentags nehmen wir uns wieder einen Führer und fahren weiter nach Paulino Neves. Hier hat es ebenso schöne Lagunen zwischen den Dünen und keine Touristen. Unsere Fahrt geht weiter über teilweise holprige Strassen und an kleinen Dörfchen vorbei weiter nach Camocim, von wo aus wir die 45km Strandfahrt nach Jericoacoara in Angriff nehmen. Mittels zwei kleinen abenteuerlichen Fähren setzen wir über die Flüsse über und sind nach 1.5 Stunden Fahrt  in Jeri.
Das einstmalig kleine und ruhige Fischerdörfchen hat sich in eine populäre Feriendestination für Einheimische und zu einem international bekannten Windsurfspot entwickelt und ist jetzt zum Ende der lokalen Ferienzeit zum Bersten voll. Doch auch so hat es eine charmante Atmosphäre, mit vielen Restaurants, Shops und Posadas. Zum Sonnenuntergang trifft man sich auf der grossen Düne und ab Mitternacht peitschen Technoklänge die Stimmung auf.
Eine brasilianische Spezialität ist es, den Kofferraum seines Autos mit fetten Lautsprechern zu füllen und am Strand oder im Ort selber, seine private Disco zu organisieren und mit genügend Alkohol, die Tanzlaune bis übers Morgengrauen hinaus aufrecht zu erhalten.
Zum Kiten ist Jeri nicht so ideal, da der Wind ablandig ist und man daher zum 10km weiter entfernt liegenden Praia o Prea dislozieren muss. Dort bläst der Wind mit 15-27 Knoten schräg auflandig und am Nachmittag baut sich eine kabellige Welle auf. Für Anfänger weniger geeignet, doch Fortgeschrittene kommen auf ihre Kosten.

Drei Wochen Brasilien liegen hinter uns und wir wissen jetzt schon, es ist nicht das letzte Mal, dass wir hier sind. Die Menschen hier sind offen, fröhlich, freundlich und hilfsbereit. Das Land ist viel weiter entwickelt als wir es je gedacht hätten (ja, ja, wir blöden, unwissenden und eingebildeten Schweizer!).
Auf den Strassen befinden sich vor allem europäische Klein- und Mittelklassewagen. Es hat sehr viele Landrover Defender, die hier in Brasilien produziert werden, die Strassensignalisation ist klar und deutlich und in den Städten hat man dasselbe Warenangebot wie bei uns.
Doch ausserhalb der Städte zeigt sich das andere Bild Brasiliens. Viele einfache Lehmhütten, in denen die Menschen ein sehr einfaches Leben führen.

Das wär's mal von unseren ersten Etappe in Brasilien, weiter soll es der Küste entlang bis nach Salvador gehen und von dort aus ins Inland nach Brasilia. Nächste Infos wahrscheinlich von dort aus.

Ciao (wird übrigens auch im Brasilianischen angewendet)
 

Wir sind in Brasilien
Soviel zu den Distanzen
Unterwegs nach Manaus
Unsere erste Tankstellenübernachtung in Brasilien. Die Tankstellen hier sind sicher und haben Dusche und WC. Mehr brauchen wir gar nicht.
Wir überqueren den Äquator und befinden uns von jetzt an auf der Südhalbkugel
So hat es früher im Amazonas ausgeschaut

In Manaus
Mal was anderes: Fussvolleyball. Wie Volleyball aber ohne Hände. Ist zwar schon eindrücklich was für eine Ballbeherrschung die Jungs haben, doch da es keine Smash gibt, ist das ganze etwa so aufregend, wie Volleyball nur mit Pass und Manchette.

Im Amazonaspark:
Manatees (Seekühe) und ein Faultier
Paula und José vor ihrem 90er
Unser Standplatz auf der Fähre
Ein kitschiger Sonnenaufgang auf dem Amazonas
Unterwegs auf dem Amazonas
Einige der vielen Zeitvertriebsmöglichkeiten
In Belem
Architektur ausserhalb der Städte und Dorfjugend
Wunderschöne Altstadt in Saõ Luís
An der Bumba Meu Boi.

Ein Volklorefest, das stark von der afrikanischen Kultur geprägt ist.
Seit dem 17. Jahrhundert wurden Abertausende von afrikanischen Sklaven in den Nordosten Brasiliens gebracht um auf den Farmen zu arbeiten.

Im Nationalpark Lencois Marenhenses:
Dünen und Süsswasserlagunen
Wo ist es am wenigsten tief?
Spritztour auf den Dünen
Dorfkids in Atins
Leuchtturm mit Aussicht
Und wieder zurück nach Barreirinhas
Unterwegs nach Paulino Neves
In Camocim
Unterwegs nach Jericoacoara.

So viele Landys wie hier haben wir bisher noch nirgends angetroffen. Doch hier in Brasilien sind sie sehr verbreitet und wir fallen gar nicht mehr auf.

In Jericoacoara. Das ganze Städtchen ist auf Sand gebaut und die Strassen entsprechend sandig
Privatdisco
Um 6:30 in der Früh
Windsurfer am Herumheizen
Piedra Fourada
   
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