47. REISEBERICHT: 31.7. - 13.9.2004

Von Jericoacoara nach Salvador

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Hallo, da sind wir wieder, lange hat es gedauert, doch eigentlich ist gar nicht so viel passiert. Sind von Jericoacoara losgefahren, sind in Cumbuco drei Wochen zum Kiten steckengeblieben und sind dann der Küste entlang bis nach Salvador gefahren. Das wär's. Muss man ja nicht mehr schreiben oder?
Das wäre das Management Summary und jetzt kommen wir doch noch ein wenig zu den Details.
Von Jericoacoara ging es dem Strand entlang weiter gen Süden und wir feierten an der Praia de Balea unser zweijähriges Reisejubiläum. Sapperlot, wie die Zeit vergeht, schon zwei Jahre rollen wir mit unserem Landy über Stock und Stein und geniessen es immer noch, neue Menschen, Sprachen, Kulturen, Essspezialitäten und Kitespots kennezulernen. Natürlich kommt immer wieder das Heimweh hoch, die Sehnsucht nach unseren Familien und Freunden oder die berühmte Reisemüdigkeit stellt sich ein, doch nach ein paar Tagen Rast legt sich das wieder und es packt uns erneut die Neugier nach neuen Erlebnissen. Das Jubiläumsmenü bestand aus Krebsen und frischem Fisch. Das Knacken der Krabben war eine langwierige Sache und vor allem Petr war danach von Kopf bis Fuss mit der Sauce bekleckert..
Nächstentags mussten wir mit zwei kleinen Fähren übersetzen und bei der ersten war uns echt mulmig zumute. Der Wellengang war ziemlich stark, der Wind blies schön von der Seite und brachte unseren Landy inklusive Floss so stark ins schwanken, dass wir uns schon im Wasser drin sahen. Doch wir hängten uns dann an die Seite unseres Landys und spielten Gegengewicht zum Ausbalancieren. Die nächste Fähre war zum Glück in ruhigem Fahrwasser. Die Fahrt dem Stand entlang war wunderschön. Auf der einen Seite das Meer auf der anderen Dünen und vor uns kilometerweise nur Niemandsland, unterbrochen von ein paar Fischerdörfchen. Am Abend sind wir in Cumbuco angekommen und suchten über eine Stunde vergeblich die Posada von Manni, die uns wärmstens empfohlen wurde. Als wir von der Tankstelle aus anrufen wollten, haben uns die Männer von der Tankstelle sofort ihre Telefonkarte zur Vefügung gestellt und sogar noch die Nummer für uns gewählt. Das ist Hilfsbereitschaft à la Brasil.
Bei Manni konnten wir uns in den Garten stellen, den Swimmingpool benützen und waren keine 100 Meter vom Strand entfernt.  Die Kitebedingungen waren einfach super, es hatte jeden Tag Wind zwischen 4 und 5 Windstärken, Wassertemperatur an die 24°C und die Luft um die 30 Grad. Somit genügten Shorts um warm genug auf dem Wasser zu haben, herrlich. Die anderen Gäste waren alles angefressene Kiter, von Christian versuchte Petr seinen coolen Stil abzukupfern und von Nadine und Reto erhielten wir viele Tips über den Rest von Südamerika. Manni sorgte sich richtig rührend um uns und als Esther einen Schnupfen aufgelesen hatte, kochte er ihr gleich einen Tee. Wir waren eine Woche in Cumbuco, kommen eines morgens nichtsahnend an den Strand und hören auf einmal ein "ja, was mached ihr denn da???". Wir machen grosse Augen als wir Simone, die wir beide von einigen J+S-Snowboardlagern kennen, am Strand sehen. Sie ist mit ihrem Freund Marc für drei Wochen auf Kiteurlaub hier in Brasilien. Ach ist die Welt doch klein.
Tja, so wurden aus der geplanten Woche, gleich drei Wochen und wir hätten es noch locker länger ausgehalten, doch es gibt ja noch sooooo viel zu sehen und an Weihnachten wollen wir ja in Patagonien sein.
Manni, nochmals herzlichen Dank für alles !!!
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns und fuhren noch für ein paar Tage rauf nach Paracuru, ein toller Kitespot, mit Flachwasser bei Ebbe. Hier flitzt Esther schon richtig wild herum, halst ohne Wasserberührung und Petr feilt an den einhändingen Sprüngen mit Rotation herum.
Nach diesem schönen Abschluss geht es mehr oder weniger alles dem Strand entlang bis nach Canoa Quebrada. Zwischendurch machen wir noch einen Kitestop an der Barra Nova, bei Flut eine kleine Lagune mit absolutem Flachwasser und Petr ist der einzige auf dem Wasser, einfach genial. Die Kitebedingungen in Canoa Quebrada waren leider nicht so optimal, durch die hohen Klippen ist der Wind eher böig und die Welle chaotisch. Wir können bei einem anderen Manni in seiner Posada stehen und fahren nächstentags weiter dem Strand entlang bis nach Natal. Die Stadt bietet ausser dem Fort herzlich wenig, wir nächtigen wieder mal an einer Tankstelle und kommen am nächsten Tag zur Praia Pipa, wo es von Delphinen wimmeln soll, die mit einem mitschwimmen. Wollten eigentlich nur schnell mal den Strand anschauen, doch wir landen am Ende des Strandes in einem kleinen Campingplatz und es ist so relaxed, dass wir zwei Nächte bleiben. Dazu lernen wir noch Chiara und Andrej kennen, die uns mit Kuno bekannt machen, der schon seit zwei Jahren in Praia Pipa lebt. Aus der Einladung für den Caipirinha wird ein kompletter Tag mit Plaudern und einem unvergesslichen Gassigang dem Strand entlang, bei dem uns Kunos vier grosse Hunde über den Strand zerren. Praia Pipa ist gestossen voll, da Brasiliens Unabhängigkeit gefeiert wird. Überall dröhnt es aus den Lautsprechern und alle stehen cool herum und nippen an ihren Caipirinhas.
Weiter geht es nach Joao Pessoa, wo uns ein Kollege von Petr die Adresse seines Kumpels Theo angegeben hat, den wir besuchen können. Wir kommen am Abend an, doch nur die grossen Wachhunde melden sich lautstark. Doch wir können gleich nebenan auf dem Parkplatz von Christoph übernachten, einem Deutschen, der mit seinem Segelboot auf dem Weg nach Neuseeland war, doch hier hängengeblieben ist und sich eine wunderschöne Posada aufgebaut hat. Nächstentags sind wir schon auf dem nach Süden und stecken im Verkehrsstau, als uns jemand anspricht. Es ist Theo's Frau. Die beiden haben unseren Landy gesehen und uns verfolgt, so ein Zufall. Sie laden uns zum Mittagessen ein und ob der entspannten Plauderei wird es schon so spät, dass es sich nicht mehr lohnt weiterzufahren und wir können bei Theo in seinem luxuriösen Appartement mit Blick auf Strand und Stadt bleiben. Der Wind bläst, Strand vor der Haustür, also macht Petr noch einen kurzen Ausflug mit dem Kite. Es ist Wahnsinn. In Europa ist man froh, wenn man ein paar Strände findet, an denen es Wind hat und hier in Brasilien hat man über 1'000km Küstenlinie mit idealsten Kite- und Windsurfbedingungen. Go for it, Theo !!!
Weiter geht es nach Recife. Die Stadt ist riesig, hat einen pulsierenden Altstadtkern, mit vielen Kolonialbauten und schönen Kirchen und an der Strandpromenade stehen all die modernen Wolkenkratzer. Die Atmossphäre ist entspannt und die Stadt gefällt uns gut. Der Strand ist schön, doch den Haien gefällt es hier auch und es kommt immer wieder zu Angriffen auf Menschen.
Olinda, gleich nebenan, ist ein UNESCO Weltkulturerbe und ist eine schöne Altstadt auf dem Hügel. Doch kaum kommen wir in die Stadt rein, kommen schon von überall her jugendliche Möchtegernführer angerannt und wollen uns eine Stadtführung, Hotel, Restaurant etc. etc aufschwatzen. Als Tüpfelchen auf dem i rennen sie uns noch hinterher und klettern von hinten an der Leiter hoch. Da hilft nur noch die rabiate Methode: kurz beschleunigen und wenn die Bengel fast an der Leiter dran sind, eine Vollbremsung. Der dumpfe Ton von hinten und die sich Köpfe und Schienbeine haltenden Kids, geben uns die Gewissheit, dass der Landy einen kürzeren Bremsweg hatte als die Verfolger. Wir kurven ne knappe Stunde durch die Stadt und haben die Nase voll. Nach langer, ergebnisloser Suche nach einem Schlafplatz, wollen wir schon klein beigeben und in ein Stundenhotel gehen, doch wir passen leider nicht durch die Einfart rein. Die Stundenhotels hier sind sehr verbreitet, was in Anbetracht der engen Wohnverhältnisse  und der Mehrgenerationenhaushalte wenig erstaunt. Diese Hotels haben eine Nachtpauschale von 8CHF für ein Doppelzimmer, für 2CHF Aufpreis gibt es sogar noch ein Zimmer mit Whirlpool. Doch da wir leider nicht reinpassen, suchen wir weiter und finden unterhalb des Sendeturms einen sicheren Platz mit super Aussicht aufs hell beleuchtete Recife.
Die zweitägige Fahrt nach Salvador führt uns vorbei an wunderschönen Küstenabschnitten und schmucken Kolonialstädtchen (Maceio und Penedo). An der Praia Poxim haben wir einen Traumstrand als Übernachtungsplatz für uns ganz allein. Wir fühlen uns richtig abenteuerlich, mussten wir doch etliche Kilometer über eine Holperstrecke und am Schluss noch durch enges Gebüsch zurücklegen. Doch am nächsten Morgen kriegt unser abenteuerliches Ego einen groben Dämpfer, als wir feststellen, dass dieser Strand von der anderen Seite locker mit einem PW anzufahren  ist, tja.
Salvador war bis 1763 Hauptstadt von Brasilien, ist UNESCO Weltkulturerbe und hat eine schön restaurierte koloniale Alsstadt. Der Staat Bahia produzierte früher den gesamten Weltbedarf an Zucker. Dementsprechend mussten viele Sklaven aus Angola, Nigeria und Senegal hierhin verfrachtet werden. Als 1888 die Sklaverei für beendet erklärt wurde, haben sich viele Schwarze hier niedergelassen, haben ihre Kultur und Bräuche hier aufleben lassen und man fühlt sich zeitweise eher in Afrika als in Brasilien. Auf der Strasse kann man Capoeira zuschauen, einem tänzerischen Kampfsport, bei dem zwei Tänzer sich zu Getrommel und Gesang berührungslos bekämpfen. Es gibt Candomblé Tempel, in denen die Menschen bei den Gottesdiensten in Trance fallen und versuchen mit den Göttern Kontakt aufzunehmen und auf der Strasse sitzen unzählige dicke, lächelnde Frauen, in weiss gekleidet und verkaufen diverse Leckereien..Salvador ist die drittgrösste Stadt Brasiliens und nach Rio die Touristenattraktion. Dementsprechend wird man dauernd von irgenwelchen Strassenverkäufern angequatscht, die einem Ramsch andrehen oder in ihre Läden locken wollen. Wir schlendern den ganzen Tag durch die Stadt, besichtigen einige der 166 Kirchen, gehen an ein Benefizkonzert, versuchen einen bahianischen Spezialitätenteller, von dem wir beide noch zwei Tage später Dünnpfiff haben und gehen am Abend erschöpft in den Yachthafen zurück, wo wir einen sicheren Standplatz gefunden haben. Es war schön, doch ein wenig enttäuscht sind wir schon. Wir haben uns die Altstadt besser erhalten vorgestellt und nicht gedacht, dass es so nah am touristischen Zentrum, so abgefuckte Quartiere gibt, in die wir uns selbst tagsüber nicht reintrauten.
Ein schöner Reiseabschnitt liegt hinter uns: Schöne Strände, Kiten und koloniale Städte, garniert mit brasilianischer Freundlichkeit und Lebensfreude.
Wir machen jetzt einen Abstecher nach Brasilia (1550km) und von dort wieder raus an die Küste nach Rio (1100km). Wir sind gespannt wie es im Hinterland aussieht und was für Erlebnisse auf uns warten.

Até logo

P.S.: Kurz nach Salvador hatten wir einen kapitalen Reifenschaden, doch davon im nächsten Reisebericht.
 

Ab nach Cumbuco
Jetzt kriegt das Krebserl eins auf die Rübe
Ob das nur gut geht? Auf diesem Ding sind wir so richtig ins Schaukeln gekommen.
Bei Manni in der Posada ...
... und am Strand
Esther am Herumdüsen
Kiten nur in Shorts, ach, wie herrlich
DIE Kiteclique von Cumbuco (v.l):

Nadine und Reto aus Biel (zwischen sie hat sich Pedro reingeschlichen), Esther, Bettina und Christian aus Rosenheim und Manni himself

Auch das gehört zum Reisealltag. Ab und zu müssen kleinere Reparaturen erledigt werden.
Jaaaa, Kiten macht Spass, doch jetzt gibt's nen Caipi
Jährliche Jangada Regatta in Cumbuco
Kiten in Paracuru, herrliches Flachwasser. Christian, Flachwasser ist doch nicht so schlecht ;)
Fortaleza mit Strandpromenade, Hauptmarkt und Kirche
Ab und zu mal ne kleine Wasserdurchfahrt
und zur Auflockerung ein wenig Kiten (hier in Barra Nova)
Herrliche Strandabschnitte, hier unterwegs nach Canoa Quebrada
Simone und Marc unterwegs im Buggy
Fischer mit Langustenkäfigen
Faszinierende Landschaft bei Punta Grossa

Ein Buggy versuchte die grosse Düne ebenfalls raufzufahren, doch ist er kläglich steckengeblieben und wir sind locker vorbeigefahren. Unglaublich, wo man mit einem voll beladenen Landy überall durchkommt.

Morgens an der Tankstellel
Fort und Stadtsilhouette von Natal

Praia Pipa bei Abend und Tag
Mit einem Cuba Libre kocht es sich doch viel besser
Küstenlandschaft südlich von Pipa
Wir spielen Abschleppdienst und holen einen im Sand versoffenen Brasilero wieder raus
Zur Abwechslung mal wieder Kiten vor Joao Pessoa
Theo und Familie beim Mittagsschmaus: Picanha, Rindslende vom Grill.

Theo, danke für die Gastfreundschaft.

Joao Pessoa
Olinda

Recife
Laut dröhnend fahren solche Dinger durch die Strassen und machen Werbung
Coole Idee, so weiss man, wie lange man grün hat.
Esther hoch über Recife
Eine unserer vielen, lustigen Abkürzungen abseits der Hauptstrasse, hier auf dem Weg nach Salvador, quer durch Zuckerrohrplantagen
Einer von vielen schönen Stränden
Ein trauriger Kontrast. Entlang den Strassen sieht man sehr häufig solche Siedlungen.
Solch armselige Bauten haben wir selbst in den ärmeren Ländern Zentralemerikas nie gesehen.
Unser persönlicher Traumstrand: Praia Poxim
An der Praia Forte
Blick vom Hafen auf die Alstadt von Salvador


Impressionen aus Salvador. Bauten ...

... und Bewohner
Schmecken tut es gut, doch mit der Verdaung danach hat es ein wenig gehappert.
Capoeira Vorführung
Spieglein, Spieglein an der Wand ...
   
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