49. REISEBERICHT: 26.9. - 7.10.2004

Rio de Janeiro

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Ein paar Facts über Rio
6 Millionen Einwohner, wunderschön gelegen und von grünen Bergen umgeben, weisse Sandstrände und klares türkises Wasser. Eine breite Palette an Sportarten welche mitten in der Stadt praktiziert werden können: Beachvolleyball, - fussball, -rugby, Biken, Klettern, Surfen, Kiten, Gleitschirmfliegen und noch vieles mehr. Am Sonntag werden die Strandboulevards für den Autoverkehr gesperrt und gehören den Bikern und Joggern.  Doch auch unter der Woche sind die Wege voll mit Joggern, Walkern und Radlern, die sich fitten. Hinzu ist noch das Kulturangebot sehr vielfältig und sehr günstig. Doch wo es Licht hat, hat es leider auch Schatten.
Die Stadt selber ist hässlich, viele kolonialen Bauten wurden abgerissen und durch hässliche Wohnblöcke ersetzt, der Verkehr nie endend und jeder Autofahrer hält sich für einen Rubens Barrichelo. Vor allem die Busfahrer schaffen es, voll zu beschleunigen, alle Autos links zu überholen und dann quer über alle drei Spuren wieder nach rechts zur Haltestelle zu drängeln und damit locker den Verkehr zum Stillstand zu bringen. Es hat sehr viele Obdachlose, die in den Strassen übernachten, doch niemanden belästigen. Ungewöhnlich ist auch, dass viele Favelas (Armengebiete) teilweise an den besten Wohnlagen sind und an die besseren Bezirke grenzen. Die Copacabana ist nachts eher ausgestorben und wird hauptsächlich von Nutten und Sextouristen frequentiert.
Die Clichévorstellung, dass hier an allen Ecken Samba getanzt wird, dass hier die schönsten Frauen sein sollen, dass überall was los ist, konnten wir in dieser Woche Rio definitiv begraben. Rio ist eine Grossstadt an fantastischer Lage, aber keine Strandferiendestination. Da geht auf Ibiza oder Mykonos definitiv mehr die Sau ab.
Momentan ist dafür das Wetter eher saumässig, es regnet, es ist 18°C und im Winter kann das Thermometer bis auf 14°C sinken. Würde man nicht denken, gelle!

So, nach diesen eher nüchternen Facts, nun zu unseren Erlebnissen:
Wir können die erste Nacht in der Marina Gloria übernachten und lernen dort Paolo und Daniela kennen, die unseren Landy mustern. Die beiden haben schon Daniela und Tinu kennengelernt, die diesen März am Karneval in Rio waren. Paolo organisiert für uns einen bewachten Parkplatz hinter einer Tankstelle, beim Hotel Gloria. Die Romantik ist ein wenig eingeschränkt: Wir stehen zwischen zwei lauten Schnellstrassen, können die Toilette vom Parkwächter benutzen, geduscht wird in der Marina, doch der Platz ist sicher und wir können unser Dachzelt aufgestellt lassen. Das ist doch auch etwas.
Wir latschen uns die Füsse wund, besichtigen (fast) alle touristischen Highlights: Museen, Kulturzentren, Kirchen radeln herum und schauen den Kitern und Surfern zu. Selber ins Wasser wollen wir nicht, es ist viel zu kalt: jämmerliche 18°C. Wir sind jetzt vom Shorts-Kiten verwöhnt und haben keinen Bock wieder den Neopren anzuziehen.
Am Abend zotteln wir in Ipanema oder Copacabana herum, doch es ist eher ruhig, nur die Dirnen sind unterwegs, dafür schön anzuschauen. Einmal machen wir Bekanntschaft mit drei kleinen Strassenjungs, die sich uns nähern. Im Nu hat schon einer seine Hand in Petr's Hosentasche und bevor er richtig weiss, was gelaufen ist, sind sie schon wieder weg. Zum Glück hatte er nichts drin und seine Gürteltasche gut festgehalten. Doch sonst haben wir keine unangenehmen Begegnungen, benutzen auch abends die Autobusse und geniessen die Stadt. Leider spielt das Wetter nicht so mit und wir haben vier Tage Regen und kaltes Wetter.
Neben der Stadtbesichtigung gilt es noch Papierkram zu erledigen: Wir müssn die Aufenthaltsbewilligung für uns und den Landy verlängern lassen. Der erste Versuch scheitert kläglich, da ich in Shorts nicht einmal ins Gebäude gelassen werde, doch Esther darf locker mit Shorts und Trägershirt an den Wachleuten vorbeilatschen, ja, ja, dass nenn ich Gerechtigkeit. Dafür können wir schon mit dem Prozedere für den Landy beginnen. Die nette Frau am Schalter bittet mich ins Büro rein, holt das Formular vom Internet runter, hej hej, denke ich, sind ja super organisiert, doch dann beginnt die Farce: Da das Formular irgendwie gesperrt ist, muss zuerst eine Kollegin geholt werden. Die kopiert das Formular umständlich in ein anderes Word-Dokument und beginnt es mit Slowmotion-Einfingertechnik auszufüllen. Danach muss die Formatierung noch angepasst werden und da doppelseitig ausdrucken ein Fremdwort zu sein scheint, werden die beiden Blätter einzeln ausgedruckt und mittels Bostitch zusammengepappt. Das ganze hat ganze zweieinhalb Stunden gedauert und alle sind mächtig stolz auf sich, dass sie es so schnell geschafft haben. Danach müssen wir noch zum Notar, um meine Unterschrift beglaubigen zu lassen und dort kostet es mich einen Haufen Nerven, den Notar davon zu überzeugen, dass mein amerikanisches Visum nichts mit dem Antrag zu tun hat und daher nicht kopiert werden muss.
Am nächsten Tag können wir nach einer Stunde Schlange stehen bei der Bank, den gewünschten Betrag einzahlen, die Verlängerung für uns abholen und das Gesuch für den Landy abgeben. Am nächsten Tag als wir wieder zur Behörde zurückkehren sind wir absolut baff, als das Gesuch schon fertig bearbeitet vorliegt. So hatten wir wenigstens auch einmal die Gelegenheit mit der brasilianischen Bürokratie in Kontakt zu kommen.
Am Samstag klart das Wetter endlich mal auf und wir können nach langer Abstinenz wieder unsere Drahtesel vom Dach runternehmen, die Ketten entrosten, einschmieren und los gehts. Weit kommen wir nicht, da Esthers teurer Fünffrankenpneu, den wir in Vancouver gekauft hatten, von der UV-Strahlung völlig spröd geworden ist und platzt. Irgendwie haben wir immer Pech mit den Reifen. Wir fragen einen vorbeifahrenden Radler, wo wir denn einen neuen Reifen kaufen könnten. Aber statt eine Beschreibung abzugeben, radelt er gleich mit mir zum nächsten Laden. Toll, so hilfsbereit sind eben die Brasilianer und wir werden versuchen, uns eine Scheibe davon abzuschneiden. Nachdem Esther einen schicken, neuen Pneu drauf hat, geht es weiter.
Die Fahrt führt uns an Rio's Stränden Copacabana, Ipanema, Leblon und wie sie alle heissen, vorbei, rund um die Lagune und dann wieder zurück. Locker mal 40km mitten in der Stadt geradelt. Daneben haben wir natürlich immer wieder angehalten und den Bewohner Rio's, bei all ihren Strandaktivitäten zugeschaut. Fantastisch, was man mitten in dieser Grossstadt alles unternehmen kann.
Am Montagabend werden wir von Volkmar, dem Besitzer des excellenten Restaurants Casa Suiça, zum Nachtessen eingeladen und geraten unverhofft in Rio's diplomatische High Society. Dort lernen wir auch einige ausgewanderte Österreicher kennen. Bei Robert können wir anschliessend ein paar Tage bleiben und Willi überlässt uns seine Ferienwohnung in Buzios. Herzlichen Dank Euch beiden!!!
Nach eineinhalb Wochen, heisst es Abschied zu nehmen von dieser faszinierenden Stadt. Rio's Lage ist wirklich einmalig und wundeschön, das Freizeit- und Kulturangebot riesig und es ist bisher eine der wenigen Städte, in der wir es uns gut vorstellen könnten, eine Zeit lang zu leben.
Wir haben hier in Rio viele nette Menschen kennengelernt und müssen leider von ihnen Abschied nehmen ohne zu wissen, ob man sich je wieder sehen wird. Dies ist leider die bittere Seite des Reisens.

Hate logo Rio.
 

Blick auf den Pan de Azucar, Zuckerhut und die Seilbahn dort rauf
Hoch über Rio, auf dem Corcovado übersieht die riesige Jesusstatue die ganze Stadt
Blick vom Corcovado auf Rio runter
Die Jesus Statue bei Sonnenuntergang
Rio by night. Wir hatten ein Riesenglück mit dem Wetter und konnten zuschauen wie der Vollmond über Rio aufging
Unser Standplatz mitten in Rio
Ein paar Eindrücke aus dem historischen...
und hier aus dem modernen Rio
Kathedrale Metropolitana
Das Innere der San Francisco Kirche. Mehr als 100kg Blattgold wurde hier verarbeitet
Interessante Tierwelt mitten im Stadtpark

Unterwegs mit dem Radel
Und hier die wunderschönen Strände:

Copacabana und Ipanema



Copacabana und Ipanema in Panoramaformat
So werden Bikinis verkauft
Ein paar Kuriositäten:
Duschlittfasssäule und Rudersimulator
Ein Caipi an der Copacabana
Daniela und Paolo und Esther mit Rudolf

Muito obrigado und herzlichen Dank !!!

Blick auf Rio von der Vista Chinesa aus
Nein, kein UFO, sondern das Museum of Contemporary Art in Niteroi
   
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