50. REISEBERICHT: 7.10.-31.10.2004

Von Rio de Janeiro nach Florianopolis

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Von Rio geht es für eine Woche rauf nach Buzios. Einerseits ein Surf- und Windsurfmekka, andererseits eine Schickimicki Badedestination à la Saint Tropez mit einem schmucken Fussgängerviertel, schönen Läden und gediegenen Restaurants. Wir hängen in unserem Appartement herum (Willi, nochmals herzlichen Dank), zmörgeln ausgiebig und glotzen DVD's bis tief in die Nacht rein.
Knapp bevor wir viereckige Augen kriegen, ziehen wir der Küste entlang weiter nach Saõ Paulo. Die Strasse windet sich entlang der zerklüfteten Küste und bietet Blicke auf wunderschöne Strände auf der einen Seite der Strasse und wilden Urwald auf der anderen Seite. Als visuellen Höhepunkt haben die Planer in eine der schönsten Buchten ein Kernkraftwerk gesetzt.
Paraty ist ein schönes Kolonialstädtchen, das früher der Haupthafen war, um das Gold das im 1000km entfernten Ouro Preto geschürft und mittels Maultieren hierhin gebracht wurde, nach Europa zu bringen. Die Maultierkolonnen brauchten für diese beschwerliche Strecke zwischen ein bis drei Monate.
Auf der Fahrt von der Küste nach Saõ Paulo kommen wir durch ein riesiges Industriegebiet mit rauchenden und stinkigen Schloten und der fallende Regen versetzt uns so richtig in Endzeitstimmung. Diese Stimmung wird nicht sonderlich aufgehellt, als wir in der Betonwüste der Vorstädte herumgurken und das Stadtzentrum suchen. Zum Glück können wir an einer Kreuzung von einem fliegenden Händler eine Stadtkarte kaufen und endlich gezielt ins Zentrum steuern.
Hier können wir unseren Landy auf einem bewachten Parkplatz stehen lassen und können auch gleich drin übernachten. Tags darauf setzen wir zum Sigthseeing an und erkunden das Fussgängerzentrum, entdecken ein progressives Shoppingcenter in dem  diverse Plattenläden (vor allem Heavy Metal) und Tattoo-und Piercingshops die ziemlich schräge Klientele anlocken. Anschliessend schlendern wir der Avenida Paulista, der Hauptstrasse Saõ Paulos, mit seinen modernen Bürotürmen entlang und durch das schicke Einkaufs- und Restaurantviertel. Weiter geht es ins japanische Viertel, wo wir uns mit Sushi, Wontong und anderen Leckereien eindecken. Saõ Paulo hat mit über zwei Millionen Japanern, die grösste Kolonie ausserhalb Japans.
Zusammenfassend können wir sagen, dass Saõ Paulo auf den ersten Blick eine hässliche Grossstadt ist, doch auf den zweiten Blick entdeckt man schöne Wohnquartiere, schicke Einkaufsläden und excellente internationale Restauraunts und auf den dritten Blick ist man fasziniert von der kulturellen Vielfalt und der multikulturellen Bevölkerung.
Zum Abschluss unseres Saõ Paulo Aufenthalts können wir noch einen Blick in die Landroverfabrik werfen, wo die Defender für den brasilianischen Markt produziert werden. Wir haben uns nicht angemeldet, sondern klopfen einfach an der Fabriktüre an und fragen, ob wir eine Besichtigung machen können. Klaro, kein Problem, ist die Antwort und wir werden durch die kleine Fabrik geführt. Das Material wird von England importiert und pro Woche werden in gemütlichem Tempo drei Fahrzeuge montiert.
Nach Durchfahrt durch etliche Vorstädte verlassen wir die 20 Millionen Metropole mit Kurs auf Süden. Auf der Strecke nach Curitiba machen wir noch einen Abstecher in die Caverna de Diabo und sind absolut hingerissen. Ein solch faszinierende Tropfssteinhöhle haben wir bisher noch nie gesehen. Mehrere riesige Räume mit extrem langen Stalagmiten, einfach unglaublich!!!
Curitiba hat scheinbar die höchste Lebensqualität in ganz Südamerika und es ist wirklich sehr sauber und wirkt sehr sicher. Was uns dazu verleitet, unseren Landy am Abend unbewacht auf der Strasse stehen zu lassen und für eine Stunde ins Internet zu gehen. Als wir zurückkommen und den Schlüssel ins Schloss stecken, passt er nicht rein und siehe da, die Türe ist offen. Verdattert schauen wir ins Auto rein, doch nichts fehlt. Offensichtlich hat jemand das Schloss aufgebrochen, doch als er die Türe öffnen wollte, wurde er von der Alarmanlage verscheucht. Da haben wir ein Riesendussel gehabt, können aber das Schloss auf der Fahrerseite nicht mehr benutzen. Ansonsten haben wir Curitiba schnell gesehen: Aussichtsturm, Fussgängerzone und das moderne Museum von Oscar Niemeyer. Wir übernachten in einem ruhigen Wohnquartier im Auto und nächstentags geht es weiter nach Blumenau.
Blumenau wurde 1859 von deutschen Einwanderern gegründet und feiert jedes Jahr ein Oktoberfest, das dem Müncher Original in nichts nachstehen soll. Auf der Suche nach einem Camping, werden wir von einem deutschsprechenden Polizist auf den Campingplatz gelotst und die Reparatur des Schlosses in der Fahrertüre können wir auch in deutsch absolvieren. Hier laufen auch viele blonde Frauen und Männer herum und Petr fällt gar nicht gross auf.
Die Stimmung in der Nacht ist ausgelassen, es gibt einen 1-Liter-Bier Saufwettbewerb, wobei die Siegerin 22 Sekunden und der Sieger 8 Sekunden benötigen, um das Bier runterzuschütten. Aus "Anton aus Tirol" wird "Alemaõ aus Blumenau" und die Menge johlt voll mit. Das Bier wird zwar nur in Plastikbechern ausgeschenkt, dafür gibt es ein deutsches Buffet mit Eisbein, Kartoffelsalat und Sauerkraut.
Weiter geht es nach Pomerode, einem kleinem Städtchen das 1861 ebenfalls von Deutschen gegründet wurde und in dem noch unzählige Fachwerkhäuser mit wunderschön herausgeputzten Vorgärten und den dazugehörigen Gartenzwergen stehen.
Die 600 km nach Foz de Iguacu sind kurzweilig und führen durch hügelige Landschaft, die intensiv bewirtschaftet wird. Als wir am Abend in die Stadt reinkommen, öffnet der Himmel seine Pforten und wir müssen für einige Minuten bei der Tankstelle stoppen, da wir uns wie unter Wasser fühlen und nichts sehen. Tags darauf ist das Wetter immer noch besch.... und wir machen ein gemütlichen Ruhetag in der Jugendherberge. Am Montag haben wir endlich Sonnenschein und absolvieren zuerst die Führung zum Itaipu-Staudamm. Hier steht das grösste Wasserkraftwerk der Welt mit einer Leistung von 14 Gigawatt. Der Staudamm ist 200 Meter hoch und 2km breit und 18 Generatoren mit je 780kW liefern die Energie. Mit dem Tourbus fahren wir unten an der Staumauer vorbei und danach über diese wieder zurück. Ein gewaltiger Anblick!
Wir nutzen das gute Wetter und besichtigen anschliessend die Iguazu Wasserfälle von der brasilianischen Seite. Von hier haben wir einen guten Überblick und können uns auf einer der Plattformen in die Gischt des Wasserfalls stellen und uns durchnässen lassen.
Nächstentags fahren wir auf die argentinische Seite rüber. An der Grenze wollen sie uns zuerst nicht reinlassen, weil wir vorne kein Nummernschild haben. Zur Erklärung: Damit die Schilder nicht abmonitert werden,  fahren wir seit zwei Jahren vorne ohne Nummernschild herum und das hintere ist hinter der Heckscheibe aufgeklebt und vom Reserverad so gut abgedeckt, dass man es fast nicht sieht. Bisher hatten wir keine Probleme damit, doch der hiesige Zöllner lässt uns erst rein, als wir ihm hoch und heilig versprechen, wenn wir definitiv nach Argentinien einreisen, ein Schild vorne zu montieren. Mal schauen. Ansonsten geht die Aus- und Einreise problemlos und schon sind wir in Argentinien.
Von der argentinischen Seite her kommt man auf Stegen viel näher an die Wasserfälle ran und steht vor den donnernden Wassermassen die sich in die Tiefe stürzen. Wir sind überwältigt und laufen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und lassen dieses einmalige Naturschauspiel auf uns einwirken. Als Höhepunkt haben wir die Garganta de Diablo zum Schluss aufgespart. Mit einem langen Steg gelangt man bis an den Wasserfall und wird Zeuge wie sich das Wasser explosionsartig über die Kante ergiesst. Fast eine Stunde stehen wir auf der Plattform und können uns nicht hinreissen wegzugehen.
Am nächsten Tag geht es zum Shopping nach Paraquay rüber. Ciudad del Este ist eine Zollfreizone und man kriegt die neueste Elektronik zu einem Spottpreis und die Auswahl ist riesig. Ein Beispiel: Von Guatemala bis Brasilien haben wir keine Unterwassergehäuse für Digitalkameras gesehen und hier gibt es Geschäfte, die für fast alle Kameras Gehäuse im Schaufenster haben !!! Die Stadt selber ist dreckig und wir sind froh als wir wieder ins saubere Brasilien zurückkommen.
Nach dem Iguacu-Abstecher geht es wieder zurück an die Küste. Wir nehmen die südlichere Route durch Santa Catharina und machen noch einen kleinen Umweg über Treze Tilias (Dreizehnlinden). Ein kleines Dorf, das 1933 von Einwanderern aus Tirol gegründet wurde. In der Tat fühlen wir uns in unser östliches Nachbarland versetzt und gönnen uns eine hausgemachte Portion Gulasch, mit Semmelspeckknödel und Sauerkraut und als krönenden Abschluss noch Strudel mit handgeschlagenem Rahm. Welch Schlemmerei für insgesamt nur 10 Fränkli !!!
Die Fahrt der Küste entlang führt durch hügelige Landschaft, die von Familienbetrieben bewirtschaftet wird und wir fühlen uns wie zu Hause im Fricktal, nur ist dieses Tal hier 500km lang und weniger dicht besiedelt.
Spät abends kommen wir in Florianopolis an und können bei Carolina und Peter, die hier die Racletterie Suisse betreiben, übernachten und schlagen uns nächstentags zusammen mit Nicole und Jörg, die wir in Iguacu kennengelernt haben, die Bäuche mit exquisitem Raclette voll.
Die Isla Catharina hat über fünfzig Strände, von denen viele zum Surfen und Kiten geeignet sind. Doch das Wasser ist soooo kalt, dass uns die Lust am Kiten vergeht. Es ist schon ein Krux, wenn man so verwöhnt ist vom warmen Wasser, will man gar nicht mehr in den Neopren steigen.

Das wär's mal wieder von uns, sind immer noch gesund und munter, haben die zwischendurch aufgetretene Reisemüdigkeit mit munterem Gekeife besiegt und freuen uns wieder auf neue Erlebnisse.

Ciao, ciao a todos
 

Auf dem Weg nach Buzios
In Buzios
Welch Frühstücksbuffet
Buzios entzückt Männlein wie Weiblein
Traumstrand bei Cabo Frio. Der Name entspricht der Wassertemperatur
Linha Verde zwischen Rio und Saõ Paulo
In Paraty
Im Küstenurwald treffen wir auf Michael aus Deutschland, der mit seinem Drahtesel unterwegs ist
Es geht rein nach Saõ Paulo
Die Navigatorin in vollem Einsatz

Eindrücke aus Saõ Paulo

Mal bei Regen, mal bei Sonne, mal bei Nacht

In Japan Town
Im Landrover Werk
In der Caverna de Diabo
Nachdem Esther vorletzte Ostern einen kleinen Hasen verkarrt hat, musste diesmal ein Vogel dran glauben. Fortsetzung folgt ...
(solange es kein Elefant ist ....)
In Curitiba:

Oper und Museum

Vor den Polizeistationen türmen sich zur Abschreckung die Unfallwracks
Unterwegs nach Blumenau
Blumenau
Brasilianer im Oktoberfestrausch
In Pomerode

Itaipu Staudamm
Einige der über hundert geschossenen Fotos von den Iguacu Wasserfällen

Hier von der brasilianische Seite her gesehen

und hier von der argentinischen
Nicole und Jörg unterwegs in Südamerika mit einer Africa Twin
Nein, ein Nutellandia gibt es nicht, dafür ein Cafelandia
Im brasilanischen Tirol
Bei Knödel und Gulasch ist die Welt in Ordnung
Weiter geht es nach Florianopolis
Sandboards auf der Isla Santa Catarina und Kiter in der Lagune
Carolina und Peter von der Racletterie Suisse

Nochmals herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft !!!

Endlich mal wieder ein richtiges Raclette
   
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