55. REISEBERICHT:   7.12.2004 - 1.1.2005

Von der Peninsula Valdes nach Ushuaia

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nach den tollen Erlebnissen, die wir mit den Walen hatten, ging es zu einem weiteren animalischen Höhepunkt: zur Magellanpinguin Kolonie in Punta Tombo. Hier leben an die 300'000 dieser kleinen Tierchen, watscheln herum, fischen, spielen im Wasser und wir können uns völlig frei zwischen ihnen bewegen. Die Tiere haben keine Angst vor Menschen und glotzen uns mit einer Mischung aus Neugier und Argwohn an. Doch das Beste ist, dass die Viecher ein ohrenbetäubendes Geschrei veranstalten. Und das Tag und Nacht. Neuankommende Autos werden von den Pinguinen sofort gründlich inspiziert und gleich versuchen einige sich einen netten Nistplatz unter unserem Landy zu bauen. Beim Abfahren muss dann der Parkranger kommen und die Tiere, die ein Riesengezetter ablassen, unter dem Auto hervorholen.
Wir machen einen kleinen Zwischenstop im paläontologischen Museum in Trelew, das weltweit eine der grössten Sammlungen an Dinosaurierskeletten besitzt. Fasziniert schauen wir diese Riesen an und sind froh, dass sie nicht mehr lebendig herumrennen.
Gaiman, soll gemäss Reiseführer ein schönes Städtchen sein, das von ausgewanderten Walisern gegründet worden ist. Na, ja, irgendwie haben wir den Reiz nicht so recht entdeckt und machen uns nun an die erste Durchquerung Argentiniens auf der Ruta 25. Eigentlich haben wir eintönige Pampa erwartet, doch werden wir von einer faszinierenden Wüstenlandschaft verzaubert und wähnen uns eher irgendwo in Arizona oder Utah.
Weiter geht es Richtung Süden auf der Ruta 40. Bald endet der Asphalt und der Schotter beginnt, der für die nächsten 1'500km unsere Unterlage sein soll. Wir übernachten am Lago Buenos Aires. Es ist wunderschön warm und windstill und wir geniessen den Sonnenuntergang. Doch um ein Uhr in der Frühe werden wir erbarmungslos von der patagonischen Realität eingeholt. Der Wind ballert mit böigen 6-8 Windstärken über den See und lässt uns im Dachzelt hin- und herschaukeln. Das Zeltgestänge hat keine Probleme mit dem Wind, doch das Tuch flattert herum und wir versuchen mit Ohrstöpseln noch ein wenig Ruhe zu finden.
Gerädert fahren wir weiter zur Cueva de las Manos, wo wir in einem abgelegenen Flusstal 10'000 Jahre alte Felszeichnungen bestaunen können. Neben Jagdszenen, sind viele Hände (jaaaa, daher der Name!!!) in verschiedenen Farben abgebildet. Echt faszinierend!
Weiter geht es nunmehr durch eher langweilige Pampa zum Abzweiger zum Perito Moreno Nationalpark. 100km schottrige Stichstrasse führen uns zum abgelegensten Nationalpark Argentiniens. Im Park selber fühlt man sich wirklich am Ende der Welt: Ein paar Ranger, zwei Schafzüchter, hunderte von Guanacos, ein paar Kondore und rundherum nur Berge und Seen. Leider hat es nur wenige Wandermöglichkeiten. Daher erklimmen wir nur einen kleinen Berg, geniessen die wunderschöne Rundumsicht und trotzen dem stürmischen Wind. Eher enttäuscht fahren wir wieder zur Hauptstrasse zurück und von dort weiter nach El Chalten. Die Schotterstrasse ist grösstenteils in passablem Zustand und wir können mit 80 Sachen drüberhobeln. Der Spurwechsel hingegen ist nicht immer einfach zu bewerkstelligen, da richtige Schotterwülste zu überqueren sind.
Wir kommen in El Chalten an, dem Ausgangsort für Wanderungen zum Cerro Torre und Fitz Roy. Auf dem Campingplatz hat es schon andere Reisende aus Europa, die mit Auto, Motorrad oder Fahrrad unterwegs sind und die auch auf gutes Wetter hoffen, um ein paar Blicke auf die imposanten Felsspitzen zu erhaschen.
Da wir immer noch Muskelkater haben von unserer letzten Wanderung (was sind wir doch für Weicheier geworden !!!) machen wir einen Autoausflug zum Lago Desierto. Ein schöner Bergsee, ein paar Gletscher rundherum, ein kleiner Spaziergang und wir fahren zufrieden mit unserem Tagewerk in den Camping zurück.
Tags darauf gilt es ernst und wir latschen zur Laguna Cerro Torre rauf. Die Wanderung ist nichts Besonderes, der Cerro Torre in Wolken, doch dafür bläst uns der Wind fast wieder den Hang hinunter. Wir spielen mit dem Wind herum und bemitleiden all die Wanderer, die hier oben ihr Zelt aufschlagen müssen.
Die nächsten zwei Tage regnet es und wir verbringen diese Weihnachtsmails schreibend in einem warmen Restaurant. Dort treffen wir auf eine 6-köpfige Schweizer Expedition, die sich aufmacht, den Fitz Roy zu bezwingen, toi toi toi!
Am nächsten Morgen ist uns das Wetter hold und wir können sogar den Cerro Torre sehen, der sich normalerweise immer in Wolken hüllt. Wir brechen zur Laguna de los Tres auf, um endlich den Fitz Roy aus nächster Nähe betrachten zu können. Der Weg führt durch abwechslungsreiche Landschaft und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke auf den Fitz Roy. Nach dreieinhalb Stunden sind wir bei der Lagune, die in einem faszinierenden Blauton vor uns schimmert und können den imposanten Fitz Roy und danebenliegenden Poincenot bestaunen, herrlich!!!
Nach fast einer Woche verlassen wir El Chalten und fahren nach El Calafate und von hier aus weiter zum Glaciar Perito Moreno, der einer der wenigen Gletscher weltweit ist, der noch wächst. Immer wieder fallen Eisstücke oder gar ganze Eiswände unter ohrenbetäubendem Lärm ins Wasser. Wir bleiben fast drei Tage da, bewundern das Spektakel und spekulieren selbstverständlich herum, welcher Eisklumpen wohl als nächstes abstürzen wird. Natürlich geht das grösste Getöse dann los, wenn wir uns umdrehen und zum Auto laufen, doch das gehe scheinbar allen so, die den Gletscher beobachten. Auf dem Parkplatz treffen wir auf Heide und Marion, die mit ihrem grossen MAN-Lastwagen unterwegs sind. Die beiden Frauen sind pensioniert, haben den Lastwagen nach ihren Wünschen ausstatten lassen und reisen nun nach Lust und Laune herum. Geniesst es !!!
Von El Calafate geht es wieder mal auf Asphalt (ach, welch Erholung) weiter nach Süden. Um nach Feuerland zu gelangen, muss man durch Chilenisches Staatsgebiet fahren und es steht mal wieder ein Grenzübergang an. Doch die Grenzer sind sich die ausländischen Touris schon gewohnt und der ganze Grenzübertritt geht schnell über die Bühne. Dann geht es auf die Fähre und wir schippern rüber nach Feuerland. Hier wechselt die Landschaft von flach zu hügelig und bringt ein wenig Abwechslung.  Abwechlung bringt auch das Abschleppen eines Amis mit seinem VW-Bus, in die über 100km entfernte nächste Stadt, da es ihm den Motor verblasen hat.
Kurz vor Ushuaia, wird die Landschaft bergig und erinnert uns stark an die Schweiz. Nach 873 Tagen on the road, treffen wir in der südlichsten Stadt der Welt ein und haben ein weiteres wichtiges Etappenziel unserer Reise erreicht. Junge, junge, wie die Zeit vergeht. Vor eineinhalb Jahren waren wir am nördlichsten Punkt unserer Reise in Inuvik und jetzt sind wir ganz auf der anderen Seite des Amerikanischen Kontinents. 65'000 km haben wir seither zurückgelegt und insgesamt schon an die 120'000 km abgespult. Ist doch schon was, gelle?
Wir lassen uns im Camping Club Andino nieder und treffen endlich Susanne und Michel wieder, mit denen wir letztes Jahr Weihnachten in Yucatan gefeiert haben. Wiedersehen macht Freude !!!
An Weihnachten organisiert der Camping ein grosses Asado und mit mehr als dreissig anderen Reisenden feiern wir eine gemütlichen Heilig Abend. Die nächsten Tage verbringen wir vor allem damit, mit den anderen Reisenden herumzuquatschen. Daneben checke ich den Landy durch, während Esther das Tagebuch nachführt.
Wir machen einen Ausflug zur Estancia Harberton und weiter zur Estancia Moat, dem wirklich südlichsten Punkt, der angefahren werden kann. Die Strecke führt vorbei am Beagle Canal und eröffnet schöne Ausblicke auf die gegenüberliegenden Inseln und verschneite Berge. Zu allem hin können wir noch einem Seelöwenpaar beim Herumturteln zuschauen.
Als weiteren Ausflug geht es in den Nationalpark Lapataia wo wir einige Biberdämme bestauen können. Die Tiere wurden früher mal ausgesetzt, vermehrten sich mangels Feinden excellent, knabbern jetzt alle Bäume ab und setzen das ganze Gebiet mit ihren Dämmen unter Wasser.
Die Tage sind herrlich lang, Sonnenaufgang um die 5:00 und Untergang gegen 22:30, doch dunkel wird es erst knapp vor Mitternacht. Dafür sinkt das Thermometer in der Nacht locker auf 3-5°C.
Silvester ist wieder im Andino, wo sich mittlerweile eine rechte Horde an Reisenden eingefunden hat und für eine feuchtfröhliche Stimmung sorgt.
Unglaublich, schon wieder ist ein Jahr vorbei! Viele Länder durchreist, viele neue Menschen kennengelernt und so viele tolle Erlebnisse gehabt. Wir sind gespannt, was denn das Jahr 2005 bringen wird. Wir kommen !!!
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Im Paläontologischen Museum in Trelew
Ein Grössenvergleich
Na, ist das ein Knochen!
In der Magellan Pinguinkolonie in Punta Tombo
Hier mit Nachwuchs ...
... und hier bei der gründlichen Begutachtung unseres Landys.

 

Alles ok, könnt weiterfahren

Video: Pinguin schreit

Ach, wer hätte das gedacht ?
Quer durch Argentinien Richtung Esquel
Solche Kapellen trifft man überall. Vor allem die Lastwagenfahrer beten hier für eine gute Strecke, keine Plattfüsse, etc.
Am Lago Buenos Aires. Aufgenommen bei ziemlicher Windstille. In der Nacht hat der Wind dann ziemlich aufgefrischt
Der Schotter beginnt
Alleine unterwegs auf der Ruta 40
Wildpferde und Guanacos in der Pampa
In der Cueva de los manos

Im Nationalpark Perito Moreno
Am Lago Burmeister
Windkanaltest
Unterwegs zum Cerro Torre und Fitz Roy
jaaaaa, wir kommen immer näher ran ...
Hier der Fitz Roy mal fast ohne Wolken ...
... in der Mitte der Cerro Torre ...
... und hier mal beide zusammen
An der Laguna del Torre, bei ziemlichem Sturm
Eines der vielen süssen Häuschen in El Chalten
Wir kommen dem Fitz Roy immer näher
Geschafft: Wir sind an der Lagune de los Tres

 

 

Poincenot (3104m)

 

Poincenot (links) und Fitz Roy (3405m)

Hier das Base Camp der Schweizer Expedition
Hoppla, da war auf einmal das Vorderrad weg
Glaciar Perito Moreno
Heide und Marion unterwegs mit ihrem MAN Lastwagen
Ab geht's nach Feuerland
Abendstimmung in Feuerland
Die letzten Kilometer vor Uhsuaia
Geschafft, wir sind in Ushuaia
Weihnachten 2004
Im Presidio, dem ehemaligen Gefängnis in Ushuaia
Auf dem Weg nach Estancia Moat
Wiedersehen mit Susanne und Michel
Die Touri-Eisenbahn im Nationalpark
Auf dem Camping Andino und Blick auf den versammelten Fuhrpark
Impressionen vom Silvester 2004
   
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