56. REISEBERICHT:   1.1.2005 - 29.1.2005

Von Ushuaia nach San Carlos de Bariloche

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Wurde wieder an der Zeit uns zu melden, nicht wahr?
Wir sitzen schon seit einer Woche in San Carlos de Bariloche fest und warten auf Ersatzteile, da es uns das Ausgangslager im Getriebe zerbröselt hat. Zum Glück haben wir hier eine Landroverwerkstatt gefunden.
Doch nun zuerst Mal zu unseren Erlebnissen vor Bariloche.
Nach dem feuchtfröhlichen Silvester war erst Mal ausschlafen angesagt, noch ein wenig herumschwatzen und am 2. Januar geht es dann nach langem Verabschiedungszeremoniell wieder los nach Norden. Im schönen Punta Arenas machen wir kurz Zwischenhalt und feiern Esthers Geburtstag in einem kleinen Park mit wunderbarer Meersicht, bei Lachs und Champagner.
Weiter geht es zum Nationalpark Torres del Paine. Von anderen Reisenden haben wir mitbekommen, dass er für das Gebotene völlig überteuert ist (20CHF pro Person). Daher entschliessen wir uns auf einer Seitenstrasse so nah wie möglich an den Park zu fahren, ein paar Fotos zu schiessen und dann wieder zurückzufahren. So holpern wir denn auf der Schotterstrasse Richung Park und sind gemäss GPS nur noch etwa 12km von der Parkgrenze entfernt, als uns ein Schild mit der Aufschrift Camino Cerrado entgegenprangt. Und da wir mit unseren bescheidenen Spanischkenntnissen beim besten Wille nicht erraten können, was uns dieses Schild sagen will, fahren wir weiter ;) Die Strasse wird immer ruppiger, überall stehen Baumaschinen herum, teilweise sind schon die Sprenglöcher gebohrt. Gegen Schluss sind wir nur noch im Geländegang und nähern uns immer mehr dem Park. Nach ein paar weiteren Kilometern kommen wieder solche komischen Schilder, die wir ignorieren, fahren über eine Brücke und .... sind im Park. Völlig verblüfft schauen wir uns an und wissen gar nicht so recht wie uns geschehen ist.
Wir fahren am Abend noch schnell zur Laguna Grey und verschlaufen uns dann auf einem Hotelparkplatz, wo wir im Auto übernachten. Am nächsten Morgen will Esther schon wieder unbedingt raus aus dem Park, da sie Angst hat, dass man uns erwischt, doch ich kann sie zu einer Wanderung zu den Torres überreden. Der Weg ist ganz schön, der letzte Aufstieg ganz schön steil und schon stehen wir vor den Torres bei wunderbarstem Wetter. Sind schon schön, doch der Ausblick auf den Fitz Roy ist imposanter. Dafür ist die Fahrt durch den Park Torres del Paine wunderschön.
Nach der Wanderung kam dann die Herausforderung: wir mussten wieder aus dem Park rauskommen. Beim Reinfahren muss man sich registrieren mit Passnummer etc. und beim Rausfahren ebenfalls, sonst geht die Kette nicht auf. Hmmm, wie machen wir das? Zuerst wollen wir uns an ein paar andere Autos ranhängen und rausdüsen, doch es hat fast keinen Verkehr und daher verwerfen wir diesen Plan und fahren zum anderen Parkeingang. Dort sondieren wir mittels Feldstecher die Lage und als wir keine Kette sehen, rollen wir mit einem freundlichen Winken am Rangerhäuschen vorbei, yeahh, geschafft!
Weiter geht's wieder nach El Calafate und von dort wieder auf der Ruta 40 Richtung Norden. Beim wunderschönen Lago Posadas machen wir noch einen Abstecher zum Refugio San Lorenzo, wo es Thermalquellen geben soll. Haha, vom Hospedaje aus müsste man noch etwa 6 Stunden zu den Quellen latschen, auf was wir dankend verzichten. Dafür ist die Aussicht auf den See wunderschön.
Durch vulkanisch bunte Gegend geht es zum südlichsten Passübergang auf die Carretera Austral, dem Passo Roballos. Nach holpernder Strecke erreichen wir das kleine Dörfchen Cochrane. Das Wetter schlägt um, es ist bewölkt und bald beginnt es zu regnen. Welch Empfang!
Die Caretera Austral wurde zwischen 1973 und 1986 unter Pinochets Diktatur entlang der Argentinischen Grenze aus militärischen Gründen durch absolutes Niemandsland erbaut. Wälder, Seen, Berge und Gletscher und dazwischen eine Schotterpiste auf einer Länge von über 1200km.
Auf dem Weg runter nach Villa O'Higgins nehmen wir noch zwei Schweizer Trekkerinnen mit, die von dort aus mit der Fähre weiter nach El Chalten gelangen wollen. Die Rucksäcke schmeissen wir aufs Dach und staunen selber nicht schlecht, dass die beiden hinten im Landy noch Platz haben.
In Villa O'Higgins spürt man noch richtigen Pioniergeist. Man stelle sich das mal vor: Erst 1999 wurde die Strasse hier runter fertiggestellt. Vorher war dieses kleine Dörfchen nur mit dem Flugzeug oder per Wanderung von Argentinien aus zu erreichen. Es hat kleine Tante Emma Läden, die von Essen, über Kleider und Elektrozubehör alles Mögliche anbieten. Ein paar kleine Herbergen und Restaurants und das wars.
Das Wetter ist uns freundlich gesinnt, es ist nur bewölkt, regnet nicht und wir kriegen sogar einige der umliegenden Berge und Gletscher zu Gesicht.
Auf dem Weg nach Norden, machen wir einen Abstecher nach Tortel, welches erst 2003 ans Strassennetz angeschlossen wurde. Es ist ein kleines Dörfchen, das am Ende eines Fjordes abenteuerlich in die steilen Hänge gebaut worden ist. Mittels Holztreppen- und Stegen sind die Häuser untereinander verbunden.
Die gesamte Caretera Austral führt durch wunderschöne Berglandschaften und immer wieder eröffnen sich atemberaubende Ausblicke auf Berge, Gletscher und im nördlichen Teil sogar Fjorde. Wie die Schweiz, nur ohne Bevölkerung und Besiedlung.
Leider macht sich hier unser Getriebe mit immer lauterem Rattern im 5. Gang bemerkbar und wir machen uns ernsthaft Sorgen, ob wir es wohl noch zu einer Landrover-Werkstatt schaffen.
In Coyhaique kriegen wir die Info, dass es ein englisches Unternehmen gibt, das Landrover einsetzt. Das Unternehmen ist Raleigh-International, eine Wohltätigkeitsorganisation, die hier Outdoor-Aktivitäten mit Hilfsprojekten verbindet. Sie können uns zwar nicht helfen, dafür laden sie uns zu einem prächtigen Grillabend ein, ein nettes Trostpflästerchen, herzlichen Dank!
Vorbei am Rio Futaleufu, einem Raftingparadies erster Güte, fahren wir wieder rüber nach Argentinien. Dort bleiben wir ein paar Tage im schönen Los Alerces NP und erholen uns von der Fahrerei der letzten Tage.
Vor Bariloche übernachten wir an einem schönen Bergsee und werden dort von Birgit und Udo überrascht, die sich unbemerkt an uns rangeschlichen haben. Die beiden haben wir in Ushuaia kennengelernt und unsere Wege werden sich sicher noch ein paar Mal kreuzen.
Nach Bariloche fahren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl, hatten wir doch von anderen Reisenden gehört, dass immer wieder Touristenautos aufgebrochen und ausgeraubt würden. Doch hier soll endlich eine Landrover-Werkstsatt geben. Nach kurzer Suche finden wir die Landrover-Werkstatt und der Besitzer versichert uns, dass das Auto bei ihm absolut sicher sei und die Besorgung  der Ersatzteile kein Problem darstelle. Tja, das war vor über einer Woche.
Da wir nicht in der Werkstatt übernachten durften, haben wir uns im nahegelegenen Campingplatz eingemietet. Zum Glück haben wir noch unsere gesamte Trekkingausrüstung dabei und sind somit auch ohne Auto überlebensfähig.
Der Ausbau des Getriebes geht schleppend voran: Zuerst muss der Unterboden gereinigt werden, doch alle Waschanlagen besetzt. Gut, dann eben am nächsten Tag. Bis Freitagmittag wird der Landy gewaschen und danach geht die Auseinandernehmerei los. Ich beobachte die beiden Mechaniker und schaue ihnen auf die Finger, dass sie nichts kaputt machen oder verlieren. Am Montag heben wir zu dritt das Getriebe raus und nachdem das Getriebe auseinander gebaut wurde, erkennen wir die Ursache des Ratterns: Das Lager der Ausgangswelle sieht ziemlich übel aus.
Der Garagenbesitzer meint, es sei kein Problem die Lager und Simmerringe hier zu erhalten. Nach einigen Telefonen hin und her, realisiert er, dass es wohl doch nicht so einfach ist und die Teile aus Buenos Aires bestellt werden müssen. Am Mittwoch wird bestellt und mittels Kurier sollen die Teile innert 20 Stunden hier sein. Pustekuchen!!!
Jeden Tag radeln wir vom Camping in die Werkstatt um zu erfahren, dass die Teile noch nicht angekommen sind. Mittlerweile ist Samstagmittag und die Teile sind immer noch nicht angekommen. Doch am Montag werden sie sicher hier sein. Mal schauen!
Esther hatte dafür Zeit, unsere gesamte Reiseroute bis nach Bolivien durchzuplanen und ich konnte noch ein paar Kleinigkeiten (Wasserfilter reinigen, Wassertank abdichten, etc) am Landy erledigen.
In der Zwischenzeit kennen wir Bariloche wie unsere Westentasche. Ist unglaublich touristisch, vor allem Einheimische, die wegen der Pesoschwäche nicht mehr ins Ausland in die Ferien gehen können, verbringen hier ihre Sommerferien. Bariloche wird auch die Schweiz Argentiniens genannt und es ist was dran. Ein schöner See, rundherum weissbezuckerte Berge, saftig grüne Wälder und eine Unmenge an Schokoladenproduzenten. Selbst in der Schweiz trifft man nicht auf eine solche Fülle von Konfisserien, die Schokolade verkaufen. Doch von Sommer keine Spur. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es angenehm warm, doch am Abend und in der Nacht sinkt das Thermometer immer noch locker auf 4-6°C. Und das soll Sommer sein?
Ach ja, wir hatten noch einen erwähnungswürdigen Zwischenfall beim Optiker Filipini. Esther ging in den Laden um ihr Gestell richten zu lassen, da es lose war. Der gute Mann hat die Brille schön ausgeglüht, was die Antireflexbeschichtung nicht so gut vertrug und trübe wurde. Der Volltrottel von Optiker fühlt sich nicht verantwortlich, es sei nicht seine Schuld, wir hätten ja nichts bezahlt für diesen Service, blablabla und wir sollen doch bitte den Laden verlassen. Esther will ihm an die Gurgel springen und ich überlege mir schon, welches seiner optischen Geräte ich ihm zertrümmern soll, als wir uns zu einer friedlicheren Lösung entschliessen und ihn die Polizei rufen lassen. Nach ein paar Minuten kommen zwei Beamte vorbei und nehmen die Tatsachen auf. Sie meinen, sie könnten leider nichts machen, doch wenn wir Anzeige erstatten, hätten wir vielleicht eine Chance. Wir verlassen den Saftladen und gehen schnurstracks zur Polizei. Mit dem hat wohl der Möchtegernopti nicht gerechnet und zwanzig Minuten später steht er vor Wut bebend in der Polizeistation. Dem Beamten tischt er eine andere Story auf, er hätte den Schaden ja gut machen wollen, doch wir hätten keine Zeit gehabt etc. und labber labber. Ich stelle die Situation klar und der Polizeibeamte versucht den Augenklempner davon zu überzeugen es wäre doch besser uns etwas zur Wiedergutmachung zu offeriern. Zähneknirschend willigt er ein und wir können bei ihm ein Paar Kontaktlinsen abholen. Macht den Schaden an der Brille zwar nicht wieder gut, doch wenigstens kommt er nicht ungeschoren davon!
Am Montag sollten die Teile eintreffen und dann können wir, wenn alles gut geht, bis Mittwoch wieder weiterfahren.
Wir lassen uns überraschen.
(Fortsetzung folgt!)

Eines der schönen kolonialen Gebäude in Punta Arenas
Esther feiert ihren Geburtstag.
So haben die Indianer bis Ende des 19. Jahrhunderts gelebt
Diese Riesenfaultiere (ja, das im Hintergrund !!!) lebten bis vor 10'000 und wurden bis zu 4 Meter hoch
Auf zum Hintertürchen des Torres del Paine Nationalparks
Im Torres del Paine
Esther in Aktion
Wieder in Argentinien auf dem Weg nach Norden
Detailaufnahme des Untergrunds, der unsere Reifen und Fahrzeug martert
Am Lago Posadas
Auf der Suche nach den Thermalquellen
Weiter geht es zum Passo Roballos
Holzhäuser in Cochrane
Weiter geht es nach Villa O'Higgins, dem südlichsten Ende der Carretera Austral
Céline und Maja mit Sardinenfeeling
Villa O'Higgins, das wirkliche Ende der Welt
Fähre von Puerto Yungay nach Rio Bravo
Impressionen vom südlichsten Ende der Austral
Tortel
Eindrücke von der Fahrt entlang der Carretera Austral nach Norden
Diese Riesen-Rhabarber wachsen entlang der ganzen Strasse
Coyhaique Downtown. Mit 50'000 Einwohnern, die grösste Stadt an der Austral
Alison von Raleigh International

Thanks a lot Ali for your hospitality!!!

Es wird immer noch gebaut. Die chilenische Regierung will in den nächsten Jahren die gesamte Strecke asphaltieren.
In Puyuguapi, einem 300-Seelendorf, das vor dem 2. Weltkrieg von Sudetendeutschen gegründet wurde und wo heute noch an Webstühlen von Hand Teppiche geknüpft werden.
Der Übergang von der saftig grünen, chilenischen Seite in die argentinische, trockene Pampa ist offensichtlich.
Im Los Alerces Nationalpark
Kurz vor Bariloche
In Bariloche: Touristen und Schokolade
Wir hatten das Glück und konnten einer lokalen Windsurfregatta beiwohnen.
Der Wind hat mit 6-8 Windstärken geballert, Lufttemperaturen um die 10°C und die Wassertemperatur nicht viel höher.
Unser Plätzle im Camping
Ja wo ist denn das Getriebe?
Während wir auf die Teile warten können viele andere nützliche Dinge erledigt werden. Unter anderem die Reiseroute planen und auch mal die Bikes wieder auf Vordermann bringen
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