58. REISEBERICHT:   15.2. - 5.3.2005

im chilenischen Seengebiet

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Da wir auf die neuen Simmerringe warten müssen, entschliessen wir uns, für zwei Wochen die chilenische Seenregion zu bereisen und dann nach Bariloche zurückzukehren und die neuen Simmerringe einzubauen. Es tut gut, wieder mal unterwegs zu sein und nicht nur in Bariloche herumzuhängen und uns mit dem Garagisten herumzuärgern.
Die Ausreise nach Chile dauert fast 1.5 Stunden, da wir nicht die einzigen sind, die über die Grenze wollen. Erstaunlich ist, dass die Einheimischen für ihre Fahrzeuge den gleichen Papierkram zu erledigen haben wie wir.
Hinter der Grenze gehen die Anden ins Flachland des chilenischen Seengebietes über und bald sehen wir am Horizont den schneebedeckten Gipfel des Vulkans Osorno. Ein skuriller Anblick: im Vordergrund ein Szenerie, die an die Schweiz erinnert, mit Seen, Wäldern, friedlich weidenden Kühen und im Hintergrund der perfekte Konus des Vulkans.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommt die erste Ernüchterung: Vom angeblich reichen Chile ist es hier in der Region wenig zu spüren. Es wird ausschliesslich Landwirtschaft betrieben, dazwischen kleine Dörfchen, mit einfachen Holzhäusern, Traktoren sind eher rar gesäht, dafür begegnen uns immer wieder Ochsengespanne.
Die zweite Ernüchterung folgt, als wir nach fast einer Stunde keinen Schlafplatz finden können. Das Land ist eingezäunt und überall prangen Schilder mit der Aufschrift "Privat, Betreten verboten". Hmmm, wird nicht einfach werden. Doch nach einiger Suche, finden wir doch noch einen gemütlichen Schlafplatz am See.
Entlang dem Lago Llanquine fahren wir durch kleine Dörfchen und schöne Städtchen, die im letzten Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet wurden.Wir haben das Gefühl, die Uhr sei hier stehengeblieben und wir fühlen uns in der Tat in diese Zeit zurückversetzt. Im Vordergrund der schöne See und Kirchen im Schwarzwaldstil und im Hintergrund der Vulkan Osorno. Kitschiger geht's nicht mehr.
In Puerto Montt besuchen wir den Fischmarkt und kommen aus dem Staunen nicht raus, was hier an verschiedenstem Meeresgetier aus den Fluten rausgezogen wird. Mit Anschauen ist es natürlich nicht getan und wir bestellen uns einen gemischten Teller mit allerlei unterschiedlichsten Meeresspezialitäten, welcher eine schon lange nicht mehr dagewesene Herausforderung für unsere Geschmacksnerven darstellt. Anschliessend kaufen wir noch ein Kilo geräucherten Lachs für umgerechnet 4 CHF und wollen schon weiterziehen, als uns Corinna und Roger, die wir in Ushuaia kennengelernt haben, aus einem Restaurant  entgegenwinken. Wir verabreden uns, beim Refugio des Vulkans Osorno auf 1100M.u.M. zu übernachten, machen noch eine kleine Rundfahrt durch die Stadt, die sonst nicht viel zu bieten hat, wie eigentlich alle Städte, die wir hier in der Seenregion besucht haben und fahren Richtung Vulkan.
Oben angekommen erkundigen wir uns bei der Parkaufsicht, ob es möglich sei, ohne Bergführer den Vulkan zu besteigen. Die Antwort ist ja, aber man brauche Pickel, Steigeisen, Klettergurt und Seil. Da wir nur ersteres haben, erkundigen wir uns weiter, wir hoch wir aufsteigen dürfen ohne Seil. Hier kriegen wir eine Absage, wir dürfen nicht aufs Schneefeld und falls wir überhaupt eine Wanderung machen wollen, müssten wir nun unsere Pickel und Steigeeisen abgeben, damit wir nicht in Versuchung kommen auf dem Gletscher herumzukraxeln. Das ist uns doch ein wenig zu viel der Bevormundung und wir verzichten auf eine Wanderung. Dafür geniessen wir einen wundervollen Sonnenuntergang, schlemmen den Lachs und plaudern mit Corinna und Roger bis tief in die Nacht hinein, bis es uns draussen zu kalt wird und wir uns in die Schlafsäcke verkriechen.
Nächstentags brechen wir gemeinsam auf, um noch den nördlichsten Teil der Careterra Austral zu absolvieren. Sanfte Fjordlandschaft, einfache Dörfchen mit süssen Holzhäuschen und Lachszucht kennzeichnen diese Landschaft. Zufälligerweise können wir einem lokalen Rodeo beiwohnen, das eher durch Tierquälerei als durch die sportliche Note besticht. Tja, andere Länder andere Sitten.
Bei Entre Lagos trennen sich unsere Wege wieder und wir fahren Richtung Valdivia, das gemäss Reiseführer ein schmuckes Städtchen sein soll. Keine Ahnung wo das Schmucke sein sollte, dafür kriegen wir einen Tip in der Touriinfo, dass in Liquiné günstige Thermen sein sollen.
Die Thermalbäder hier darf man nicht vergleichen mit den Erlebnisbädern, wie wir sie von der Schweiz her kennen, doch es macht richtig Spass sich draussen mit heissem Schlamm vollzupappen, danach im heissenWasserfall abzuduschen und anschliessend in rustikalen Holzbotichen herumzuliegen. Das aus der Erde kommende Wasser ist fast 80°C heiss und muss abgekühlt werden, sonst fühlt man sich wie ein Hummer.
Vor dem Frühstück gibt es noch ein Morgenbad und schon geht es weiter Richtung Villarica, mit Aussicht auf See und gleichnamigen Vulkan.
Kommen wir zur dritten Ernüchterung hier in Chile: Alles ist verdammt teuer. Die Nationalparkeintritte sind hoch und die Campingplätze hier in Chile bieten herzlich wenig Infrastruktur, doch dafür glänzen sie mit Wucherpreisen und verlangen bis zu 30 Franken pro Stellplatz. Darauf steigen wir sicher nicht ein und finden nach zäher Suche immer wieder einen idyllischen Schlafplatz u.a. hoch über dem Lago Colico.
Als absolutes Highlight erweist sich der Besuch des Nationalparks Conguillio in dem der Vulkan Llaima steht, der zu den aktivsten in Chile zählt. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir übers Lavafeld hoch und finden zwischen bizarren Lavaformationen einen schönen Platz. Bei einem kurzen Rundgang durch die Schuttkegel, einem Blick rauf auf den Vulkan und der Erkenntnis, dass Vollmond ist, kann ich Esther dazu begeistern, einen Aufstieg auf den Llaima bei romantischem Vollmond zu wagen. Wir sind auf 1400 Metern Höhe und müssen auf 3100 Meter rauf. Wir rechnen mit etwa 6-7 Stunden Aufstieg und beschliessen um Mitternacht loszulaufen. Nachtessen, kurz noch auf den Vordersitzen dösen und los geht's. Anfangs ist der Weg mit Pfosten markiert und dank Vollmond ganz gut erkennbar. Es ist schon ein faszinierendes Gefühl durch diese Landschaft zu wandern, überall hat es schwarze Schutthügel, Lavaformationen und weit hinten leuchten die Schneefelder des Llaima. Wie auf einem anderen Planeten. Nach dreieinhalb Stunden sind wir beim Schneefeld angelangt, wobei wir die letzte Stunde mehr rutschend und stolpernd als gehend durch pulvriges Lavagestein unterwegs sind.
Wir ziehen die Steigeisen an, packen die Pickel aus und los geht's auf festem Untergrund zum Gipfelsturm. Der Vulkan wird immer steiler und steiler und wir müssen uns teilweise mit den Frontzacken und dem Pickel raufarbeiten. Die Gletscherspalten können wir zum Glück auf Lavagestein umgehen, da wir am Rand des Schneefeldes aufsteigen.
Um 6:00 erhebt ein zarter rosa Schimmer im Osten, doch wir haben immer noch über 400 Höhenmeter vor uns. Links, rechts, Pickel, links, rechts, Pickel, geht es bergauf. Die letzten 100 Höhenmeter können wir die Steigeisen abziehen und es geht über loses Geröll. Um 8:30 ist es geschafft: Wir sind auf 3125 Metern Höhe, haben vor uns die wunderbare Aussicht und hinter uns den Vulkanschlot, der immer wieder bedrohlich grummelnd ein Schwefelwölkchen ausstösst.
Wir bleiben über eine Stunde auf dem Gipfel, ruhen uns aus und geniessen den einmaligen Rundumblick.
Runter geht es bedeutend schneller, da wir auf dem Geröll runterrutschen können. Da uns mittlerweile das Wasser ausgegangen ist, stürzen wir uns auf das erste Rinnsaal am Fusse des Gletschers und geniessen das kühlende Nass. Nach vier Stunden Abstieg haben wir diese "romantische" Besteigung hinter uns. Müde, doch stolz es geschafft zu haben.
Am Grenzübergang nach Argentinien, haben wir zum erstenmal unser Gemüse und Früchte nicht sonderlich gut versteckt (es darf nichts eingeführt werden!) und prompt kommt der Zöllner mit dem Hund vorbei. Zum Glück ist das Tier ein Junkie und interessiert sich nur für Drogen und kümmert sich nicht um unser Gemüse, uffff, Schwein gehabt.
Hinter der Grenze ist es wieder einfach schöne Schlafplätze zu finden und zwei Tage später fahren wir wieder in Bariloche ein.
Natürlich fahren wir zuallerst in der Werkstatt vorbei um anzukündigen, dass wir wieder zurück seien und wann denn der tropfende Simmerring ersetzt werden könne. Jaaaa, kein Problem, wir sollen am Donnerstag vorbeikommen. Am Donnerstagmorgen stehen wir vor der Werkstatt und es wird uns mitgeteilt, dass noch ein anderes fertig repariert werden müsse, doch am Freitag können wir loslegen. Ich rufe am Donnerstagabend an und es heisst, dass sie gerade eben ein Spezialwerkzeug nicht haben und wir sollen doch am Dienstag wieder vorbeikommen. Es ist nicht zu glauben, wie uns dieses Riesenarsch von Garagenbesitzer (die Leserschaft möge mir diesen Ausdruck verzeihen, doch wir sind soooooo am Kochen, dass dies schon ein sehr milder Ausdruck ist) veräppelt und auflaufen lässt. Drei geschlagene Wochen warten wir schon auf diese Garantiereparatur und weit und breit keine Aussicht, dass sie erledigt wird. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hat er noch nicht mal die Ersatzteile bestellt.
Wir werden noch einmal beim Konsumentschutz vorstellig, schildern die Situation, vielleicht kann dort der Anwalt für uns etwas machen. Wir werden per email benachrichtigt werden, welchen Ausgang unser Fall genommen hat. Doch wir haben endgültig die Nase voll und nicht mehr die Nerven dafür, hier noch länger auszuharren, schliesslich sind wir ja schon am 21.1.2005 hier in Bariloche angekommen.
So werden wir eben den Simmerring anderswo ersetzen lassen müssen und nochmals dafür bezahlen. Eine Reiseerfahrung mehr !
Dafür gibt es auf dem Campingplatz ein schönes Wiedersehen:
Zuerst treffen wir hier Tanja und Adi wieder, mit denen wir schon an Weihnachten bis in den Morgen hinein geplaudert haben und diesmal wird es noch später und erst um 6:00 verkriechen wir uns ins Dachzelt.
Zwei Tage später gesellen sich noch Corinna und Roger hinzu und einen Tag später trudeln noch Dorrit und Coen ein und bei einem deftigen Grillabend mit viel Fleisch und Wein, aber ohne Gesang, werden natürlich die seit Ushuaia gemachten Reiseerfahrungen intensiv besprochen.

Weiter geht es bei uns endlich Richtung Norden, Mendoza, Santiago und vieles mehr wartet noch auf uns.

Hasta Luego!
 

Vulkan Osorno im Hintergrund
Typisches Bild in Chile
Puerto Octay
Osorno schon mal näher
Typischer Baustil entlang der Seenregion
Am Fischmarkt in Puerto Montt
Auf dem Vulkan Osorno
Nördlichster Teil der Careterra Austral
Rodeo in Ralun
Ziel ist es, das Kalb mit den Pferden auf den gepolsterten Rand zu legen
Da die Tiere viel zu klein und schwach waren und sich die Reiter an einem Gurt mit zwei Griffen festhalten konnten, war es ein leichtes, die Oberhand zu behalten.
Wieder mal der Osorno im Hintergrund
Die einzige schöne Strasse in Valdivia ...
... und der Fischmarkt
Typische Häuserfront
Am Wasserfall Huilo Huilo
Badeplausch in Liuiné
Lican Ray
Vulkan Villarica
Üblicher Willkommensgruss in Chile
Brombeeren gibt es hier in Hülle und Fülle
Erste Etappe zum Vulkan Llaima
Zweite Etappe zum Llaima

Geschafft !!!
Runter geht' viel leichter
Jaaaa, dort oben waren wir
Ein Landy steht im Walde ...
Araucarienwald
Mädchen verkaufen am Strassenrand Araucarienzapfen, die man essen kann
Durch trockene Gegend wieder zurück nach Bariloche
Grillmeister Adi
Wiedersehen macht Freude
Letzter Reisebericht Seitenanfang Nächster Reisebericht