59. REISEBERICHT:   5.3. -12.4.2005

Von Bariloche über Santiago, Mendoza, La Serena zurüch nach Santiago

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Uiuiuiui, wie die Zeit vergeht, soooo vieles schon in der Zwischenzeit gesehen und erlebt und noch gar keine Zeit gehabt alles niederzuschreiben, ehrlich ;)
Wir heizen gerade die 500 km von La Serena nach Santiago zurück und endlich komme ich mal dazu einen neuen RB zu tippseln. Die Autobahn ist wie leergefegt, Esther musste auf der ganzen Strecke etwa fünf Autos überholen. Das nennt man entpannendes Langstreckenfahren.

Doch zuerst mal der Rückblick:
Von Bariloche aus rollen wir zwei Tage durch trockene Steppenlandschaft und machen auf dem Pass Maule einen Abstecher zu den Thermen Cajon Grande. Auf 2000 Metern Höhe, mit einer super Aussicht auf die umliegenden Berge sitze ich fast zwei Stunden im heissen Wasser und lese, während Esther es vorzieht im Trockenen das Tagebuch nachzuführen.
Auf der chilenischen Seite vorbei an der wunderschönen Laguna de Maule ins fruchtbare Valle Central südlich von Santiago, in dem das Hauptanbaugebiet des chilenischen Weins liegt. Jaaaaa, endlich können wir mal den chilenischen Wein degustieren. Die Vorfreude wird schon bei der ersten Weinkellerei jäh zerstört, als uns die chic gekleidete Dame mitteilt, dass eine Führung und die Verkostung EINES (In Zahlen: 1) Weines mit der läppischen Summe von 8 Fränkli zu Buche schlägt. In der nächsten Weinkellerei verlangen sie sogar 12 Franken. Die sind ja voll bescheuert !!! Trockenen Gaumens fahren wir weiter.
In Santiago angekommen, machen wir uns sofort zur Schweizer Schule auf, wo Esther einen Schulbesuch absolvieren kann. Hier lernen wir Antonia kennen, die uns spontan für den nächsten Abend zum Abendessen einlädt und den Reigen toller Bekanntschaften, die wir hier machen, anführt.
Wir können problemlos auf dem Parkplatz des Schweizer Clubs, der an die Schweizer Schule angrenzt, übernachten und starten von hier aus unsere Streifzüge durch die Stadt. Doch es ist nicht nur süsses Sigthseeing angesagt, sondern eine ganze Pendenzenliste gilt es abzuarbeiten, zweieinhalb Jahre Reisesalltag fordern ihren Tribut: neue Zusatzbatterie kaufen, Dieselpumpe für den Zusatztank ist defekt und muss ersetzt werden, neue Reissverschlüsse für die Abdeckplane des Dachzelts müssen ran, der Reserveradhalter hat durch die Vibrationen feine Risse im Heck unseres Landys verursacht und muss fixiert werden, Ölfilter etc. für die Wartung kaufen, Offerten für die Verschiffung nach Australien müssen eingeholt und die Flüge organisiert werden, Visavorschriften bei der australischen und neuseeländischen Botschaft angefragt werden, etc. etc. etc.
Wenn man zu Hause ist, ist das eine Kleinigkeit. Man weiss meistens, wo man was auftreiben kann oder zumindest wer einem weiterhelfen kann. Hier irren und organisieren wir wie die Irren eine Woche lang herum bis wir unsere Liste abarbeiten können. Doch zum Glück hat es hier so viele gute Schweizer Seelen, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Erich und Hanspeter fixieren den Reserveradhalter und stocken unseren Weinkeller auf, Martin erstellt uns eine Offerte für die Verschiffung, Lisa und Thomas laden uns zum Nachtessen ein, Theo, der unsere Homepage schon eine Weile verfolgt lädt uns zu einem Schwatz ein und schenkt uns einen Toaster, bei der Garage Suiza können wir unsere neue Zusatzbatterie in Ruhe einbauen und die ganze Zeit können wir beim Club Suizo stehen. Einfach fantastisch, so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in dieser konzentrierten Form ist uns noch nie widerfahren, herzlichsten Dank an alle !!!
Als Tüpfelchen auf dem i erhalten wir von Landrover Schweiz den Bescheid, dass sie die Kosten für die missratene Getriebereparatur in Bariloche vollumfänglich auf Kulanz übernehmen, also wenn das nicht super ist?
Die Stadt selber bietet keine aussergewöhnlichen Highlights, sie ist modern, hat viele neue und architektonisch interessante Wolkenkratzer, oder sollte man eher sagen Smogkratzer? Hinzu kommt ein beschauliches Fussgängerviertel, eine lebendige Markthalle und bei schönem Wetter ist die Aussicht vom Cerro San Cristobal auf die schneebedeckte Andenkette und die Stadt sehr eindrücklich. Santiago ist einer der grünsten Grossstädte, die wir bereist haben. Die Strassen sind gesäumt mit Bäumen und jedes Häuschen hat seinen kleinen gepflegten Garten. Die Menschen sind freundlich, gepflegt und eher konservativ angezogen, modische Extravagen sucht man vergeblich.
Nach zehn Tagen verabschieden wir uns und ziehen weiter nach Valparaiso. Ganz anders ist hier die Atmossphäre. Im Vergleich zu Santiago ist alles verlotterter, schmuddeliger, ärmer, alte Gebäude mit abblätterndem Verputz überall. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und schlendern mit Begeistrung durch die engen Gässchen und lassen uns von den klapprigen Aufzügen in die Höhe bringen, von wo wir eine tolle Aussicht auf die Stadt und Hafen haben.
Wir lassen Valpo hinter uns, fahren noch einmal nach Santiago, kaufen hier die Wartungsteile für den Landy, wechseln die Lagerbuchsen UND die Schrauben für die Hinterradaufhängung, da in Panama nur die Buchsen gewechselt wurden, welche schon wieder ausgeschlagen sind, treffen zufälligerweise noch einmal Antonia und Theo, verabschieden uns definitiv von den beiden (hihi) und fahren endlich Richtung Mendoza.

Die Strasse windet sich in engen Serpentinen auf über 3'200 Meter Höhe und nach dem dunklen und stinkigen Gipfeltunnel fahren wir noch die alte Schotterstrasse rauf auf den 3863 Meter hohen Passo Sistema Cristo Redentor (das ist ein Name, gelle!). Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die von vulkanischem Auswurf bunten Hänge und im Hintergrund lässt sich der Aconcagua, mit 6959 Metern höchste Berg ausserhalb des Himalayas, blicken. Ein kleiner Spaziergang lässt und die Höhe ganz schön spüren.
Vor Mendoza geht es über den Passo Caracoles und den ehemaligen Thermen von Villavicencio durch wunderschöne Landschaft endlich nach Mendoza. Es ist Ostern und ganz Mendoza scheint sich aufgemacht zu haben diesen Pass mit Fahrrad oder Auto zu bezwingen. Ein uns entgegenkommender Fahrschüler kommt ganz schön ins Schwitzen, als er kurvenschneidend auf unserer Fahrbahnseite zu stehen kommt und wahrscheinlich zum ersten Mal den Rückwärtsgang benutzen muss.
Mendoza ist ziemlich ausgestorben, die meisten Läden geschlossen, ausser einem trendigen Friseurladen, in dem wir uns beide verschönern lassen (Esther hatte es weniger nötig als ich) und geniessen den Bummel durch die breiten, mit Bäumen gesäumten Alleen. Auf dem Camping treffen wir auf Maria und Fritz und Michelle und Reto, die wir schon früher getroffen haben. Erstgenannte sind ein wahrer Fundus an Informationen über die uns noch erwartenden Streckenabschnitte und bis tief in die Nacht wird erzählt und diskutiert. Am nächsten Tag statten wir zwei Weingütern noch einen Besuch ab. Es sind beides durchindustrialisierte Grossbetriebe mit dem Motto Quantität statt Qualität. Dafür müssen wir nichts zahlen, so wie sich eigentlich auch gehört.
Auf dem Weg nach Norden fahren wir kilometerweise an Rebstöcken vorbei, dafür stellt sich das Valle Fertil als überaus trockene Steppenregion heraus, nix fruchtbar.
Im Parque Ischigualasto können wir in einem geführten Konvoi im eigenen Fahrzeug durch bizarre Felsformationen durchfahren und erfahren viel über die Geschichte dieser faszinierenden Landschaft. Ein eindrückliches Erlebnis.
Am Abend wollen wir eigentlich noch in den Nationalpark Talampaya weiterfahren, doch wen entdecken wir als weissen Punkt aus der Steppe herausleuchten? Evi und Michi, die wir in Ushuaia kennengelernt haben, welch Überraschung ! Natürlich bleiben wir bis lang in die Nacht auf und fahren eben am nächsten Tag zum Nationalpark. Dieser erscheint uns stark überteuert, die Fotos vom Park enttäuschen uns eher und so fahren wir eben weiter, man muss ja nicht alles anschauen.
Wir wollen über den Pass Agua Negra rüber nach Chile, die beiden weiter nach Norden, doch sie stürzen ihre schöne Planung um und schliessen sich uns an. Und sie sollten es nicht bereuen.
Durch faszinierende Landschaft schrauben wir uns immer höher und höher und haben nach fast vier Stunden Fahrzeit den 4'765 Meter hohen Passübergang erreicht. Zum Vergleich: der Gipfel des Montblanc ist nur ein paar Meter höher und wir sind hier mit unseren Fahrzeugen oben.
Auf dem Pass juckt es mich in den Zehen, lade das Mountainbike vom Dach runter, packe mich warm ein und düse in wildem Downhill auf 3500 Meter runter. Wo sonst kann ich von solcher Höhe runterradeln? Die Landschaft sieht aus, als hätte ein Riese mit buntem Sand Hügel afgeschüttet, einfach fantastisch.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz, verlieren wir uns trotz modernster Hilfmittel wie Funkgerät und GPS. Wir entdecken aber hoch über dem Tal ein schönes Plätzle von wo aus der Empfang besser ist und Evi und Michi finden uns zu guter letzt doch noch.
Tags darauf steht ein Abstecher ins Valle del Elqui, dem Hauptanbaugebiet des chilenischen Nationalgetränks Pisco an. Es ist unglaublich, wir befinden uns mitten in einer trockenen, öden Gegend, doch dank ausgeklügelter Bewässerung und 360 Sonnentagen gedeihen hier neben Trauben auch Papayas, Feigen, Datteln etc. unglaublich! Beim Besuch eines Weingutes und einer Pisceria erfahren und erkosten wir einiges, hicks, über die Gegend. Zur Info: Pisco ist ein aus süssen Muskatellertrauben gewonnener Weinbrand, der vor allem als Pisco Sour mit Zitronensaft und geschlagenem Eiweiss getrunken wird, lecker, schmecker!!!
Nach all dem süssen Nichtsgetue der letzten Monate steht wieder mal Action an. Der Stausee Puclaro soll Chiles bestes Windsurf- und Kitegebiet sein. Die Statistik spricht für sich: 350 Tage mit über 4 Windstärken. Infrastruktur hat es keine, da der Wasserspiegel ziemlich tief ist, ist der Boden hart, mit scharfen Steinen und Ästen übersäht und nicht gerade kitefreundlich, doch der Wind macht alles wett: Um 10:00 beginnt sich die Wasseroberfläche zu kräuseln und ein halbe Stunde später, läuft der Windmotor auf vollen Touren. Es tut echt mal wieder gut auf dem Wasser herumzutoben. Drei Tage bleiben wir hier, tagsüber kiten und am Abend steht zusammen mit Evi und Michi Schlemmen und Wein- und Piscovorratvernichten an.
Die beiden ziehen nun doch noch dem Norden entgegen (wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!) und wir machen uns auf den Weg nach ...
Santiago!!!
Ich habe ein starke Vermutung, was das Gepfeife in unserem Getriebe sein könnte: Der Volltrottel von Mechaniker hat, obwohl ich ihn darauf hingewiesen habe, das Spiel im Getriebe weder ausgemessen noch eingestellt, dadurch das Gepfeife. Da haben wir in Bariloche ja voll in die Sch... gelangt: Ein betrügerischer Garagenbesitzer und zwei unfähige Mechaniker !!!
Wir haben die Simmerringe und nötigen Lager jetzt bei Landrover Schweiz bestellt und diese haben sie uns per FedEx kostenlos zugeschickt, das nennen wir doch genialen Kundendienst. Herzlichen Dank !!!

Mittlerweile sind wir schon eine Woche hier in Santiago, das Getriebe haben wir auseinandergebaut, alles gereinigt, kontrolliert und durchgemessen. Nun sind wir beim korrekten Spiel einstellen und hoffen in den nächsten Tagen den Zusammenbau abgeschlossen zu haben und endlich mal wieder unbeschwert weiterreisen zu können.

Antonia und Theo haben uns ihre Gastfreundschaft angeboten und wir können schon seit einer Woche bei ihnen wohnen. Herzlichsten Dank !!!

Das wärs mal wieder von uns, demnächst gibt es News, ob unser Getriebe immer noch pfeift.

Hasta Luego !

Leinen los, es geht nach Norden !
Idylischer Schlafplatz in der Steppe
Auf dem Weg zum Passo Pehuenche
In den Thermen von Cajon Grande
Auf dem Passo Pehuenche
Im Valle Central. Weinreben wohin der Blick schweift
In der Schweizer Botschaft erhalten wir Post von zu Hause. Herzlichen Dank !!!
Typisches Bild in Chile: Schüler in Uniformen
Das moderne Santiago
In der Markthalle
Aussichtsberg Santa Lucia und Ausflugsbus
Bei Antonia und Theo
Vom Cerro San Cristobal haben wir eine super Aussicht auf die Stadt und die verschneiten Anden
Bei Lisa und Thomas
Besuch in der Schweizer Schule
Theo mit Tochter und Enkelsohn
Mit Erich und Hanspeter nach vollbrachter Reserveradhalterreparatur
Zwei Pädagoginnen unter sich
Hernan, der es uns ermöglichte im Club Suizo zu übernachten
Valparaiso, das abenteuerlich in die Hänge reingebaut ist und von uralten, verlotterten Aufzügen oder steilen Strassen durchkreuzt wird
Jaaa, Reissverschluss reparieren macht einen Riesenspass !!!
Hoch über Las Docas mit herrlicher Aussicht aufs Meer
Gleich neben Valparaiso, der mondäne Badeort Viña del Mar
Schlafplatz am Strand von ConCon
Auf dem Weg nach Mendoza
Auf dem Passo Sistema Cristo Redentor
Imposant thront er vor uns: Der Aconcagua
Verfallene Thermen bei Puente del Inca

Herrlich, so ein heisses Fussbad

Hoch über Mendoza
Lauschige Baumalleen, gemütliche Strassencafés und wilde Grillorgien, hier gefällt es uns
Esther beim Figaro
Beim Weindegustieren
Argentinische Grillspezialitäten
Beim Wallfahrtsort der Difunta Correa, der Schutzheiligen aller Reisenden. Viele hängen hier Autonummern, Steueräder, Fotos ihrer Angehörigen etc. auf.
Im Provinzpark Ischigualasto
Mit Volldampf auf den Passo Agua Negra
Von Wind und Sonne bizarr geformte Eisnadeln
Ha, bin ja nicht doof! Rauf mit dem Auto und runter auf dem Bike.

(Fauler Sack würden es andere nennen, Anmerkung von Esther)

Noch ein paar Impressionen mehr vom Agua Negra.

Wir waren echt überwältigt.

Ziegenhirte. Von den Gesichtszügen eher ein Mongole als Südamerikaner
Gemütlicher Übernachtungsplatz hoch im Seitental
Im Valle Elqui
Piscobrennerei
Mit Evi und Michi bei der Pisco-Degustation
Am Kiten auf dem Stausee Puclaro
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