60. REISEBERICHT:   4.4. - 29.4.2005

Von Santiago über Salta nach San Pedro de Atacama

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Aus den geplanten 2-3 Tagen für die zweite Getrieberevision wurden fast zwei Wochen, da Andres, der Werkstattbesitzer alles sehr genau nimmt. Wir nehmen das Getriebe komplett auseinander, reinigen alles und müssen das Spiel der einen Welle um 1/10mm ausgleichen. In der Schweiz kein Problem, man bestellt bei Landrover die entsprechende Unterlagsscheibe und schon hat man's. Doch hier irren wir einen ganzen Nachmittag herum, um etwas ähnliches zu finden. Da wir nicht fündig werden, kaufen wir ein 1/10mm Stahlblech und schneiden daraus die entsprechende Scheibe raus.
Am Donnerstag können wir das Getriebe endlich einbauen, lassen den Motor an und ...
 ...SCH... !!!..es tropft !!!
Also nehmen wir am Freitag das Reduktionsgetriebe noch einmal runter und stellen fest, dass zwei Schrauben noch mit Dichtmasse abgedichtet werden müssen und dass eine Undichtigkeit beim Reduktionsgetriebe besteht.
Am Samstag machen wir zusammen mit Andres eine ausgedehnte Probefahrt in die Skigebiete oberhalb von Santiago. Er mit seinem kleinen Suzuki Vitara und wir hintendrein mit unserem frisch revidierten Landy. Die Ausfahrt war super, doch ziemlich ernüchternd: Das Getriebe pfeift zwar schwächer, aber immer noch und tropfen tut es auch noch. Tja, c'est la vie. Jetzt fahren wir solange, bis es uns das Getriebe zerbröselt und bauen dann ein Austauschgetriebe ein. Wir hoffen nur, dass dies erst in der Schweiz sein wird.
Am Abend lädt uns Andres zum Nachtessen ein und am nächsten Tag können wir Santiago endgültig verlassen.
Die ganze Zeit über konnten wir bei Antonia und Theo bleiben und wurden von ihnen aufs Beste verwöhnt: Wir konnten gemütlich im Gästezimmer logieren, jeden Morgen stand das Frühstück schon auf dem Tisch und am Abend wurden wir aufs Feinste bekocht. Herzlichsten Dank Antonia und Theo für Eure tolle Gastfreundschaft !!!
Nachdem wir schon wieder fast zwei Wochen verloren haben, gilt es diese wieder aufzuholen. Mit Vollgas düsen wir nach Copiapo und nehmen dort den Passübergang San Francisco nach Argentinien. Die Schotterstrasse steigt steil an und bald sind wir auf dem Altiplano mit knappen 4'000 Metern Höhe. Die Landschaft ist wiederum trockene, faszinierende Bergwüste. Wir übernachten auf 3'800 Metern Höhe und beim morgendlichen Startvorgang bei -7°C schickt unser Landy wunderschöne schwarze und graue Rauchringe aus dem Auspuff raus. Weiter geht es durch die unendliche Weite des Altiplanos.Wir machen noch einen Abstecher zum Ojos de Salado, mit 6893 Metern Höhe, der höchste Vulkan weltweit. Der Reiz dieses Abstechers besteht darin, dass ein Schotterweg bis zum zweiten Refugio auf 5760m führt. Hier hat Volkswagen mit einem Touareg den Höhenweltrekord für Motorfahrzeuge aufgestellt und da müssen wir natürlich auch hin. Der Weg windet sich durch faszinierende Landschaft immer höher und nach einer knappen Stunde sind wir beim ersten Refugio auf 5260m. Von hier aus wird es verdammt steil und sandig und auf 5380 Metern müssen wir kapitulieren: Der Weg ist zu sandig, die Räder drehen durch und trotz erneuter Druckreduktion in den Reifen, kommen wir mit unseren über 3 Tonnen an dieser Sandpassage nicht vorbei.
Auf der argentinischen Seite ist die Strasse asphaltiert und wir vernichten die ganze Höhe im Schnellzugstempo. Die Landschaft ist immer noch trockene Wüste, doch in Cafayate wird Wein angebaut und da machen wir natürlich einen kleinen Zwischenstop. Der Wein ist ok, doch es hat zu viele Touris und wir suchen uns einen ruhigen Schlafplatz ausserhalb der Stadt.
Nach der Durchfahrt durch die fantastische Quebrada de las Conchas ändert sich das Landschaftsbild schlagartig: Es ist saftig grün und es wird Tabak, Mais und vieles mehr angebaut.
Salta hat den Beinamen die Schöne, was uns ein wenig zu hoch gegriffen scheint. Die Plaza mag ja schön sein, doch der Rest haut uns nicht aus den Socken und so schlendern wir ein wenig enttäuscht durch die Strassen und verlassen die Stadt tags darauf Richtung Viadukto Polvorillo, einer Brücke, die zur Zugsstrecke von Salta über die Anden nach Antofogasta gehört. Die Brücke ist auf 4200M.ü.M., 62 Meter hoch und auf den ersten Blick eigentlich nichts Besonderes, doch der Blick von der Brücke runter ist noch beeindruckend.
Von hier geht es weiter übers Altiplano, über viele Serpentinen runter nach Purmamarca. Das Dörfchen ist schön gelegen, doch voll auf Touristen ausgerichtet, aber es gibt schöne Sachen aus Lama- und Alpacawolle zu kaufen.
Durch die schöne Quebrada de Humahuaca fahren wir schnell durch und düsen nachmittags schon Richtung Passo Jama.
Es geht wieder unzählige Serpentinen von 2300 auf über 4200 M.ü.M. rauf und danach vorbei an grossen Salzseen und durch trockene Wüstenlandschaft zum argentinischen Zoll, den wir um 18:00 passieren. Noch eine Stunde Tageslicht, das sollte reichen um wieder in tiefere Lagen für einen bequemen Schlafplatz zu kommen., denken wir. Die Strasse will nicht sinken und mittlerweile ist auch schon dunkel geworden. So fahren wir in einen Austellplatz und wollen dort übernachten, damit wir die chilenische Seite des Passes bei Tageslicht absolvieren können. Doch die Temperatur ist mittlerweile schon auf -3°C gesunken und wir haben Bedenken, dass die Wasserfilter einfrieren könnten. So fahren wir denn wieder los, um tiefer zu kommen, doch anstatt tiefer zu kommen, steigt die Strasse immer weiter an und leichter Schneefall setzt ein. Die Strasse steigt und steigt und aus dem Schneefall ist ein ausgewachsener Schneesturm geworden. Auf 4'800 Metern Höhe passieren wir drei Lastwagenfahrer, die im Schnee steckengeblieben sind und suchen uns im Schritttempo den Weg durch die Schneeverwehungen. So fahren eine gute Stunde auf über 4'700 Metern Höhe, bis es 40km vor San Pedro de Atacama in die Tiefe runter geht. Hier erleben wir ein schauriges Spektakel. Ein Gewitter tobt über dem Tal und entlädt sich. Wie in einem Panoramakino sitzend, können wir diesem Naturschauspiel beiwohnen, wie links und rechts von uns die Blitze mit gewaltiger Wucht in den Boden einschlagen. Um 22:00 haben wir es endlich geschafft. Wir sind wieder auf 2'350 Metern Höhe und haben einen sicheren Schlafplatz gefunden. Im Nachhinein erfahren wir, dass dies die richtige Entscheidung gewesen ist, da der Pass anschliessend drei Tage lang gesperrt war, Glück gehabt.
Am nächsten morgen fahren wir nach San Pedro de Atacama rein und welch Überraschung: Willy und Claas, die wir in Ushuaia getroffen haben, sind hier und kurze Zeit später gesellen sich noch Evy und Michi hinzu. Schön, dass wir sie trotz zweiwöchiger Zwangspause in Santiago doch noch eingeholt haben. Das Dörfchen ist sehr touristisch und bietet ausser einer kleinen Kirche und einem interessanten Museum herzlich wenig.
Mit Evy und Michi nehmen wir tags darauf die Strecke zu den El Tatio Geysiren in Angriff. Nach kurzer Fahrt teilt uns ein Pickupfahrer mit, die Strecke sei wegen zu viel Schnee nicht passierbar. Nach dem Motto never trust a local, wollen wir es trotzdem versuchen und fahren durch wunderschön verschneite Berglandschaft weiter. Es hat immer mehr Schnee auf dem Weg und kurze Zeit später bleiben wir in einer Schneeverwehung stecken. Mit vereinten Kräften haben wir den Landy aber schnell wieder ausgebuddelt und begeben uns zu Fuss auf die Suche nach einem möglichen Weg. Wir haben uns schon eine mögliche Passage ausgesucht, als Michi eine kurze Probefahrt den Hang rauf macht und freudig feststellt, dass der Boden super griffig ist und wir hier weiterfahren können, yeppeee. Tiefschneefahren mit dem Landy steht an, ein Riesengaudi. Kurze Zeit und einige spannende Passagen im Schnee später, stehen wir glücklich, es geschafft zu haben, an den Geysiren und sind eher ernüchtert. Ein paar Pools aus denen Wasserdampf steigt, bei anderen blubbert und köchelt es, doch sonst nichts. Unser Reisebuch vertröstet uns aber auf den Morgen, dort soll es bei Sonnenaufgang ein Riesenspektakel geben. So stürzen wir uns in den Heisswasserpool, was sich aber nicht als allzu entspanndend erweist, da das Wasser schlecht gemischt ist und wir mal halb erfrieren, um kurz darauf wieder fast verkocht zu werden.
Die Nacht auf 4'320 Metern und -11°C überstehen wir bis auf leichte Kopfschmerzen problemlos und stehen schon um 6:30 für das Spektakel bereit. Es dampft aus allen Ritzen und Wasserlöchern, doch das versprochene Schauspiel, mit hoch spuckenden Geysiren, bleibt aus.
Ziemlich enttäuscht fahren wir über eine abenteuerliche Strecke nach Calama weiter, um dort die grösste offene Kupfermine der Welt zu besichtigen. Die Besichtigung ist eine Farce, wir werden zum Rand der Mine gefahren, schauen ins Loch runter, wo die riesigen Muldenkipper ihre bis zu 370 Tonnen Erz raufkarren und fahren wieder zurück. Das war's.
Zurück in San Pedro machen wir noch einen kurzen Ausflug ins Valle de la Luna, welches schön ist, uns aber nicht aus den Socken haut. Ob wir wohl schon übersättigt sind?

Weiter geht es mit Evi und Michi nach Bolivien, durch wunderschöne Berglandschaft, vorbei an bunten Lagunen mit Flamingos, dazwischen äsende Lamas und Vicuñas, zum Salar de Uyuni, auf welchem wir zur Zeit stehen. Es ist fantastisch mitten in dieser riesigen, weiss gltizernden Salzwüste zu stehen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht ;)

Hasta pronto !

Mit Antonia und Theo beim Mexikaner
Andres (2.v.l) und sein Werkstattteam.

Muchas Gracias Andres !!!

Hoch über Santiago auf Probefahrt
Der Küste entlang nach Norden
Auf dem Weg zum Passo San Francisco
Ojo de Salado

 

Basiscamp auf 5260 M.ü.M

 

Hier ist Endstation auf 5'380 Metern über Meer

Unglaublich, diese Farben: Laguna Verde
Heisser Thermalbadeplausch an der Laguna Verde, auf 4500 M.ü.M.
Auf dem Weg nach Fiambala
Paprikaschoten werden getrocknet
Unsere ersten Lamas die wir sehen
Wunderschöne Ausblicke in der Quebrada de las Conchas
Die Landschaft wird fruchtbar und es wird Tabak angebaut und getrocknet
Die vier Musketiere ???
Salta
Auf dem Markt in Salta
Auf dem Weg zum Viadukto Polvorillo
Viadukto Polvorillo mit dem Tren de las Nubes
Esel mit chicem Ohrschmuck
Vicuñas, die kleinen Verwandten der Lamas
Runter nach Purmamarca
Gemütlicher Schlafplatz
In Purmamarca
Kleine Modeschau gefällig ?
Hier werden Empanadas (gefüllte Teigtaschen) direkt auf der Strasse verkauft
Quebrada de Humahuaca
Susques auf knappen 3800 M.ü.M
Weiter geht es Richtung Passo Jama
Schneesturm auf 4800 Metern Höhe
San Pedro de Atacama
Gut erhaltene Mumie im archäologischen Museum in San Pedro
Hoch über dem Valle de la Luna
Auf dem Weg zu den Tatio Geysiren.
Jaaaaa, es hat Schnee ...

 

Es hat mehr Schnee ...

 

Es hat zuviel Schnee !!!

Wir haben uns wieder ausgegraben und die Fahrt geht weiter
El Tatio Geysire

Abend- und Morgenstimmung auf 4320 M.ü.M.
Heiss-kalter Badeplausch mit Evy und Michi
Milch kochen und Frühstück mit Evy und Michi
Es geht weiter auf abenteuerlicher Strecke Richtung Calama
Eine ausgewaschene und sandige Passage wird mit Sandblechen gesichert
Wieder mal Lamas, denen wir immer häufiger begegnen
Kirche in Chui Chui, eine der ältesten in Chile. Decke und Türen sind aus Kakteenholz
In Chiquicamata, der grössten offenen Kupfermine der Welt
Morgenstimmung bei -1°C
Im Valle de la Luna
Wen treffen wir am Ausgang des Mondtales? Birgit und Udo und Claudia und Thorsten, mit denen wir schon in Ushuaia Sylvester gefeiert haben.
Auf nach Bolivien
   
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