61. REISEBERICHT:   29.4. - 9.5.2005

Von San Pedro de Atacama über den Salar de Uyuni nach Sucre

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Sooo, endlich mal ein Reisebericht ohne Hiobsbotschaften über unser Getriebe, sondern nur über tolle Erlebnisse mit Natur und Menschen.
In San Pedro wird noch einmal vollgetankt und schon geht es auf über 4650 Metern Höhe zum Bolivianischen Zoll. Die Abfertigung geht zügig vonstatten uns schon sind wir zusammen mit Evy und Michi in Bolivien.
Die erste Übernachtung findet bei der Laguna Verde auf 4350 Metern Höhe und bei -15°C statt. Erst am nächsten Morgen, als etwa 6 Touristenfahrzeuge bei einer kleinen schäbigen Hütte parkieren, stellen wir fest, dass wir neben einer wunderschönen Thermalquelle übernachtet und sie nicht ausgenutzt haben, Mann sind wir doof !!! Dafür haben wir zu unserem Erstaunen fast keine Beschwerden wegen der Höhe, super. Nur der Landy hat am kühlen Morgen Startschwierigkeiten und schickt einige schwarze und graue Rauchringe in den kühlen Morgenhimmel, bevor er unwillig seine Arbeit aufnimmt. Doch wird sind glücklich, dass er läuft, da dem Diesel hier in Chile und Argentinien keine Additive beigefügt werden und so kann es schon bei -10°C passieren, dass der Diesel einfriert und man dann warten muss, bis die Sonne alles wieder auftaut.
Weiter geht es zu den Geysiren von Sol de Manana. Hier blubbert, dampft und zischt es und man fühlt sich wie in Luzifers Wohnzimmer.
An der Laguna Colorada bietet sich uns ein komplett kitschiges Bild: Eine bunte Lagune, umringt von schneebedeckten Gipfel und darin waten rosa Flamingos herum, jaaaaa, Flamingos auf dieser Höhe, wir konnten es auch fast nicht glauben. Noch weiter vorne äsen ein paar Lamas gemütlich vor sich hin und lassen das Blitzlichtgewitter von Dutzenden von Touristen cool über sich ergehen.
Tja, die komplette Abgeschiedenheit in dieser Gegend, wie wir sie uns erhofft hatten gibt es nicht. Uns begegnen jeden Tag mindestens ein halbes Dutzend Touranbieter, die mit ihren Toyotas von Uyuni oder San Pedro her 3-4 Tagestouren anbieten und die Touris mit Hochgeschwindigkeit durch die Landschaft karren. Wir nehmen es da gemütlicher und lassen uns Zeit die Landschaft in uns aufzunehmen.
Vorbei an vier wunderschönen Lagunen, ebenfalls mit Flamingos, Lamas und Vicuñas, lassen wir den hohen Altiplano hinter uns und sinken auf gemütliche 3600 Meter runter und fahren auf den Salar de Uyuni. Mit etwa 160x120km Ausdehnung der grösste Salzsee der Welt. Am Anfang ist es uns schon ein wenig mulmig zu Mute, haben wir doch schon von so vielen Reisenden gehört, die eingesoffen sind und Stunden oder sogar Tage gebraucht haben, bis sie sich wieder ausgebuddelt haben. Doch der Salar ist schön trocken und wir sind ja mit zwei Fahrzeugen unterwegs. So sollte eigentlich nichts passieren.
Zwei tolle Tage verbringen wir auf dem Salar, fahren kreuz und quer über den See, besuchen die Insel Incahuasi mitten im Salar und das Hotel Playa Blanca, das komplett aus Salzblöcken gebaut ist und geniessen die wunderschönen Sonnenuntergänge und den fantastisch klaren Sternenhimmel.
In Uyuni erleben wir zum ersten Mal eine bolivianische Stadt und sind echt baff: Nur einige hundert Kilometer von Chile und Argentinien entfernt, eröffnet sich uns hier eine komplett andere Welt. Nur noch Indigene Bevölkerung, die Frauen tragen ihre typischen Trachten und schleppen in ihren bunten Tüchern Kinder oder Marktware mit sich herum. Wiederum werden, wie wir es schon von Zentralamerika her kennen, unsere Fahrräder auf dem Dach bestaunt und Kinder hängen sich wieder an Leiter und Trittbrett und kriegen eine Gratisfahrt.
Weiter geht es durch wunderschöne Landschaft nach Potosi. Hier wurde 1542 Silber entdeckt und von den Spaniern brutal ausgebeutet. Bis zum 18 Jh. starben in den Minen des Cerro Rico über 8 Mio. versklavte Indios und Afrikaner. Noch heute wird im Berg nach Silber und Zinn geschürft, doch im Gegensatz zu früher, arbeiten die Mineros heute auf eigene Faust.
Wir buchen eine geführte Minentour und stehen um 9:00 bereit für dieses eindrückliche Erlebnis. Zuerst kriegen wir Gummistiefel, einen feschen gelben Overall und einen Helm verpasst und danach geht es zum Mineromarkt. Hier kaufen wir Dynamit, Cocablätter und Mineralwasser als Geschenke für die Minenarbeiter, die wir besuchen werden, ein. Unglaublich, für 1.5 CHF kriegt man hier eine Stange Nitroglyzerin, inklusive Zündschnur und Zünder. Danach geht es zur Mine. Vor dem Eingang sitzen schon Dutzende von Männern herum und kauen Cocablätter bevor sie für 10-12 Stunden im Berg verschwinden. Das Coca unterdrückt Durst, Hunger und Schmerz und nur so schaffen es die Arbeiter, diese Schinderei auszuhalten.
Wir kriegen unsere Carbidlampen verpasst und ab geht es in den Stollen. Immer wieder müssen wir uns bücken um unter den Balken durchzukommen. Alle paar hundert Meter hat es eine Ausweichstelle, wo wir warten müssen, während 4-5 Arbeiter den bis zu 2 Tonnen schweren Wagen über die Schienen schleppen. Gearbeitet wir noch wir vor 3-4 Jahrhunderten: Von Hand werden mit Hammer und Meisel Bohrlöcher gemacht, Dynamit reingestopft und gesprengt. Mit Schaufel und Hacke wird das Gestein auf die Karren geladen oder mit Kübeln und Seilwinden in ein anderes Stockwerk gehoben und von dort aus dem Berg geschafft. Dort wieder mit Schaufeln auf einen Lastwagen verladen und von dort zur Weiterverarbeitung gefahren. Eine unmenschliche Schufterei !!! Uns fällt das Atmen schwer, es ist heiss, staubig, die Luft ist dünn, wir befinden uns immerhin auf der Höhe des Matterhorns (4498M.ü.M) und sind froh, dass wir uns überhaupt einigermassen fortbewegen können, während sich die kleingewachsenen Mineros schweissgebadet abrackern. Da die wenigsten einen Staubschutz tragen, immer wieder ein Gang zusammenbricht und auch giftige Gase in den Stollen vorkommen, ist die Lebenserwartung mit etwa 35 Jahren sehr gering. Nach über drei Stunden im Berg sind wir froh, wieder heil draussen zu sein. Ein eindrückliches Erlebnis.
Die Stadt selber war früher mal, dank dem Silber, die reichtste Stadt der Welt, doch davon ist heutzutage leider nicht mehr viel zu spüren. Viele der Gebäude sind zerfallen und warten auf eine Restaurierung. Dafür ist es unglaublich lebendig. Zu jeder Tages- und Nachtstunde strömen, ja strömen, nicht flanieren, hunderte von Menschen durch die Gassen. An jeder Ecke sitzen Frauen und Männer herum und bieten von Kugelschreibern, Pommes Frites zu Taschenrechneren alles mögliche feil. Auf dem Markt sieht man wieder appetitlich ausgestellte Kalbsköpfe, Lungen und andere Innereien, die einem den Schritt ins Vegetarierlager leicht machen. Eine ganz andere Welt !
In Potosi machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Tarapaya, einem mit heissem Wasser gefüllten, verloschenen Vulkankrater in dem wir endlich mal den Staub der vergangenen Tage loswerden können, ach wie herrlich !!!
Weiter geht es wiederum durch wunderschöne Landschaft und asphaltierter Strasse nach Sucre, der offiziellen Hauptstadt Boliviens. Die Stadt hat wunderschöne, gut erhaltene Kolonialgebäude und Kirchen und es macht Spass in der Stadt herumzuspazieren und zu verweilen.
Am Sonntag machen wir einen Abstecher zum Markt von Tarabuco, wo die Menschen aus den herumliegenden Dörfern zusammenkommen, um ihre Waren zu verkaufen und andere Sachen zu erwerben. Wir übernachten am Stadtrand und können uns schon früh ins Getümmel stürzen und sind die einzigen Touris. Das schöne an diesem Markt, dass die meisten Menschen hier noch ihre Trachten tragen und es so sehr bunt ist. Das weniger schöne ist, dass um 10:00 die Touribusse einfahren und es danach fast mehr Touris als Einheimische hat. So machen wir uns bald mal aus dem Staub und fahren wieder zurück nach Sucre und geniessen die friedliche Atmosphäre.

Eineinhalb Wochen Bolivien liegen hinter uns und wir sind in eine ganz andere Welt eingetaucht. Waren Argentinien und Chile vergleichbar mit Europa, so ist Bolivien was ganz anderes. Neues, Unerwartetes begegnet uns. Das Preisniveau ist herrlich tief, ein Nachtessen auf dem Markt mit Fleisch, Reis und Pommes Frites kommt auf knapp 1CHF, ein Liter Bier im Restaurant kostet auch nur 1.5CHF und die Übernachtung im einfachen Hotel kommt auf 3CHF zu stehen. Die Menschen sind reservierter, doch sobald man sie anlächelt oder anspricht, tauen sie auf.
Es ist wieder spannend zum Reisen und wir freuen uns, Bolivien noch näher kennenzulernen.
 

Ab nach Bolivien
An der Laguna Verde
Morgendliches Startröcheln
Bei den Geysiren von Sol de Mañana
An der Laguna Colorada
Bizarre Steinformationen beim Steinpilz
Weiter geht es durchs Hochland auf über 4'000 Metern Höhe, vorbei an Lagunen, Vicuñas und Flamingos
Geisterzug an der Grenze zu Chile
Wir sind auf dem Salar
Herrliche Abendstimmung
Gemütliches Frühstück auf dem Salar
Insel Incahuasi mitten im Salar, in totaler Einsamkeit ;)
Hopserla, was ist denn hier los?
Im Hotel Playa Blanca, total aus Salz gebaut
Dies sind die heimtückischen Löcher im Salar, in denen man versinken kann. Doch im Normalfall ist der Salzdeckel zwischen 2-7 Metern dick
Salzabbau auf dem Salar
In Uyuni
Auf dem Weg nach Potosi
Ausgerüstet mit Helm, Anzug, Stiefeln und Dynamit geht es zur Minentour
Auf dem Mineromarkt
Mit solchen Schubkarren wird das Gestein durch die Stollen nach draussen geschafft
Beim Minengott. Ihm bringen die Arbeiter jeden Freitag Opfergaben, wie Cocablätter, 98% Schnaps etc.
Ab und zu geht es nur auf allen vieren weiter
Eine Silberader wird minuziös von Hand freigelegt
Ein Minero bei der Ruhepause. In der geschwollenen Backe sind hunderte von Cocablätter drin.
Esther beim Schaufeln. Ist verdammt anstrengend bei der Hitze und der dünnen Luft !!!
Unsere Gruppe bei der Ruhepause
Hier wird ein Sack gefüllt, der mittels Seilwinde auf ein anderes Stockwerk gehoben wird und von dort aus dem Berg gekarrt wird.
In der Weiterverarbeitungsanlage
Potosi
Auf dem Markt
Potosi, im Hintergrund der Cerro Rico
Auf dem Weg nach Sucre
Auf dem Sonntagsmarkt in Tarabuco.
Das schöne Sucre
Kultur ist wieder mal angesagt. Im Theater läuft der Nussknacker
Schlemmen auf dem Markt.
Für umgerechnet 75 Rappen kriegt man eine Riesenportion Fleisch, Reis, Pommes Frites und Salat
   
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