63. REISEBERICHT:   7.6. - 25.6.2005

Von Bolivien via Brasilien nach Cusco in Peru

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nachdem wir die Ausreise aus Bolivien problemlos geschafft haben, eröffnete sich uns auf der anderen Flussseite eine neue Welt. Alles ist sauber, es herrscht Helmpflicht, im Stadtpark sind einige Dutzend Männer wie Frauen am Joggen und Walken und an der Immigration werden wir sehr freundlich begrüsst und bedient.
Petr musste noch eine neue Dieselpumpe für den Zusatztank auftreiben, da diese schon nach zwei Monaten den Geist aufgegeben hat und kriegte eine gebrauchte kostenlos, der Besitzer des Autozubehörladens hat sie ihm einfach geschenkt. Als wir noch bei einer Toyotawerkstatt nach ein bisschen Öl für die Servolenkung fragten, schenkte man uns gleich den ganzen Liter, tja, das ist Brasilien. Ach, könnten wir doch länger bleiben. Wir liebäugeln mit einer Fahrt auf dem Amazonas wieder nach Belem und dort der Küste entlang weiter nach Fortaleza. Strand, Palmen, fröhliche Menschen, tropische Früchte, ach wär das schön, doch nein, es gilt noch Peru und Ecuador zu entdecken.
Die Fahrt von Guajara Mirim nach Assis Brasil ging auf einer Asphaltstrasse, auf der die Kilometer wie im Flug vergehen, durch gerodete Urwaldlandschaft, die einer Unmenge von Rindviechern als Weideplatz dient.
In Rio Branco machen wir einen kurzen Übernachtungsstop, gönnen uns ein gutes brasilianisches Nachtessen und sind am nächsten Tag schon in Assis Brasil. Hier ist man gerade daran eine neue Brücke für die Transpazifika zu bauen, die Brasilien mit dem Pazifik verbinden soll. Da die Brücke noch nicht fertig ist, müssen wir durch den Fluss, was sich im Vergleich zu den anschliessenden Wasser- und Schlammdurchfahrten als Kinderspiel erweisen sollte.
In Peru angekommen, klopfen wir an der Türe des Immigrationsbüros, doch kriegen wir mitgeteilt, dass es erst um 10:00 öffnet und nicht schon um 8:00, wie draussen angeschlagen. Punkt 10:00 stehen wir zu sechst (Evy, Michi, Willy und Claas sind auch mit von der Partie) vor dem Immigrationsbeamten, der ziemlich verkatert dreinblickt und uns mürrisch nur 30 Tage Aufenthaltsbewilligung anstatt der offiziellen 90 Tage in den Pass reindrückt, so ein A...., jaaaaa, wir sind nicht mehr in Brasilien!
Die Strecke nach Puerto Maldonado  ist in gutem Zustand und geht noch durch intakten Urwald, wo noch in kleinen Dörfchen ein einfaches Leben geführt wird. Puerto Maldonado ist Ausgangspunkt für Dschungeltouren, doch es ist eine grosse, betriebsame Stadt und versprüht keinerlei Dschungelflair wie z.B. Rurrenabaque in Bolivien.
Tags darauf nehmen wir die 540km nach Cusco unter die Räder. Die Lastwagen brauchen 2-3 Tage, so sollten wir es doch problemlos in zwei Tagen schaffen, denkste.
Am ersten Tag  geht es flott voran, bis wir auf einer Anhöhe auf eine Kolonne von fast 40 Lastwagen stossen, die sich gegenseitig durch die tiefen Schlammlöcher und rutschigen Auffahrten ziehen. Das ganze sieht ziemlich chaotisch aus, doch irgendwie funktioniert es und nach einer geschlagenen Stunde Wartezeit können wir uns an der Seite der tiefen Löcher vorbeischleichen. Als Tüpfelchen auf dem i müssen wir noch bei beginnender Dämmerung durch ein paar tiefe Wasserlöcher, bei denen uns das Wasser über die Motorhaube kommt, uns der Atem stockt und Büsslis Luftfilter geflutet wird. Bei Dunkelheit schleppen wir sie die letzten hundert Meter zum kleinen Dorfplatz, welcher unser Übernachtungsplatz wird. Zum Glück ist kein Wasser in den Motor gekommen und mit dem neuen Luftfilter schnurrt der Motor wieder wie neu.
Der nächste Tag sollte der Härteste werden. Ganze 64km mehr stehen am Abend auf dem Tacho als am Morgen. Uns hat es am Tag zuvor den Stossdämpfer von der Achse abgerissen, was sich durch ein schwammiges und schaukliges Fahrverhalten bemerkbar machte, doch in einer Blitzaktion wieder repariert werden konnte. Andererseits hatte es ein paar knackige Auf- und Abfahrten, die durch die Lastwagen tief ausgefahren wurden und die wir mit zentimetergenauem Manövrieren auf dem Grat zwischen den Lastwagenspuren bezwingen mussten. Während Claas und Willy mit ihrem Toyota und wir problemlos durchkamen, rutschte das Büssli immer wieder in die Spuren ab und wir konnten uns als Strassenbauer und Abschleppdienst betätigen, was der allgemeinen körperlichen Fitness nur zuträglich war. Wieder haben wir auf einem Dorfplatz übernachtet und wurden sehr freundlich begrüsst und die Menschen haben immer wieder gern einen Schwatz mit uns abgehalten. Die nächsten zwei Tage sind problemlos. Über trockene Piste winden wir uns in die Berge und können auf 3'012 Metern Höhe ein herrlich warmes Thermalbad nehmen und danach in die Schlafsäcke verschwinden.  Dass sich Petr dort im warmen Dreckwasser eine fesche Angina, die er an Esther weitergegeben hat, geholt hat, sei nur am Rande erwähnt. Doch dank Krankenschwester Anti Biotika geht es uns wieder gut.
Hier oben sind die Menschen schon scheuer und reservierter und wollen nicht mehr gross mit uns kommunizieren.
In Cusco fahren wir am Abend des vierten Tages ein und sind absolut glücklich aus Bolivien rausgekommen zu sein und diese abenteuerliche Strecke gemeinsam gemeistert zu haben, yeeeepeeeeee !!! Da belohnen wir uns doch alle mit einem leckeren 3-Gang Menu in Cusco's Altstadt.
Cusco ist überwältigend. Die Mischung aus alten Inkamauern und den imposanten kolonialen Bauten der Spanier ist einmalig. Mit Stadtkarte bewaffnet, latschen wir uns die Füsse von einer Sehenswürdigkeit zur anderen wund und geraten immer wieder in Atemnot, da die 3'450 Meter Höhe dieser Stadt auch von uns ihren Tribut fordern. Wir bleiben vier Tage in Cusco, das aber vollkommen von Touristen eingenommen ist. Überall wird man auf englisch angequatscht, in eine Kneippe gelockt oder zum Kauf irgendeines Touristenkrimskramses aufgefordert. Doch uns gefällt es trotzdem und wir hohlen Infos wie man nach Machu Pichu kommt, besuchen die eindrückliche Ruine Saqsaywaman  und müssen noch die Radlager des Landy's neu schmieren und einstellen.
Da die Touristenzüge nach Machu Pichu völlig überteuert sind, (40 US$ für Touris, 4US$ für Einheimische!) fahren wir über Ollanta nach Santa Teresa um von der anderen und weniger touristischen Seite nach Machu Pichu zu gelangen. (Mehr Infos dazu siehe Reisetips) Die Strasse windet sich in unzähligen Serpentinen bis auf 4'300 Meter hoch, um dann durch mehrere Vegetationsstufen auf 1'200 Meter in St. Maria hinabzufallen und dann in ein enges Seitental nach St. Teresa abzuzweigen. Wunderschöne Landschaft und ein toller Streckenverlauf bieten sich uns! In St. Teresa angekommen, lassen wir unseren Landy beim Centro de Salud (Gesundheitszentrum) stehen, müssen noch zwanzig Minuten laufen und eine abenteuerliche Drahtseilbahn über den Fluss nehmen, bis wir zur Haltestelle kommen, wo der Lastwagen zum Wasserkraftwerk fährt, von wo aus der Zug um 15:20 nach Aguas Calientes fährt. Wir warten eine geschlagene halbe Stunde bis der Lastwagen wieder zurückkehrt, doch der Fahrer teilt uns mit, er würde erst wieder um 16:00 hochfahren. Doch für umgerechnet 8 CHF würde er eine Spezialfahrt nur mit uns beiden machen. Rein in den Lastwagen und hoch geht es. Nach zwanzig Minuten holpriger Fahrt kommen wir beim Bahnhof an und sprinten zum Zug, ergattern für 5 Soles (2 CHF) ein Ticket und steigen in den Wagen.  Der Anblick, der sich uns nun bietet verschlägt uns voll den Atem. Im Bewusstsein, uns völlig abseits der touristischen Pfade zu bewegen, sind wir absolut nicht darauf gefasst, einen übervollen Wagon nur mit Touristen anzutreffen. Die meisten haben eine kombinierte Mountainbike-Trekkingtour hinter sich und dösen mit weit geöffneten Mündern vor sich hin.
Nach einer Stunde ruckelnder Zugfahrt kommen wir in Aguas Calientes an. Umringt von steilen, hohen und grünbewachsenen Bergen ist die Lage einmalig. Wir quartieren uns in einer kleinen Absteige ein, essen schnell was und gehen früh zu Bett, da wir um 4:00 morgens loslaufen wollen, um Machu Pichu bei Sonnenaufgang zu erleben.
Der Wecker klingelt, es ist dunkel und wir kämpfen mit dem inneren Schweinehund, der uns immer wieder zurück unter die Bettdecke zieht. Um 4:15 laufen wir los. Keine anderen Touris zu sehen, sollten wir die ersten sein? Bis zur Brücke geht es runter, doch dann steigt der Pfad steil an. Immer noch keine anderen Touris zu sehen. Als wir in der Mitte des Pfades sind, können wir unter uns die ersten Taschenlampen ausmachen. Knapp bevor wir oben ankommen, überholt uns eine Dreiergruppe laut röchelnd und schnaufend. Nach 1.5 Stunden ist es geschafft; wir stehen vor dem Eingang von Machu Pichu. Immer mehr Touris kommen oben an und zerstören laut quatschend die friedliche Atmossphäre.
Es ist 6:00, wir stehen zuvorderst in der Warteschlange, blättern 60 CHF für den Eintritt hin und begeben uns in die mystische Ruinenstadt.
Der Anblick und die Lage verschlägt uns voll den Atem. All die Fotos und Poster von Machu Pichu können die fantastische Lage hoch über dem Urubambatal, umringt von hohen Bergen nicht wiedergeben, wenn sich die Ruinen vor einem in Natura eröffnen. Wir suchen uns einen ruhigen Platz aus und warten nun mit mittlerweile Hunderten von anderen den Sonnenaufgang ab. Herrlich, wie sich die Sonnenstrahlen über die Berggipfel trauen und nach und nach die Ruinen beleuchten. Anschliessend machen wir uns an die Besichtigung der verschiedenen Stadteile. Am Nachmittag geht es auf dem steilen Saumpfad auf den Wayna Pichu, dem hohen Berg im Hintergrund von Machu Pichu. Nach einer halben Stunde sind wir oben und geniessen den herrlichen Ausblick. Und dann machen wir einen grossen Fehler. Anstatt wieder auf dem gleichen Weg zurückzulaufen, nehmen wir den längeren Weg, der an zwei Höhlen vorbeiführen soll. Der Weg ist schon interessant, doch die Höhlen sind es keineswegs und wir brauchen geschlagene eindreiviertel Stunden bis wir wieder zurück sind. So bleibt uns nur noch ein knappe halbe Stunde um Machu Pichu noch einmal zu geniessen, bevor es seine Pforten schliesst. Wir geniessen die mystische Stimmung bei Sonnenuntergang und machen uns anschliessend mit schmerzenden Oberschenkeln auf dem Abstieg. Hier treffen wir auf eine tschechische Reisegruppe, die auch mehr stolpernd als gehend unterwegs ist und wir beschliessen Machu Pichu gemeinsam bei viel Bier, Pizza und Geschwatz in einer Kneipe.
Tags darauf geht es wieder mit dem Zug runter, dann mit dem Lastwagen und danach wieder über den Fluss nach St. Teresa. Der Landy ist heil geblieben und wir fahren wieder zurück nach Ollanta. Hier besuchen wir die Ruinen von Ollantaytambo und ziehen weiter durch das schöne Heilige Tal nach Pisaq. Hier fahren wir direkt in die Ruinenstadt, machen bei Abenddämmerung und aufsteigendem Vollmond eine Wanderung durch die faszinierende Anlage und ziehen nächstentags weiter nach Tres Cruzes, wo man  herrliche Sonnenaufgänge über dem Dschungel erleben soll. Nun ja, wir sind schon um 15:30 auf der Passhöhe und entschliessen uns noch einen kleinen Abstecher hinab in Richtung Manu Nationalpark zu machen. So fahren wir anfangs durch dichten Nebel und können, als wir endlich was sehen, den dichten Urwald, mit seinen tiefen Schluchten, Wasserfällen und üppiger Vegetation geniessen. In San Pedro übernachten wir und fahren schon um 4:00 morgens los um den Sonnenaufgang ja nicht zu verpassen. Das Wetter scheint uns hold zu sein, der Mond scheint und kein Wölkchen am Himmel. Dies ändert sich aber als wir bei Tres Cruzes ankommen: wir sitzen im dichten Nebel und sehen absolut nichts von einem Sonnenaufgang.
Durch schöne Altiplanolandschaft geht es zurück nach Cusco, wo wir die nächsten Tage dem Inti Raymi, dem heiligsten aller Inkafeste beiwohnen. Am Abend ziehen Folkloregruppen wild trommelnd und tanzend durch die Stadt und am nächsten Tag findet das Schauspiel der Sonnenanbetung in der Stadt und auf den Ruinen Saqsaywaman statt. Ein eindrückliches Spektakel !!!
Spannende und abwechslungsreiche drei Wochen liegen hinter uns und nun geht es weiter Richtung Titicacasee, Colca Canyon, Nasca Linien und so weiter und so fort, Fortsetzung folgt.
 

Auf dem Weg nach Puerto Maldonado
In Puerto Maldonado
Was hier so alles rumfährt
Auf dem Weg nach Cusco. Hier war das Wasser noch nicht so tief
Doch hier geht's schon richtig zur Sache
Jaa, hier wurde es schon tiefer!
Wo ist wohl der beste Weg?
Morgendliche Stossdämpferreparatur
Büssli auf Abwegen, rette sich wer kann !
Strassenbau, die erste
Strassenbau, die zweite
Mit geballter Manneskraft kriegt man jedes Vehikel aus dem Schlamm.
Nun ja, der Toyota musste nachher noch ein wenig nachhelfen
Ein Blick auf die Flora
Und weiter geht's
In einem kleinen Goldgräberkaff
 
Selbst auf 4'000 Metern Höhe wird der karge Boden bearbeitet
Indigena in ihrer normalen Tageskleidung
Essensstände unterwegs
Cusco kommt näher
Geschafft, wir sind in Cusco angekommen
In Cusco
Der berühmte 12-eckige Stein. Man beachte wie präzise die Steine ohne Mörtel zusammengefügt worden sind.
In Saqsaywaman
Die Globetrottergemeinde trifft sich in Cusco
Blick ins Valle Sagrado
Blilck auf Moray, das den Inkas als Experimentierstation für diverse Pflanzensorten gedient haben soll
Salinen, in denen heute noch von Hand Salz gewonnen wird
Auf dem Weg nach Santa Teresa, dem Hintereinstieg für Machu Pichu
Mit Volldampf über den Fluss
In Aguas Calientes auf 2'000 Metern Höhe
Impressionen aus Machu Pichu (2'450 m.ü.M)

Im Hintergrund der Wayna Pichu (2'650 m.ü.M)

Blick vom Wayna Pichu auf Machu Pichu
Die Inkas haben unglaubliche Pfade in den Berg gehauen
Geschafft! In tschechischer Runde wird auf Machu Pichu angestossen
Ollantaytambo
Pisaq
Auf dem Weg nach Tres Cruces
Es geht runter Richtung Manu
Nach einigem Warten hat sich uns die Sonne in Tres Cruzes doch noch gezeigt
Auf dem Markt in Pisaq, der sehr touristisch ist.
Eingeborene von einem unbekannten Stamm
Inti Raymi by night
Und bei Tag
   
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