64. REISEBERICHT:   25.6. - 13.7.2005

Von Cusco via La Paz nach Arequipa

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Nachdem wir uns in Cusco von der versammelten Globaltrottel- ähhh Globetrotterclique verabschiedet haben, ging es volle Pulle zum Titicacasee. In Puno parkiert und dort einen lokalen Führer angeheuert, der uns zu den Uros, den schwimmenden Schilfinsel gerudert hat. Obwohl die Inseln schon sehr touristisch sind, leben noch an die 300 Familien auf den Inseln und man fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Drachenboote aus Schilf schippern in der Gegend herum, es hat Schulen und medizinische Versorgung. Ein eindrückliches Erlebnis und wenn nicht dutzende Touristenboote die Inseln anlaufen würden, noch eindrücklicher.
Weiter geht es um den Titicacasee, wo man im Hintergrund die schneebedeckten Berge der Cordillera Real sieht, nach La Paz.
Von El Alto auf 4'000 Metern stürzen wir uns runter in den Talkessel von La Paz, das auf 3'600 Metern liegt. Im Hintergrund sind wiederum einige schneebedeckte Gipfel zu sehen und in der Stadt geht so richtig die Post ab. Taxis, Collectivos (Sammeltransporter), Busse drängeln sich kreuz und quer über die Strassen, halten an wo es ihnen gefällt und dazwischen noch Tausende von Fussgängern, die irgendwie über die Strasse gelangen wollen, kurzum, ein herrliches Chaos. So sind wir froh, als wir das bei Reisenden wohlbekannte Hotel Oberland erreichen. Und hier erleben wir eine nette Überraschung. Der Besitzer des Hotels,Walter Schmid ist auf dem Mutschellen in die gleiche Schule gegangen wie Petr und die beiden kennen sich von den Skilagern her. Natürlich wird gleich über die gemeinsamen Bekannten nachgegrübelt und über die vergangenen Zeiten nachgedacht.
La Paz ist eine faszinierende Stadt: lebendig, laut, bunt und rund um die Uhr ist Leben auf der Strasse. Das Beste sind die verschiedenen Freiluftmärkte. Jede Strasse beherbergt ihr Spezialgebiet. Sei dies Gemüse, Obst, Klempnersachen, Fahrräder, Elektrozubehör, Computer, etc, etc, ganze Stadtviertel sind ein riesiges Shopping-Center.
Am Donnerstag geht es noch an den Markt von El Alto, wo alles von Kleidung bis zu Automotoren verkauft wird. Vor allem staunen wir, als wir sehen, dass Kleidung, die bei uns in der Kleidersammlung gesammelt wird und eigentlich an Bedürftige kostenlos verteilt werden sollte, hier verkauft wird. Selbst alte Schweizer Militärhosen kann man hier ergattern.
Die Tage vergehen im Nu, wir bummeln durch die Stadt, machen auf Kultur und ziehen uns die letzte Episode von Star Wars rein, besuchen Inge und Guy, die wir in Puerto Madryn getroffen haben und die hier nun als Bikeführer arbeiten und als Tüpfelchen auf dem i gönnen wir uns noch ein feines Fondue bei Walter.
Da wir unsere Fahrräder wieder mal  bewegen wollen und von La Paz aus die berühmt berüchtigte gefährlichste Strasse der Welt runter in die Yungas nach Coroico führt, können wir fast nicht anders, als diese auch runterzufahren. Doch Walter verrät uns eine Insiderstrecke, die nicht auf der staubigen Strasse runterführt, sondern auf der anderen Bergseite, durch völlig unberührte Landschaft geht und wenn man Glück hat, sogar Pumas zu sehen wären. Also, nichts wie los. Um 6:30 steht das Taxi bereit, wir laden die Fahrräder aufs Dach und fahren auf den 4'700 Meter hohen Pass La Cumbre, von wo aus der Downhill beginnt. Die ersten 40km sind asphaltiert und wir brettern mit 60 Sachen ins Tal runter. Dann kommt der Abzweig zur Insiderstrecke. Die Landschaft ist wunderschön und immer wieder ergeben sich grandiose Ausblicke, doch irgendwie will der Weg nicht in die Tiefe sinken, sondern es geht immer wieder rauf und runter. Damit wir ja nicht zu schnell vorwärts kommen, hat es auf der gesamten Strecke an die 20 Erdrutsche, die wir mal mit gebuckeltem Fahrrad, mal ziehend, mal stossend und meistens fluchend bewältigen müssen. Pumas sehen wir leider keine, doch wahrscheinlich keuchen wir dafür zu stark und verscheuchen alle Tiere. Erst gegen Schluss geht es richtig ins Tal runter, und wir lassen es richtig kacheln. Um 17:00 kommen wir mit schmerzendem Rücken und Hintern im Tal an und nehmen das Collectivo, das uns nach Coroico bringt. Hier besuchen wir Hans, den wir in Cusco kennengelernt haben, und der uns zu sich eingeladen hat. Wir geniessen den Gemüseauflauf mit Straussenei von Rainer, sind froh und glücklich, dass wir diese tolle Strecke gemeistert haben und fallen danach todmüde ins Bett.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus die Strasse nach La Paz zurück und sehen immer wieder Biker, die mit den unzähligen Organisatoren, die dieses "Abenteuer" anbieten, die Strasse runterfahren. Sie schlucken Staub ohne Ende und sehen vor lauter Staubwolken kaum die sie umgebende Landschaft. Wir sind heilfroh, dass wir nicht hier runtergefahren sind. Bei der Rauffahrt konstatieren wir, dass das Attribut gefährlichste Strasse der Welt vor allem ein Marketinggag ist. Natürlich ist die Strasse eng und steil abfallend, doch die meisten Unfälle geschehen, weil die Bremsen versagen oder beim Manövrieren, wenn zwei Lastwagen kreuzen müssen. Bei den bolivianischen Fahrkünsten ist es aber nicht weiter erstaunlich, dass immer wieder ein Wagen den Hang runterpurzelt.
Auch im Oberland hat sich eine nette Reisendenclique eingefunden, von der wir uns verabschieden und in die Berge nach Sorata fahren. Leider spielt das Wetter nicht mit und statt der grandiosen Ausblicke auf die umgebenden Gipfel, kriegen wir nur Nebel und Wolken zu sehen. Doch der Schweizer Stefan, der hier schon seit 10 Jahren wohnt und ein kleines Café betreibt, vertröstet uns, dass sich das Wetter schnell ändern kann. So schalten wir einen gemütlichen Hängertag ein. Von Stefan kriegen wir den Tip, dass ein Ami coole Downhilltouren anbietet. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Am nächsten morgen laden wir das Bike von Travis aufs Dach und ab geht es auf 4'800 Meter Höhe. Hier oben sind wir über dem Nebelmeer, die Sonne scheint und das Abenteuer kann beginnen. Ich auf dem Fahrrad und Esther mit dem Landy. Die Strecke ist einfach super: knackige Schotterabfahrten, coole Singletracks und immer anspruchsvolle technische Passagen. Drei Stunden vollster Bikegenuss!
Weiter geht es auf der Nordseite des Titicacasees nach Peru. Die Strecke führt dem See entlang, ist bedeutend schöner als die Südseite und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf den See und seine Inseln. Der Grenzübertritt ist sehr einfach, es hat nämlich gar keine Kontrolle und schwupps sind wir in Peru. Da uns das nicht sehr geheuer ist, fragen wir natürlich sofort bei der Peruanischen Polizei, wo wir den Einreisestempel kriegen. In Puno oder jeder Provinzhauptstadt, kein Problem. Da Wochenende ist, die Behörden eh geschlossen sind, fahren wir weiter nach Arequipa. Dies sollte sich noch als Fehler erweisen, doch dazu noch später.
Arequipa ist eine lebendige Stadt mit einer schönen Plaza, einem riesigen Kloster, einigen schönen Kirchen und einem herrlichen Ausblick auf die sie umgebenden 6'000 Meter hohen Vulkane. Wir flanieren durch die Gassen, besuchen das Kloster und schauen dem Treiben auf der Plaza zu.
Am Montagmorgen geht es in aller Früh zur Immigration, um den Einreisestempel für Peru zu erhalten. Was wir hier erleben, lässt den Amtsschimmel laut wiehern. Da wir keinen Ausreisestempel von Bolivien haben, müssen wir zum Schweizer Konsul oder Notar um eine Bestätigung einzuholen, dass wir wirklich via die grüne Grenze nach Peru gelangt sind. Der Honorarkonsul ist sehr nett, doch kann er uns keine Bestätigung ausstellen, weil er nicht dazu befugt ist. Also ab zum Notar. Wir kriegen die eidesstattliche Bestätigung, zahlen 8 Fränkli und müssen danach noch zur Bank um die Bearbeitungsgebühr von 10 CHF einzuzahlen. Nichts leichter als das, wenn nicht schon tausende von anderen das gleiche Begehren hätten. Ich laufe an der Menschenschlange vorbei um zu fragen, ob dies die richtige Warteschlange ist und werde zu meinem grossen Erstaunen und der Verärgerung der hinter mir Wartenden, die mit Gemotze ihrem Unmut Ausdruck geben, sofort drangenommen und kann sofort einzahlen, das ging ja ruckzuck. Zurück zur Immigration und um 14:30 haben wir unseren Einreisestempel. Jetzt nur noch schnell zum Zoll und fertig sind wir. Tja, nach über einer Stunde vergeblicher Diskussion und Studiums der Zollparagrafen, wird mir mitgeteilt, dass der Zoll in Arequipa nicht in der Lage ist, ein temporäres Zollformular für unseren Landy auszustellen und wir wieder zurück zur Grenze fahren müssen. So ne Scheisse !!! Zähneknirschend nehmen wir die 600km zurück zur Grenze in Angriff und können wenigstens durch schöne Wüstenlandschaft wieder zum Titicacasee fahren. Unterwegs treffen wir die über 50 Jahre alte Cynthia, die mit ihrer BMW R80, alleine von England, via Wladiwostok, Japan und Australien nach Südamerika gereist ist und nun auf dem Weg nach Norden ist. Chapeau.
Da wir schon an der Bolivianischen Grenze sind, beschliessen wir, schnell nach Bolivien einzureisen, alle Tanks zu füllen, da dort der Diesel weniger als die Hälfte als in Peru kostet, dann wieder nach Peru einzureisen und hier das Zollformular für den Landy auszustellen. Die Peruaner verstehen die Situation sofort, doch der Volltrottel von bolivianischem Immigrationsbeamten will uns partout den Ausreisestempel nicht geben sondern uns noch zu einer Busse von 20 Franken pro Person verdonnern, weil wir das Land unerlaubt verlassen hätten. Nach ellenlanger Diskussion verlassen wir sein Büro ohne den Ausreisestempel, öffnen selber die Schranke und können problemlos und mit vollen Tanks nach Peru einreisen.
Jetzt sitzen wir am Rande des Colcacanyons und hoffen am nächsten Morgen Kondore zu Gesicht zu kriegen.
Doch davon mehr im nächsten Reisebericht.
 

Grosses Grillfest in Cusco
Auf dem Weg zum Titicacasee
Tausende von Rikschas tummeln sich auf den Strassen von Juliaca und Puno
Am Titicacasee. Im Hintergrund ist schon der Schilfgürtel mit den Inselchen zu sehen.
Auf den schwimmenden Inseln der Uros
Auf dem  Altiplano gesehen: Volleyballturnier in Röcken
Weiter geht es nach La Paz mit der typisch trockenen Altiplanolandschaft
La Paz
Mit Walter Schmid, dem Besitzer des Hotels Oberland, den ich noch von der Bezirksschule auf dem Mutschellen her kenne.
Hmmmm, lecker schmecker, wieder mal ein echtes Fondue
Der Wagenpark im Oberland hat sich ziemlich gefüllt
Auf dem Markt in El Alto, wo es ALLES zu kaufen gibt, nur weiss niemand, wo es was zu kaufen gibt.
La Paz ist ein riesiger Markt
Auf dem Hexenmarkt, wo es von getrockneten Lamaembryos zu Ozelotfellen alles zu kaufen gibt, was die Geister wohl stimmen kann
Morgens, bei 4°C auf dem 4'700 Meter hohen Pass La Cumbre
Jaaa, hier geht es runter
Herrliche Landschaft wartet auf uns
Doch leider ist auch tragen, schleppen, ziehen, fluchen, .... angesagt
Geschafft, bei Hans und Rainer in Coroico. Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft.
Auf der Hauptstrasse wieder zurück nach La Paz. Die saftig grüne Vegetation liegt unter einer dicken Staubdecke
Auf dem Weg nach Sorata, das unten im Tal zu sehen ist
Mit Travis auf dem 4'800 Meter hohen Pass. Von hier geht es auf einer tollen Strecke wieder runter nach Sorata.
Hier runter ?

Klaro!

Blick auf Sorata und die umliegenden 6'000 er.
Am Nordufer des Titicacasees
Die letzten Bolivianos werden nach langem Feilschen in Diesel umgetauscht
Die Menschen werden im Wagen, die Schafe auf dem Dach zusammengepfercht
Auf dem Weg nach Arequipa
Arequipa
Impressionen aus dem Santa Catalina Kloster
Auf dem Markt
Die Spezialität Perus: Gebratenes Meerschweinchen. Ausser Haut und Knochen hat es verdammt wenig Fleisch an den Dingern. Um satt zu werden, müssten man ein ganzes Gehege verschlingen
Bis bald !
   
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