65. REISEBERICHT:   13.7. - 1.8.2005

Von Arequipa nach Lima

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


Junge, junge, wie die Zeit vergeht. Schon seit einer Woche sind wir hier in Lima, sitzen jetzt gemütlich im Schweizerclub und schauen zu, wie draussen die Paletten für das heutige 1. August Feuer aufgeschichtet, drinnen emsig die Lampignons aufgehängt werden und das Restaurant geschmückt wird. Daneben trägt Esther das Tagebuch nach und ich haue mal wieder in die Tasten, um unsere wehrte Leserschaft auf dem Laufenden zu halten. Doch zuerst zurück zum Rand des Colcacanyons wo diese Reiseetappe ihren Anfang nahm.

Der Sonnenaufgang über dem Canyon ist herrlich und eröffnet uns wunderbare Ausblicke ins Tal. Von den Daten her gesehen ist diese Schlucht die tiefste der Welt, doch da man den Canyon nie von ganz oben zu sehen kriegt, ist er weniger eindrücklich als z.B. der Grand Canyon in den USA oder der Kupfercanyon in Mexiko. Am Aussichtspunkt Cruz del Condor kriegen wir mit hunderten von anderen Touris einige Kondore zu sehen, die gemächlich ihre Kreise ziehen, geniessen die Ausblicke und begeben uns danach ins Thermalbad, um uns endlich mal den sich eingenisteten Staub aus allen Poren zu spülen. Weiter geht es über einsame Altiplanolandschaft zum Cotahuasicanyon. In der ganzen Region wird intensiv Bergbau betrieben, immer wieder zweigen Pisten zu irgendwelchen Minen ab und tragen nicht sonderlich zur Erleichterung beim Finden der richtigen Piste bei. Wir übernachten am Rande des Canyons und geniessen am Morgen früh den Sonnenaufgang, die herrliche Aussicht und das gemütliche Frühstück bei angenehmen Temperaturen.
Über unzählige Serpentinen gelangen wir ins friedliche Dörfchen Cotahuasi, fahren zum  Wasserfall nach Sipia, von wo aus es auch einen imposanten Ausblick auf die steil aufragenden Wände des Canyons gibt und geniessen anschliessend unseren Privatpool in den Thermen von Lucio, herrlich. Tags darauf nehmen wir eine Piste, die nach Norden aus dem Canyon rausführt. Wir haben diese schon mit dem Feldstecher von der anderen Seite her gesehen und ein Strassenbauingenieur bestätigt uns, dass diese frisch erbaut wurde und durchgehend sein soll.
Über unzählige Serpentinen winden wir uns von 2'700 m.ü.M wieder auf über 4'800 und erfreuen uns immer wieder ob der spektakulären Ausblicke. Es geht durch fantastische Landschaft und am Abend kommen wir in Corculla an, das nur 12 km Luftlinie von unserem Ziel Pausa entfernt liegt. Die Strasse endet auf dem Hauptplatz, auf dem eben ein Fussballspiel stattfindet. Wir fahren am Torhüter vorbei, parken, das Fussballspiel ist vergessen und wir werden sofort von der gesamten Dorfjugend umringt, die ihrer Kreativität freien Lauf lässt und sich mit lustigen Kritzeleien im Lack unseres verstaubten Landys verewigt. Esther rastet fast aus, doch als uns der Bürgermeister begrüsst und die Horde auf Distanz bringt, klärt sich der Ansturm auf. Die von uns befahrene Strasse ist erst seit vier Tagen fertiggestellt und das Dorf konnte vorher nur zu Fuss mit einem stundenlangen Marsch erreicht werden. Wir sind somit die ersten Touristen, die sich jemals hierher verirrt haben !!! Als Tüpfelchen auf dem i wird an diesem Tag der Dorfheilige gefeiert und es wird gegessen, getrunken, getanzt und am Abend in einer eindrücklichen Prozession eine Lade durch die Strassen geschleppt. Unglaublich, dass man in der heutigen Zeit noch Dörfchen "entdecken" kann, ohne Strom, ohne fliessend Wasser, wo noch keine Touris vorbeigekommen sind.
Am nächsten Tag lassen wir uns die Strecke nach Pausa genau erklären und machen uns wieder zurück nach oben, auf den Weg. Wir finden den Abzweig, die Piste ist aber zeitweise so miserabel, dass wir mit höchstens 15 km/h vorwärts kommen, doch dafür haben wir genug Zeit die fantastische Landschaft um uns herum aufzunehmen. Mitten im Nirgendwo steht eine Hütte mit peruanischer Flagge und ist das Schulhaus für die Kinder der Bauern, die hier oben auf 4'500 Metern Höhe mit dem Hüten von Lamas und Alpacas ein einfachstes Dasein fristen. Die Piste wird sandig und man wähnt sich eher in Tunesien als in Peru. Wir müssen, um nach Pausa zu gelangen, einen tiefen Canyon umfahren und kleinere Seitentäler runter und wieder rauffahren. Wir sind den ganzen Tag unterwegs, legen knappe 150km zurück und sind am Abend nur 12km Luftlinie von unserem letzten Übernachtungsplatz entfernt. Kein Wunder, sind wir so im Verzug mit unserer Zeitplanung ! Doch dieser Abstecher hat sich für uns absolut gelohnt. Von Pausa geht es wieder die Berge rauf und durch Wüstenlandschaft und an Oasen vorbei endlich an die Küste. Hier erwartet uns Nebel und Feuchtigkeit, der unser Begleiter für die nächsten zwei Wochen werden soll.
In Nasca buche ich einen Überflug der berühmten Linien, bin ein wenig enttäuscht, da ich sie mir grösser und klarer vorgestellt habe, doch dafür bietet der Flug mehr Spektakel als erwartet, da es ziemlich windet und der Pilot die kleine Maschine voll in die Kurve legt, damit man die Linien zu sehen kriegt.
Weiter geht es durch die Küstenwüste nach Ica, wo wir das Steinmuseum des Dr. Cabrera besuchen und sind völlig baff ob der eingeritzten Zeichnungen auf den tausenden von Steinen, die er gesammelt hat. Diese sind mit grosser Wahrscheinlichkeit über 12'000 Jahre alt, zeigen aber Menschen, die mit Dinosauriern kämpfen, Abbildungen von Tieren die vor über 70 Millionen Jahren ausgestorben sind und detaillierte Skizzen von inneren Organen und operativen Eingriffen an Herz und Hirn. Glaubt man den Theorien des Dr. Cabrera, deutet alles darauf hin, dass vor der unseren, schon eine andere Zivilisation auf unserem Planeten gelebt haben und danach ausgestorben sein soll, klingt unglaublich, nicht wahr?
Daneben ist Ica auch das Hauptanbaugebiet für Wein und Pisco und as usual probieren wir einige der produzierten Säfte aus. Nun ja, wegen dem Wein muss man Peru sicher nicht besuchen, doch der Pisco lässt meine Augen schon eher glänzen. Ob dies mit der degustierten Menge und Alkigehalt zusammenhängt, sei dahingestellt.
In der Oase Huacachina, fühlt man sich mitten in die Sahara versetzt. Hohe, steile Dünen umgeben eine mit Palmen und Hotels umringte grüne Pfütze. Diverse Anbieter bieten Ausfahrten mit Dünenbuggies an und nach einigen Diskussionen, ob wir selber in die Dünen fahren sollen oder uns fahren lassen sollen (natürlich will ich selber mit dem Landy in die Dünen rein!) buchen wir eine zweistündige Tour inklusive Sandboarden und werden nicht enttäuscht. Unser Fahrer Martin donnert mit seinem an Mad Max erinnernden Vehikel mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Dünen. Immer wieder heben wir ab und fliegen über die Dünenkämme. Düne rauf und mit voller Pulle auf der anderen Seite wieder runter. Eine Achterbahn ist ein müdes Kaffeekränzchen gegen den Adrenalinkick, den wir hier reinziehen. Das Sandboarden hingegen ist ziemlich lahm und langweilig und wird nur durch die spektakulären Stürze der anderen Boarder, die fleissig Sand futtern und sich die Unterhosen mit demselben füllen, aufgeheitert.
Lima ist bald erreicht und wir können uns auf dem Parkplatz des Schweizer Clubs einquartieren. Das Stadtzentrum selber hat ausser ein paar Kirchen, einer schönen Hauptplaza und einigen netten Gässchen keine absoluten touristischen Highlights und macht einen eher ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Doch es hat einige schöne Stadteile ausserhalb des Zentrums die zum Flanieren einladen. Dafür lernen wir einige sehr offene und interessante Schweizer kennen, die hier leben und mit denen wir angeregte Gespräche führen können. Am 30. Juli wird in der Schweizer Botschaft der Nationalfeiertag gefeiert und da alle Auslandschweizer und solche auf der Durchreise eingeladen sind, begeben wir uns in die prächtige Residenz und lauschen der auf spanisch übersetzten und vom Tonband kommenden Ansprache unserer Bundespräsidenten Samuel Schmid. Kaum ist der Vortrag beendet, die Schweizer Hymne abgelesen, bei der Peruanischen gibt es doch noch einige, die mitsummen und das Buffet für eröffnet erklärt wird, kommt Leben in die Gesellschaft und das Käsebuffet ist innert weniger Minuten leergefegt. Wir haben die Gelegenheit, mit dem Konsul und dem Chef des Affaires ein paar Worte zu wechseln und verlassen in patriotischer Stimmung die Residenz.

Heute Abend können die Kleinen mit den Lampignons herumstolzieren, die Grossen ums Palettenfeuer herumstehen, echte Schweizer Cervelats und Bratwürste geniessen und ein Feuerwerk wird die Menschen und Hunde in der Nachbarschaft erschrecken und die Schweizer Seele erquicken. Jolidulidu.

Toll war es.
 

Colca Canyon
Unterwegs vom Colca zum Cotahuasicanyon
Jo sakra, wird hier aber tief gebaut
Blick in den Cotahuasicanyon
Sipia
Der Besitzer des Thermalbades hat Geburtstag und wir werden zu Bier, Musik und Tanz eingeladen
Steil geht die Strasse aus dem Canyon
Dorfkids
Geschaftt, wir sind oben und es geht durch fantastische Landschaft
Uns es ist verdammt staubig
Ob's wohl hier weitergeht?
In Corculla  mit dem Bürgermeister und Anhang
Big Party in Corculla
Und weiter geht es Richtung Pausa
Canyon rauf und Canyon runter
Hinter Pausa wird Landschaft immer trockener
Es geht runter an die Küste und rein in den Nebel
Der Küste entlang Richtung Nasca
Vor Nasca besichtigen wir die Gräber von Chauchilla. Durch das trockene Klima sind die Mumien sehr gut erhalten geblieben.
Ab geht's in die Luft

Als Copilot habe ich super Aussicht nach vorne und zur Seite

Eingänge zum ausgeklügelten Bewässerungssystem der Nascakultur
Auf dem Aussichtsturm bei den Nascalinien.
Ja, und das Experiment mit dem Bart ist beendet. Esther dankt es.
In den kleinen Weinkellereien wird noch mit solchen archaischen Pressen gearbeitet und der Wein in Amphoren aufbewahrt.

Doch der Pisco ist gar nicht so übel !

In den Dünen bei Ica
In den Strassen von Ica
Die mysteriösen Steine von Ica
Besichtigung des Weingutes Vista Alegre
Oase Huacachina und unser abenteuerliches Gefährt
Sandboarden und die verschiedenen Stile
Auf der Halbinsel Paracas und der über 1'000 Jahre alten Bodenzeichnung Kandelaber
Lima an der Küste
Im Zentrum
Doch hinter den renovierten Kulissen schaut es nicht immer so toll aus
Welch Empfang für uns ! Oder war es doch für den Präsidenten?
Buntes Markttreiben
Die Zuchtspezialität aus Peru: Haarlos und hässlich.

Wurde von den Inkaherrschern als Heizkissen verwendet

An der 1. August Feier in der Residenz des Schweizer Botschafters in Lima
Und an der Feier im Schweizer Club mit einem Riesenfeuer

 

 

 

Der Präsident Mario (l.) und sein Vize, Alberto in voller Aktion ...

 

... Koni unser persönlicher Lima-Tourguide...
... und last but least, Nicole und Noldi vom Restaurant im Schweizer Club

Herzlichen Dank nochmals an alle für die Gastfreundschaft und die tolle Zeit, die wir in Lima mit Euch hatten !!!

   
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