66. REISEBERICHT:   2.8. - 24.8.2005

Von Lima über Huaraz nach Mancora

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:


In der Kürze liegt die Würze.
Sind von Lima über die Berge nach Huaraz gefahren, haben dort den Pisco (5765 m.ü.M) bestiegen, danach weiter nach Trujillo, dort die umliegenden Ruinen angeschaut und dann weiter an den Strand von Mancora, wo wir eine Woche lang relaxed haben. Sun, Fun and nothing to do. Das war's, in der Superschnellzusammenfassung.

Hmmm, wieso tippseln wir uns eigentlich bei jedem Reisebericht fast die Finger wund, wenn es auch so ginge?
Doch es soll auch Leserinnen und Leser geben, die unsere Berichte wirklich lesen und für die wollen wir es doch ein wenig ausführlicher nehmen.

Der Abschied in Lima fiel uns nicht leicht, haben wir doch so viele tolle Bekanntschaften dort gemacht, doch der Ruf der Wildnis hallt uns in den Ohren..
Von Lima geht es durch eine enge Schlucht mit spektakulärer Streckenführung und faszinierenden Ausblicken, auf den fast 4'800 Meter hohen Pass Ticlio. Auf der anderen Seite wieder runter (jaaa, wer hätte das gedacht!) durch ein aktives Bergbaugebiet. Hier wird von Gold, Silber, Blei bis Uran alles mögliche aus dem Boden geholt. In einer interessanten Berg- und talfahrt geht es durch verschiedene Dörfchen, in denen wir teils fassungslos angestarrt, teils freundlich begrüsst werden Richtung Cordillera Blanca, die sich majestätisch am Horizont erhebt.
In La Union besuchen wir noch eine Inkastätte und fahren danach auf den 4'800 Meter hohen Abra Yanashalla und biegen von dort auf eine kleine Schotterpiste Richtung Huaraz ab. Wären wir vor Wochen noch vollkommen ausgerastet, dass wir einen Pass auf der Höhe des Montblanc überqueren, lassen uns diese Höhen mittlerweile ziemlich unberührt.
Am Abend kommen wir in Huaraz an und fahren sofort auf den Aussichtsberg um das Panorama zu geniessen. Die Aussicht auf die vielen 6'000 er ist grandios, doch vom Ort selber sind wir mehr als enttäuscht. Es ist ein dreckiges, hässliches Kaff und nichts lässt darauf schliessen, dass es sich um die Bergsteigermetropole Perus handelt. Von hoch oben können wir das Hotel Andino erkennen, da es das einzige Gebäude ist, dessen Fassade verputzt ist. Wir bleiben zwei Tage dort, feiern unser dreijähriges Reisejubiläum, schlendern durch den Ort, erkunden uns beim Bergführerbüro über mögliche einfache Aufstiege und lernen die Schweizer Andrea und Daniel kennen, die mit ihrem Sohn Killian in einem Landy, mit was denn sonst ;) von Alaska nach Feuerland unterwegs sind.
Anschliessend machen wir uns auf zum Autotrekking und absolvieren eine wunderschöne Rundtour von Carhuaz über den Punta Olympica, nach Yanama und zurück über die Llanganuco Lagunen. Mich juckt es die ganze Zeit schon in den Füssen, wieder mal die Steigeisen auszupacken und einen dieser Schneeriesen zu erklimmen, doch Esther mag nicht so recht. Doch als wir im Nationalpark einen Bergführer treffen, der mit einer Gruppe unterwegs ist und uns anbietet, zu einem sehr interessanten Preis, danach mit uns noch einmal auf den Pisco zu steigen, ist auch Esther mit von der Partie..
Wir machen noch eine schöne Wanderung zur Lagune 69, von der aus man eine super Aussicht auf den 6'112 Meter hohen Chacracaju, einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge hier in der Cordillera hat und düsen dann runter nach Yungay.
Dort werden die Vorräte aufgestockt, Ausrüstung zusammengekramt und rauf geht es wieder in den Nationalpark, wo wir unseren Landy auf dem Parkplatz stehen lassen und tags darauf von 3'900 Meter zum 4'600 Meter hoch gelegenen Basislager aufbrechen. Der Weg windet sich steil rauf und eröffnet immer wieder herrliche Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und vor allem kommt unser Ziel, der 5'765 Meter hohe Pisco in Sicht. Nach zweieinhalb Stunden haben wir es geschafft. Wir stellen unser Zelt auf, geniessen die Atmosphäre und warten auf unseren Bergführer, der eigentlich schon im Lager sein sollte. Als dieser nach einer Stunde immer noch nicht auftaucht, beschleicht uns das unangenehme Gefühl, dass er vielleicht im 4'900 Meter hohen Moränencamp geblieben ist. So genau haben wir uns ja nicht verabredet. Doch kurz nachdem ich aufgebrochen bin, kommt er mir entgegen. Seine Kunden wären so langsam gewesen, dass er erst jetzt vom Gipfel zurückkehrt. Doch zum Glück haben wir uns getroffen. Am Abend als es ans Kochen geht, spuckt und russt der Benzinkocher und ist trotz aller möglichen Putzversuche nicht zum Heizen zu bewegen. So können wir einen Teil unseres Stockis auf dem Kocher der Ecuadorianischen Expedetition heiss machen, doch als sich nach dem letzten Putzversuch, unser Kocher doch noch zum Leben erwecken lässt und seinen Dienst aufnimmt, können wir das komplette Menu mit Suppe, Stocki, Wienerli und Tee durckkochen. Die Sonne geht unter, es wird kalt und bald kriechen wir in unsere Schlafsäcke, gilt es doch um 2:00 Richtung Pisco loszumarschieren. Die Nacht verbringen wir trotz der Höhe ohne Kopfschmerzen und brechen pünktlich auf.
Anfangs geht es beim Licht unserer Stirnlampen über die Geröllhalde der Moräne und wir erreichen nach zwei Stunden die Gletscherzunge. Wir sind froh einen Führer dabeizuhaben. Sich in der Dunkelheit in dieser Schutthalde zurechzufinden wäre in der Nacht gar nicht so einfach gewesen. Wir ziehen Steigeisen und Klettergurt an, sichern uns mit dem Seil und ab geht's auf den Gletscher. Hoch über uns sehen wir die Lichtpunkte der anderen Seilschaften, die vor uns aufgebrochen sind. Um 5:00 beginnt es zu dämmern und die umliegenden Berge werden wie in einem kitschigen Bergfilm mit Louis Trenker in ein zartes Rosa gehüllt. Herrlich. Der Aufstieg geht flott voran und begeistert nehmen wir die um uns auftauchende Bergwelt wahr.  Die Schlüsselstelle ist eine 50 Meter hohe, eisige Steilwand, die wir problemlos meistern und danach geht es, den Gipfel vor Augen, durch grandiose Gletscherlandschaft. Um 8:30 stehen wir auf dem Gipfel und geniessen die herrliche Rundumsicht. Viel Zeit haben wir leider nicht, da unser Führer zum Abstieg drängt, da die Schlüsselstelle ein Engpass ist und man da locker viel Zeit verlieren kann, wenn man auf die anderen Seilschaften warten muss. Der Abstieg geht wunderbar locker und beschwingt laufen wir an den schnaufenden Seilschaften vorbei, die den Gipfel noch vor sich haben. Das Geröllfeld am Schluss hätten wir gerne überflogen, doch zur Mittagszeit sind wir beim Zelt und spähen stolz zum Gipfel rauf, den wir ein paar Stunden vorher erklommen haben.
Wir packen alles zusammen und wandern Richtung Parkplatz, wo wir unseren Landy unversehrt wiederfinden. Runter nach Caraz, wo wir nach langer Suche endlich ein Hostal finden, wo wir uns unterstellen können. Dann ab ins Restaurant, der Magen knurrt schon eine geraume Zeit, ne heisse Dusche und ab ins Dachzelt.
Nach herrlich durchschlafener Nacht, trocknen wir alle unsere Sachen und dann geht es durch die enge Schlucht des Canon del Pato der Küste entgegen. Die Strasse ist abenteuerlich in den Fels gehauen und steil geht es auf beiden Talseiten hoch. Durch Wüstenlandschaft geht es Richtung Trujillo.  Dort besichtigen wir die verschiedenen Ruinen der Mochica und Chimu. Die Stadt selber hat eine schöne Plaza, ein paar schön restaurierte koloniale Gebäude und das war's denn schon. Nächstentags geht es nach Chiclayo, das einen riesigen Markt beherrbergt und von dort durch langweiligste Wüstenlandschaft durch Piura, das gar nichts vorzuweisen hat, durch Sullana, das wie eine grüne Oase der Wüste trotzt, nach Talara an der Küste. Hier wird fleissig nach Erdöl gebohrt und an einem heimeligen Plätzchen zwischen den Ölpumpen schlagen wir unsere Nachlager auf. Mitten als wir am Pastakochen sind stellt unser Gaskocher ab. Das gibt es doch nicht, wir haben doch erst im Februar aufgefüllt und normalerweise reicht die Flasche 9 Monate. Nun ja, wieder unseren kleinen Expeditionskocher ausgepackt, diesmal mit Diesel gefüllt und siehe da, funktioniert bestens. Tags darauf machen wir uns auf, unsere Gasflasche aufzufüllen, sollte kein Problem sein, bei dem Gas und Öl, das hier im Boden steckt. Schnell werden wir zur nächsten Gasabfüllanlage verwiesen, ein kurzer Check, der Adapter passt, super, kein Problem. Denkste !!! Man lässt uns eine geschlagene Stunde warten und verkündet uns dann, dass sie hier keine 5kg Flaschen, sondern nur 10 oder 45 kg Flaschen auffüllen würden. Nach einer geschlagenen halben Stunde der freundlichen Diskussion mit dem Leiter der Anlage, habe ich die Schnauze voll und bin nahe dran, ihm unsere leere Gasflasche um den Kopf zu hauen. Ein paar letzte Worte, die ihm die Verwandschaft zu seinem Analbereich erläutern und weg sind wir. Mittlerweile ist es Mittag. Doch die Odyssee geht weiter. In El Alto soll man auch Gasflaschen auffüllen können, wurde uns gesagt. Also nichts wie hin. Doch dort handelt es sich um eine Tankstelle für naturgasbetriebene Fahrzeuge, Fehlanzeige. So geht's weiter zu einem Mechaniker, bei dem wir einen Adapter löten lassen, mit dem wir von den grossen 45kg Flaschen auf unsere kleine 5kg umfüllen können. Nach einer längeren Zeit der Erklärung, nein, sie sind nicht begriffsstutzig, sie brauchen eben ein bisschen länger, ist der Adapter fertig. Doch im ganzen Dorf ist keine 45kg Flasche aufzutreiben. Hmm, wieder Fehlanzeige. Mittlerweile ist 15:00. Ach ja, El Alto ist auch noch berühmt dafür, dass hier die grössten Marline aus dem Meer geholt werden. Hemingway liess sich hier zu seinem " Der alte Mann und das Meer" inspirieren. Wir fahren der Küste entlang weiter nach Mancora, wo es uns endlich gelingt unsere Gasflasche aufzufüllen. Den Adapter haben wir gar nicht gebraucht. Das findige peruanische Köpfchen hat den Schlauch von seinem Gaskocher abmontiert und bei uns in die Flasche reingesteckt und so das Gas umgefüllt, so einfach ist das. So schnell ist in Südamerika ein Tag vertrödelt......
Nun sind wir schon eine Woche hier in Mancora und es ist einfach herrlich. Sonnenschein, Strand, Meer, jeden Tag Wind, so dass ich auf dem Kiteboard herumturnen kann. Und dazwischen füllen wir das süsse Nichtstun mit dem Verschlingen der sich in der Bibliothek aufgestauten Literatur auf. Leider sind die Nächte eher kühl (~18°C) und das Wasser auch nicht viel mehr. Somit ist nichts mit Kiten in Shorts, sondern Neopren ist angesagt. Doch dafür scheint die Sonne jeden Tag und die Küche mit den leckeren Meeresspezialitäten, vor allem der rohe Fischsalat Ceviche, lässt uns den Aufenthalt hier einfach über die Runden bringen.
Wir bleiben noch ein paar Tage hier und dann geht es über die Grenze nach Ecuador, wo wir uns dann mit den Verschiffungsmöglichkeiten nach Neuseeland, Ausflug nach Galapagos und allerlei mehr herumschlagen müssen.

Peru hat uns sehr gut gefallen. Von allen bisher gesehen Südamerikanischen Ländern weist es wohl die grösste landschaftliche wie auch kulturelle Vielfalt auf. Wir fühlten uns immer sicher, haben oft wild gecampt und wurden je nach Region reserviert bis freundlich aufgenommen.
Noch was zum Strassenverkehr:
Der Fahrstil ist vergleichbar mit dem auf unseren Skipisten. Der Hintere muss immer aufpassen und auf der Hut sein. Der Vordermann, kann locker mal mitten auf der Strasse anhalten, die Bremslichter funktionieren eh nicht und Leute ein-und ausladen. Abbiegen ohne Blinker (was ist ein Blinker?) ist an der Tagesordnung, doch da die Verkehrsdichte nicht sehr hoch ist kommt man gut aneinander vorbei.
Vortrittsregeln sind keine erkennbar, als Faustregel gilt: der Stärkere, Grössere, Mutigere hat immer Vorfahrt. Somit hatten wir mit unserem Landrover gegen die kleinen koreanischen Flitzer meistens die Oberhand.

Das war's. Ciao Peru, Ecuador, wir kommen !!!
 

Von Lima wieder hoch in die Anden
Hoch über La Union besuchen wir die Inkaruine Huanuco Viejo
Öffentliche Verkehrsmittel à la Peru
Bleimine mitten in den Bergen
Weiter geht es Richtung Huaraz
Am Pasto Ruri Gletscher auf 5'000 Meter Höhe, der einfachsten Möglichkeit für Peruaner auf einem Gletscher herumzuwandern.

Wer es nicht auf eigener Kraft schafft, kann sich auch einen persönlichen Träger für 4 Franken mieten.

Puya Raimondi, werden bis zu 10 m hoch, blühen erst mit einem Alter von 50-75 Jahren und sterben danach ab

Huaraz
Aller guten Dinge sind 3 !!!

Drei Jahre on the road, das wird bei einem feinen Nachtessen im Hotel Andino gefeiert

Landytreffen in Huaraz mit Andrea, Daniel und Killian
Auf der Rundtour durch die herrliche Bergwelt

Serpentinen rauf bis auf 4'850 m.ü.M. und wieder runter, rauf und wieder runter, ...

Dorfidylle
Blick auf die Llanganuco-Lagunen
Unterwegs zur Laguna 69
Petr wird beim Rasieren argwöhnisch beobachtet
Pisco, wir kommen !!!
Geschafft, wir sind im Basislager auf 4'600 Meter Höhe
Blick auf den Pisco mit der Route
Morgenstimmung beim Aufstieg
Hier geht es steil rauf, doch Lady Esther nimmt es von der lockeren Seite
Herrliche Ausblicke
Es ist nicht mehr weit bis zum Gipfel

Viktor unser Führer

Geschafft, wir sind oben auf dem Pisco auf 5765 m.ü.M.

Welch Aussicht bei strahlendstem Sonnenschein
Und es geht wieder runter
Noch schnell durchs Geröll und schon sind wir unten
Wie so immer, muss mal wieder alles getrocknet und verstaut werden
Durch den Cañon de Pato an die Küste
Eine Übersicht der diversen Transportmöglichkeiten
Einfache Baumwollpflückersiedlung am Wegesrand
Im Küstennebel nach Trujillo
Huaca de la Luna mit gut erhaltenen farbigen Wandreliefs
Chan Chan, das in seiner Blütezeit im 14 Jh. mit bis zu 100'000 Einwohner die grösste Stadt Amerikas war
Huaca el Dragon mit gut erhaltenen Reliefs
Trujillo
Jeder verkauft irgendetwas
Na, sammer ned fesch ?
Am Strand von Huanchaco
Endlich erleben wir mal wieder herrliche Sonnenuntergänge.
Es wird gegrillt, gebraten, frittiert, ...
... und es schmeckt lecker
Chiclayo und sein überwältigender Markt
Sullana
Hafen von Talara
Der Küste entlang nordwärts
Unser Platz in Mancora

 

 

 

Mit herrlichem Blick an den Strand

 

Am Strand mit traumhaften Sonnenuntergängen

Herrlich, mal wieder mit dem Kite herumzudüsen
   
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