8. REISEBERICHT:  5.9.-15.9.2002

Kouchibougouac NP - Happy Valley Goose Bay (Labrador)

Bisherige Route Gesamtübersicht:

Diese Etappe:

Die Bräune haben wir nachgetankt und ganz locker in einen Sonnenbrand umgewandelt (vor allem Petr) und schon ging es unaufhaltsam weiter Richtung Labrador. Auf der Gaspé Halbinsel folgen wir einem Flusslauf, der fast mehr Fischer als Fische zu beherbergen scheint und setzen mit einer Fähre über den Golf von St. Lawrence, von Matane nach Baie-Commeau über. Auf der Fähre lernen wir ein Ehepaar aus Labrador City kennen, das uns zu sich nach Hause einlädt.
Von Baie-Commeau sind es 550 km nach Labrador City und nochmals 555 km von Labrador City zur Happy Valley Goose Bay, dem nördlichsten Punkt im Osten von Kanada. Davon sind über 850 km Schotter ! Dazwischen liegt Niemandsland, nur Wälder und Seen. Die Distanzen, die Weite, die Einsamkeit sind unbeschreiblich und für Europäer, die dichtbesiedelte Landschaften gewohnt sind, unvorstellbar. Zum Vergleich: Auf der Strecke Zürich bis Norddeutschland läge nur eine Stadt.
Wir lassen uns an einem einsamen See nieder und verbringen dort drei wunderbare Tage mit Lesen, Holz sammeln und hacken, Feuer machen, grillen, mit dem Schlauchboot den See erkunden, mails schreiben, durch die Landschaft spazieren, etc, etc.
Nach diesem Trapperdasein fahren wir nach Labrador City, zum Ehepaar Blackmore. Sie nehmen uns herzlich auf und wir verbringen drei wunderbare Tage bei Ihnen. Welche Gastfreundschaft: Sie kennen uns kaum, doch sie organisieren eine Führung durch die Eisenerzminen, ermöglichen uns den Upload der Homepage, führen uns in Labrador City herum und dies obwohl wir uns nur kurz vorher auf der Fähre kennengelernt haben. Herzlichen Dank!

Ein paar Stichworte zu Labrador City: Ist 1961 gegründet worden und besitzt die grösste Tagbau-Eisenerzmine der Welt. Im Winter liegt im Schnitt 5 Meter Schnee und die Temperaturen steigen zwischen Dezember und Februar nie über -25 Grad Celsius und können locker gegen - 50 Grad absinken. Jeder Bewohner hat mindestens einen Schneeschlitten, mit dem er im Winter auf den gefrorenen Flüssen und Seen herumheizen und auf Jagd gehen kann. Zwei grosse Karibouherden (pendant zu unseren Hirschen) von je 500'000 Tieren ziehen im Winter an Labrador City vorbei und erweitern den Speiseplan.
Von Labrador City geht es weiter gegen Osten zur Goose Bay. Auf dem Weg dahin, kommen wir an einem der grössten Wasserkraftwerke der Welt vorbei: 5.5 Gigawatt, 11 Francis-Turbinen und das alles unterirdisch.
Von dort ist es nur noch ein Katzensprung von 300 Schotterkilometern zur Goose Bay. Die dortige US Air Force Station wird u.a. von NATO Nationen zum Training von Überschall-Tiefflügen verwendet und besitzt mit über 5 km eine der längsten Runways der Welt. Goose Bay ist neben dem Salt Lake City eine mögliche Landedestination des Space Shuttle. Ihr seht, Labrador weist einige Superlative auf.
Dort angekommen, lernen wir den Leiter des dortigen Krankenhauses kennen, der uns die gesamte Air Force Basis, die Umgebung zeigt und uns zum Nachtessen einlädt.
Wir sind am nördlichsten Punkt im Osten Kanadas angekommen und sind fasziniert von der Landschaft, der Weite und vor allem der Gastfreundschaft der Einwohner, die uns lange in Erinnerung bleiben werden.
Auf uns wartet nun wieder 1200 km unendliche Weite, die wir gerne auf uns nehmen. Einerseits ist es ein unbeschreibliches Gefühl durch diese Weite zu reisen, andererseits freuen wir uns aber, wieder in wärmere Gefilde zu gelangen, hat die Tagestemperatur die 15 Gradmarke nur selten überschritten, so waren die Nachtemperaturen meistens um den Nullpunkt.

Bei der Fahrt zur Gaspé Peninsula (Quebec)

Amazonas? Everglades? Nein! Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz biegen wir in einen Quad Trail ab, welcher immer schmaler und matschiger wird.
Somit hätten wir unseren Landy das erste Mal eingesumpft. Doch nach paarmal Vor- und Rückgeschaukle waren wir schon wieder draussen, Glück gehabt.

Auf dem Weg nach Labrador passieren wir einige Staudämme. Hier ist Manic Cinq mit einer Höhe von 214 m.

Wälder, Seen und dazwischen eine Schotterpiste
Volle Kraft voraus !

Eigentlich gibt es zu dieser Jahreszeit keine Führungen durch die Mine, doch Jeffrey hat uns nach seinem Arbeitsschluss noch eine Komplettführung von über zwei Stunden ermöglicht. Dazu gehörte auch eine Fahrt mit einem der riesigen Muldenkipper: Radhöhe über 4m, Kapazität 240 Tonnen Erz, dieselelektrischer Antrieb mit 3500 PS.
(leider war es schon sehr dunkel, als die Photos entstanden)

Ausflug auf den Skiberg von Labrador City: Der Smokey Mountain

Unsere Gastgeber in Labrador City.
Thank you very much, Nellie and Carl

In der Maschinenhalle des Churchill Falls Wasserkraftwerk

Nicht nur wir sind in dieser Gegend unterwegs. Schon im Auto können 1200km lang werden, doch erst mit dem Fahrrad!

In der Goose Bay angekommen.
Unsere Gastgeber in Happy Valley Goose Bay. Thanks and merci beaucoup!

Wie wir zu Neufundländern geschlagen wurden:
Die Prüfung bestand aus einem Neufundländischen Zungenbrecher, danach musste ein Fischkopf innig geküsst werden und zum Schluss alles mit einem Glas Rum begossen werden. Und schon sind wir Neufundländer.

Hey Newfies, it was an absolutely excellent evening and we will miss you a lot!!!